Würth entlässt Initiator der Betriebsratsinitiative

Künzelsau  Der Initiator der Betriebsrats-Initiative bei Würth wurde am Freitag fristlos gekündigt. Der Vorwurf: Verstöße gegen den Datenschutz. E-Mails des Ex-Mitarbeiters hätten über ein Tracking-System Daten über die Empfänger erhoben.

Von Manfred Stockburger

Würth entlässt Initiator der Betriebsratsinitiative

Eine Umstrukturierung in der Würth-Logistik in Künzelsau sorgte für Verunsicherung bei Mitarbeitern. Dieses Thema griff Hurlebaus auf. Foto: Würth

Daniel Hurlebaus, der Initiator der Betriebsrats-Initiative bei Würth, ist am Freitagnachmittag bei einem Treffen mit Geschäftsführer Norbert Heckmann fristlos gekündigt worden, wie Hurlebaus und sein Anwalt sagten. Ein Sprecher der Adolf Würth GmbH & Co KG bestätigte auf Nachfrage "arbeitsrechtliche Konsequenzen", die mit einem groben datenschutzrechtlichen Verstoß begründet werden.

"Wir behalten uns weitere rechtliche Schritte vor", hieß es weiter. Im Künzelsauer Stammhaus der Würth-Gruppe mit rund 7200 Beschäftigten gibt es bisher keinen Betriebsrat, aber einen nicht nach dem Betriebsverfassungsgesetz konstituierten Vertrauensrat.

Daten ohne Zustimmung gespeichert

E-Mails von Hurlebaus an Würth-Mitarbeiter hätten über ein Tracking-System verfügt, das unter anderem speichert, wer sich in der elektronischen Post verlinkte Videos anschaut, beschreibt ein Würth-Sprecher den Datenschutzverstoß. "Solche Tracking-Systeme können verschiedenste Daten über die einzelnen Nutzer erheben." In Werbe-E-Mails sind Tracker häufig.

Die Verlinkungen deuteten darauf hin, dass die Daten extern gespeichert wurden, hieß es - beim Zentrum Automobil. Dieser Verein bezeichnet sich als alternative Arbeitnehmervertretung und wird dem "rechtsradikalen Spektrum" zugeordnet, so die Würth-Stellungnahme wörtlich.

Daniel Hurlebaus ist wie berichtet Schatzmeister des AfD-Kreisverbands Ortenau. Seine Initiative sei jedoch "ideologiefrei", betonte der Key-Account-Manager, als dies bekannt wurde. Allerdings waren nach Würth-Darstellung selbst die Worte "unpolitisch und unabhängig" in einem E-Mail mit Zentrum Automobil verknüpft. Unter anderem ist der Verein im Betriebsrat bei Mercedes vertreten. In der Region war der Verein bislang aber nicht aktiv.

Kündigungsschutzklage wird eingereicht

Hurlebaus, dessen Anwalt bei dem Gespräch mit Heckmann dabei war, geht juristisch gegen die Kündigung vor, die aber bis zu dieser Klärung bedeute, dass er nicht mehr Würth-Mitarbeiter sei und damit auch keinen Betriebsrat gründen könne. "Wir machen aber weiter", erklärte Hurlebaus - auch wenn er selbst vorübergehend nicht dabei sein könne.

Die weiteren Mitglieder der Initiative - neben dem Initiator haben sich auf der Facebook-Seite drei weitere Würth-Mitarbeiter namentlich hinter den Vorstoß gestellt - haben am Dienstag einen Termin bei Norbert Heckmann, bei dem über die Betriebsratswahl gesprochen werden soll. Anders als von Hurlebaus bereits vor Ostern angekündigt, ist noch keine formale Einladung zu einer Betriebsversammlung veröffentlicht worden. Damit gibt es keinen klaren Zeitplan, wie es jetzt weitergeht.

IG Metall mit neuer Würth-Internetseite

Auf ihrer Seite www.igmetall-bei-wuerth.de, die seit wenigen Tagen online ist, positioniert sich die Gewerkschaft bisher nicht zur Betriebsratsgründung in Künzelsau.

 


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