Warum die Gastronomie so große Personalprobleme hat

Region  Viele gastronomische Betriebe suchen händeringend Personal. Oft ist die Suche erfolglos. Warum ist das eigentlich so?

Von unserer Redaktion
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Warum tun sich gastronomische Betriebe so schwer, passendes Personal zu finden?

Der Personalmangel fordert Gastronomen heraus, die Suche nach Personal gestaltet sich schwierig, oft müssen sie auf Aushilfen zurückgreifen. Ein Grund: Berufe in der Gastro gelten als stressig und als nicht gerade freundlich für die Freizeitgestaltung. Man schafft am Abend und am Wochenende, wenn andere sich erholen. Das ist in der Schweiz zwar auch so, trotzdem ist so mancher Angestellter dorthin abgewandert - der besseren Verdienstmöglichkeiten wegen. 

Lokalinhaber klagen zudem darüber, dass das Arbeitsamt bei der Vermittlung von neuen Mitarbeitern nicht helfen kann. Das liegt auch daran, dass die Zahl der jungen Menschen, die in Deutschland eine Ausbildung in der Branche macht, in diesem Jahrzehnt stark zurückgegangen ist: In Baden-Württemberg zum Beispiel waren es im Jahr 2013 6852 Azubis, im Jahr 2017 nur noch 6161. Oft hilft dann nur noch, den Arbeitsaufwand mit der Familie aufzufangen - oder mit talentierten Flüchtlingen, deren Bleibeperspektive aber meist ungewiss ist. 


Ist die gesamte Branche betroffen?

Mit Boris Rommel in der Küche in Friedrichsruhe zu arbeiten, interessiert viele Bewerber. Foto: Veigel

Nein, Luxus-Betriebe kommen eher in den Genuss von ausreichend Personal - in der Region zum Beispiel das Wald- und Schlosshotel Friedrichsruhe. "Wir haben mehr Bewerber, als wir einstellen können", berichtet Geschäftsführer Jürgen Wegmann. Rund fünf Kandidaten gibt es bei ihm für eine Stelle als Koch. Eine solch exquisite Adresse macht sich eben gut im Lebenslauf.

Bei der Personalgewinnung muss das Fünf-Sterne-Haus allerdings auch alle Möglichkeiten ausschöpfen, Anzeigen in verschiedenen Medien und Kanälen schalten und bei Messen präsent sein. 


Gibt es Versuche, den Problemen zu begegnen?

Wenn 2019 tausende Besucher wegen der Bundesgartenschau nach Heilbronn strömen, da bedeutet das viel Arbeit für die hiesige Gastronomie. Foto: Seidel

Ja. Arbeitsagentur, Hotel- und Gaststättenverband und IHK haben in Heilbronn ein Programm etabliert, bei dem Bewerber in sechs Monaten zu (teil-)qualifizierten Gastrokräften werden. Das Ganze findet im Heilbronner Bildungspark statt. Menschen aus der ganzen Welt sind dabei, aber auch Einheimische, die nach einem Abschluss streben.

Die Teilnehmer hoffen, nach dem Programm eine reguläre Ausbildung in der Branche anschließen zu können. Die Qualifizierung dieser Menschen tut Not: Wenn im nächsten Jahr die Bundesgartenschau in Heilbronn ansteht, werden in Heilbronn mindestens 400 zusätzliche Kräfte in Küche und Service benötigt, haben Experten ausgerechnet. 


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