Berner ist raus aus dem Tal

Künzelsau  Stabile Umsätze und positive Sondereffekte in der Corona-Krise: Der Schraubenhändler aus Künzelsau sieht sich wieder auf Kurs und will langfristig Marktanteile erobern.

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Das alte Geschäftsjahr 2019/20 endete im März in der Krise, und so begann im April das neue. "Umso wichtiger war es, dass wir in den Monaten davor sehr ordentliche Umsätze erzielt haben und so den Umsatz und das Ergebnis für das Geschäftsjahr gerettet haben", erklärt dazu Christian Berner, Chef der Berner Group. Jetzt befindet sich der Künzelsauer Schraubenhändler wieder in einer stabilen Situation.

Genau in der Krise, am 1. April, begann die Amtszeit von Peter Spitlbauer als neuem Finanzchef der Gruppe. "Die Firma befand sich im Krisenmodus, wo es vor allem darum ging, die Liquidität zu sichern, Investitionen und Kosten im Blick zu haben", sagt Spitlbauer im Gespräch mit der Heilbronner Stimme. Schließlich musste man sich auch auf das Worst-Case-Szenario vorbereiten.

Doch er habe auch sofort gesehen, wie stabil der Konzern aufgestellt ist. "Problematisch war für mich persönlich, neu in ein Unternehmen zu kommen und keine Leute kennenlernen zu können, weil alle im Homeoffice sind."

Die Einbrüche aus dem April nicht ganz aufgeholt

Zufrieden zeigt sich Spitlbauer mit dem ersten Quartal, das mit einem furiosen Juni endete. Die Aufholjagd nach den Corona-Lockdowns in Europa bescherte Berner mit einem Plus von 13 Prozent einen neuen Rekordumsatz von rund 100 Millionen Euro.

Das konnte die Rückgänge der zwei Vormonate allerdings nicht ganz ausgleichen. Im April war der Umsatz um ein Drittel gegenüber dem Vorjahreszeitraum eingebrochen. "Danach haben wir uns wieder nach oben gerobbt", so Spitlbauer.

Zur Gewinnsituation sagt das Unternehmen wenig. Es gebe aber einige positive Effekte, erläutert Spitlbauer. Insgesamt habe man vom Produktmix profitiert, der Bau läuft und insbesondere die Spezialchemiesparte überraschte.

Im abgelaufenen Geschäftsjahr lag der Gewinn gerade noch im angepeilten Bereich. Prognosen für das laufende Geschäftsjahr seien derzeit "nicht seriös", wie Spitlbauer sagt. "Wir denken in Szenarien. Auch eine zweite Welle würde uns nicht aus der Bahn werfen." Bislang konnte die Firma die Folgen der Krise aus eigener Kraft bewältigen. Ein wichtiger Faktor sei dabei auch, dass sie systemrelevant sei.

Kein größerer Personalauf- oder -abbau geplant

Berner ist raus aus dem Tal
Peter Spitlbauer ist seit April Finanzchef der Gruppe. Foto: Berner

Der Umsatz 2019/20 lag bei 1,062 Milliarden Euro, 0,5 Prozent niedriger als 2018/2019. Die Mitarbeiterzahl blieb mit rund 8200 nahezu konstant gegenüber dem Vorjahr. Im Kochertal mussten sowohl bei der Tochterfirma BTI als auch bei Berner Deutschland einige Mitarbeiter das Unternehmen verlassen.

Aber der Rückgang von 855 auf 840 Stellen zeige, dass es sich nicht um einen Stellenabbau in nennenswertem Umfang handelt, sondern um einen "normalen Entwicklungsprozess". Insgesamt seien bei der Personalplanung keine Sprünge in irgendeiner Richtung geplant.

Die Corona-Krise beförderte Berners Bemühungen, den Online-Handel zu stärken. Der Umsatz über diesen Kanal stieg um 18,2 Prozent bereits im vergangenen Geschäftsjahr deutlich auf rund zehn Prozent des Gesamtumsatzes an. In den weiteren Corona-Monaten ging es weiter auf knapp unter 20 Prozent nach oben und damit in ähnliche Regionen wie beim Wettbewerber Würth, so Spitlbauer.

Desinfektionsmittel als Umsatztreiber

Die Caramba-Gruppe, die innerhalb der Berner Group das Geschäftsmodell Spezialchemie betreibt, hat ausgerechnet in der Pandemie-Phase den Turnaround geschafft und schreibt wieder schwarze Zahlen. Die Duisburger Unternehmenstochter hat ihre Produktion im Bereich Desinfektionsmittel kurzfristig umgestellt und nach Flächendesinfektionsmitteln auch Handdesinfektionsmittel angeboten. Die Produktionsstätten wurden über mehrere Wochen im Mehrschichtbetrieb gefahren, um die starke Nachfrage zu befriedigen. Der Umsatz stieg um mehr als drei Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal, und auch die Auftragsbücher seien gut gefüllt.

 

Investitionsprogramm

60 Millionen Euro investiert die Berner Group in den Ausbau seiner Logistik-und Produktionskapazitäten. Das europäische Zentrallager in Kerkrade geht im August in Betrieb. Fünf Millionen Euro wurden für die Tochter BTI in Ingelfingen investiert, zum einen in eine sogenannte Pick-Pack-Anlage, zum anderen für einen neuen Logistikstandort in Windischbuch bei Boxberg. Der Chemiespezialist Caramba baut derzeit eine neue Lagerhalle in Duisburg. Grundsätzlich hält die Berner Group an ihrem Vorhaben fest, langfristig Marktanteile zu gewinnen.


Christian Gleichauf

Christian Gleichauf

Chefkorrespondent Wirtschaft

Christian Gleichauf schreibt über Menschen, Unternehmen und wirtschaftliche Entwicklungen in der Region Heilbronn-Franken. Seit dem Jahr 2000 ist der gebürtige Südbadener bei der Heilbronner Stimme.

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