Bei Lederer in Öhringen droht Stellenabbau

Öhringen  Freudenberg-Konzern will Bereich Werkzeugbau mit 28 Mitarbeitern schließen. Arbeitnehmervertreter befürchten, dass dies nur der erste Schritt zur Komplettschließung des Standorts mit 140 Mitarbeitern sein könnte.

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Mit einer Protestaktion vor dem Werk haben Beschäftigte des Öhringer Freudenberg-Standorts ihren Unmut über die Schließungspläne geäußert.

Foto: Axel Sonntag

Die Arbeitnehmervertreter am Freudenberg-Standort in Öhringen haben ihre unmissverständliche Botschaft auf T-Shirts drucken lassen: "Das kannste schon so machen, aber dann isses halt Kacke!" steht dort. Gemeint ist die Schließung des Werkzeugbaus bei Lederer, wie der Standort hier immer noch genannt wird.

Dieser Bereich mit derzeit 28 Mitarbeitern soll geschlossen werden. Der Weinheimer Mischkonzern (Vileda) nennt die "seit vielen Jahren unbefriedigende Kostensituation" als Grund für die Pläne. "Kostendeckendes Arbeiten ist nicht mehr möglich, auch gegenüber externen Lieferanten bestehen keine Kostenvorteile mehr", teilte der Konzern gestern auf Stimme-Anfrage mit.

Der Werkzeugbau gilt als besonders wichtig für die Silikon-Produkte

Das sehen Betriebsrat und Gewerkschafter ganz anders. "Der Werkzeugbau war das Plus des Standorts in der Vergangenheit", sagt Andreas Kose, Bezirksleiter der IG Bergbau Chemie Energie (BCE), beim Pressegespräch am Mittwoch in Öhringen. Er weist wie auch die Betriebsräte und Berater darauf hin, dass ein zentraler eigener Werkzeugbau für den Standort Öhringen besonders wichtig sei. "Flüssigsilikon ist ein besonderer Werkstoff", sagt Berater Hans Otto. Da brauche es spezielle hochsensible Werkzeuge, die man am besten selbst herstelle. "Wir haben Bedenken, dass es mit einem externen Werkzeugbauer nicht funktioniert", sagt die Betriebsratsvorsitzende Sabrina Kurz. Es fehle dann an Flexibilität im Betrieb.

Keine Schließung aus wirtschaftlicher Not

Rechtsanwalt Norman Hagel, der Lederer seit Jahren berät, weist darauf hin, dass der Standort Öhringen Gewinne erwirtschaftet, die Schließung also kaum mit wirtschaftlicher Not begründet werden könne. "Doch dem Konzern reichen die Gewinne nicht", sagt der Anwalt aus Heilbronn. Für Hagel geht es nicht nur um die 28 Mitarbeiter aus dem Werkzeugbau, sondern um den gesamten Standort. Er befürchtet, dass ein externer Werkzeugbau negative Auswirkungen auf die Produktion und die Rentabilität des Werks haben wird und in drei bis vier Jahren der gesamte Standort mit 140 Mitarbeitern infrage steht.

Konzern betont, eine Standort-Schließung sei kein Thema

Dem widerspricht der Weinheimer Konzern. "Eine Standortschließung steht gar nicht zur Debatte", teilt die Sprecherin mit. "Wir fertigen in Öhringen unter anderem für große internationale Automobilzulieferer strategisch wichtige Produkte wie Sensor- und Steuergehäuse, die in Elektofahrzeugen unverzichtbar sind."

Die Einigungsstelle ist jetzt gefragt

Da sich die Geschäftsführung und die Arbeitnehmervertreter in vier Gesprächsrunden nicht einigen konnten, hat der Konzern die Einigungsstelle eingeschaltet, die demnächst das erste Mal tagen wird. Ob diese unter Mitwirkung eines Arbeitsrichters eine Lösung findet, ist ungewiss. "Das Unternehmen hat jederzeit die Möglichkeit, an den Verhandlungstisch zurückzukehren", betont Catharina Clay, Landesbezirksleiterin der IG BCE. Man akzeptiere, dass es zu Einsparungen kommen müsse. Im Gegenzug müsse der Konzern aber Alternativen zur Schließung des Werkzeugbaus prüfen.

Die Arbeitnehmerseite hatte vorgeschlagen, die Kosten des internen und externen Werkzeugbaus im Echtbetrieb zu ermitteln, um belastbare Zahlen zu bekommen. Dies habe Freudenberg abgelehnt, sagt Klose. Dennoch hofft er darauf, dass eine gute Lösung gefunden wird. Schließlich habe man 2015/16 die damals geplante Verlagerung der Produktion von Öhringen nach Österreich verhindern können.


Jürgen Paul

Jürgen Paul

Teamleiter Autorenteam Politik/Wirtschaft Regional

Jürgen Paul arbeitet seit 1998 bei der Heilbronner Stimme. Der gebürtige Pfälzer widmet sich der regionalen und überregionalen Wirtschaft, Schwerpunkte sind das Handwerk, die Bankenbranche, der Arbeitsmarkt und die Konjunktur.

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