Würth wächst im Jahr 2019 langsamer als zuvor

Künzelsau  Der Umsatz stieg beim Handelsriesen aus Künzelsau im Jahr 2019 um 4,8 Prozent auf 14,27 Milliarden Euro, der operative Gewinn ging allerdings auf 750 Millionen Euro zurück. Konzernchef Friedmann glaubt, dass sich die weltweite Konjunktur nicht weiter verschlechtern wird.

Von Manfred Stockburger

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Foto: Marijan Murat

Was den Umsatz angeht, war das Glas bei Würth im vergangenen Jahr halb voll: Mit etwas Rückenwind durch die Wechselkurse hat der Handelskonzern immerhin ein Umsatzwachstum von 4,8 Prozent verbucht und mit 14,27 Milliarden Euro entsprechend einen Rekord. Damit hat der Konzern 650 Millionen Euro draufgesattelt. "Wachstum ist möglich - auch in schwierigen Zeiten", sagt Konzernchef Robert Friedmann.

Halb voll oder halb leer?

Von der Formel 2020-20, also 20 Milliarden Umsatz im beginnenden Jubiläumsjahr, hat sich das vor 75 Jahren gegründete Unternehmen allerdings längst verabschiedet - ebenfalls vom Credo des zweistelligen Wachstums. Und das ist nicht der einzige Grund, warum das Würth-Glas vergangenes Jahr halb leer war: Das operative Betriebsergebnis lag mit rund 750 Millionen Euro zwar noch immer weit über dem durchschnittlichen Umsatz eines regionalen Mittelständlers, allerdings auch etwa 120 Millionen Euro unter dem Würth-Vergleichswert aus dem Vorjahr. Das ist ein Minus von 13,8 Prozent. Dabei hatte das Unternehmen sich bereits vor Monaten auf die Fahnen geschrieben, die Profitabilität verbessern zu wollen.

Auch im zweiten Halbjahr blieb der Druck auf das Ergebnis hoch

Was ist los im Staate Würth? Schon im Juli hatte das Unternehmen darauf verwiesen, dass die steigenden Einkaufspreise nicht durchgängig an die Kunden weitergegeben werden könnten. Dies sollte sich im zweiten Halbjahr verbessern, glaubte Konzernchef Robert Friedmann damals. Doch der Trend hat sich nicht umgekehrt: Im Zeitraum von Juli bis Dezember blieb der Druck auf die Rohertragsmarge unverändert hoch, trotz aller Anstrengungen. Und die Wachstumsgeschwindigkeit hat sich halbiert.

Steht deswegen ein Personalabbau an? Friedmann: "Es gibt keine Entlassungen und auch keine Vorgabe, Personal abzubauen." 2019 ist die Belegschaft weltweit um 1606 auf 78.686 gestiegen. "Wenn wir wachsen wollen, dann brauchen wir auch die Mitarbeiter dafür. Ein Einstellungsstopp im Verwaltungsbereich bedeutet aber auch, dass frei werdende Stellen nicht wiederbesetzt werden.

Breite Aufstellung stabilisiert die Zahlen

Beim Umsatz spricht der Konzernchef von einem ungewöhnlich heterogenen Jahr. So ist die Adolf Würth GmbH & Co KG, die 2019 vor allem durch die Betriebsratswahl Schlagzeilen machte, mit einem Plus von 5,8 Prozent auf erstmals mehr als zwei Milliarden Euro gut durch das Jahr gekommen - beflügelt von der weiterhin gut laufenden Baukonjunktur. Andere Tochterfirmen wie die Schraubenproduzenten, Werkzeughändler oder Würth Elektronik, die eng an der Automobilbranche und dem Maschinenbau hängen, kämpften dagegen mit Rückgängen, was den deutschen Wachstumsdurchschnitt auf 2,1 Prozent drückte.

Die Würth-Gruppe besteht aus mehr als 400 Gesellschaften in mehr als 80 Ländern und beschäftigt 78.686 Mitarbeiter. Davon sind knapp 34.000 fest angestellte Verkäufer im Außendienst. Im Kerngeschäft, der sogenannten Würth-Linie, umfasst das Verkaufsprogramm 125.000 Produkte von der Schraube über den Dübel bis hin zu Bauchemie und Arbeitsschutz für Handwerk und Industrie. Die Allied Companies ergänzen das Angebot um Produkte für Baumärkte, Elektroinstallationsmaterial, Elektronikbauteile sowie Finanzdienstleistungen. Sie machen rund 40 Prozent des Umsatzes.

Im Ausland legten die Würth-Unternehmen um 6,8 Prozent zu. Spitzenreiter war - allerdings durch einen Zukauf bedingt - Südeuropa mit einem Plus von 15,3 Prozent. Südamerika lag vor Währungsverlusten mit 15 Prozent im Plus, Osteuropa mit 6,6 Prozent. Auch in der Online-Welt entwickelte sich Würth überproportional. Der Digital-Umsatz lag 2019 bei 2,6 Milliarden Euro - 200 Millionen oder etwa zehn Prozent über dem Vergleichswert. Der Anteil am Konzernumsatz erhöhte sich auf 18,3 Prozent.

Friedmann rechnet nicht mit einer weiteren Verschlechterung der Konjunktur

Und die Zukunft? "Ich glaube, dass wir den Boden gefunden haben. Es wird auf alle Fälle nicht mehr schlechter", ist Friedmann überzeugt. Er erwartet ein Wachstum im mittleren einstelligen Bereich und keine weiteren Einbußen bei der Rendite. Angesichts politischer Spannungen und anderen Handelshemmnissen müsse man aber "alle Kräfte bündeln, um der Zurückhaltung mit Wachstum begegnen zu können."

 


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