Schwein ist nicht gleich Schwein

Wolpertshausen  Im Rechtsstreit mit der Metzgerei Setzer aus Wolpertshausen geht es um das Hohenloher Landschwein. Die Regeln der Erzeugergemeinschaft für diese Schweine sind weniger streng als die fürs Schwäbisch-Hällische.

Von Manfred Stockburger
Schwein ist nicht gleich Schwein

Fürs Hällische gelten strengere Regeln als fürs Hohenloher Schwein.

Foto: dpa

Der genaue Blick ins Kleingedruckte lohnt sich: Wie im konventionellen Bereich gibt es auch bei der Bäuerlichen Erzeugergemeinschaft Schwäbisch Hall (BESH) verschiedene Fleischqualitäten: Vom Hohenloher Landschwein bis zum Schwäbisch-Hällischen in Demeter-Qualität. I m Rechtsstreit mit der Metzgerei Setzer aus Wolpertshausen  geht es nicht um die sogenannten Mohrenköpfle, sondern um die Einstiegsqualität: das Hohenloher Landschwein.

Für Rudolf Bühler, den Gründer und Vorstandsvorsitzenden der Erzeugergemeinschaft, ist klar, dass diese Ware gesichert aus Hohenlohe stammen muss und dass die vorgegebenen Qualitätsrichtlinien eingehalten werden müssen − die der BESH. Kriterien, die über das gesetzliche Mindestmaß hinausgehen, gibt es nämlich unter anderem auch von der Initiative Tierwohl.

Ein "handfester Lebensmittelskandal"?

"Es ist meine verdammte Pflicht, hier für Ordnung zu sorgen, damit die heimischen Bauern nicht ihre Existenz verlieren", sagt der 67-Jährige, der einen "handfesten Lebensmittelskandal" sieht. "Es geht uns darum, dass drin ist, was draufsteht."

Bühler betont nochmals, dass die BESH die Rechte an allen Hohenloher Herkunftsmarken ohne finanzielle Gegenleistung in die neu gegründete Schutzgemeinschaft eingebracht habe − noch ist die Umschreibung der Marken aber nicht vollzogen. Die Schutzgemeinschaft soll so geöffnet werden, dass sich ihr, "alle interessierten Gruppen" anschließen können. Bisher kommen die Mitglieder allerdings mehrheitlich aus dem Umfeld der BESH.

Jeder Erzeuger und Vermarkter dürfe den "Qualitätsbegriff" frei verwenden, sagt er zu, sofern die Ware aus Hohenlohe stammt und die Qualität nachweislich gesichert sei. Was aber steht in den verbindlichen Erzeugerrichtlinien fürs Landschwein? "Für Muttertiere ist ein Auslauf im Freien einzurichten, wo immer dies die örtlichen Gegebenheiten gestatten", heißt es etwa. Vorgeschrieben ist der Auslauf im Umkehrschluss also nicht.

Keine freie Schlachthofwahl

Außerdem sind die Betriebe verpflichtet, "tiergerechte Haltungsformen im gesamten Betrieb anzuwenden, die dem Tierschutzgesetz voll entsprechen". Beim Reizthema Ferkelkastration, die nach dem Gesetz seit 2013 eigentlich verboten und nur per nochmals verlängerter Übergangsvorschrift zulässig ist, schreibt die BESH − wohlgemerkt fürs Hohenloher Landschwein, nicht fürs Schwäbisch-Hällische − lediglich einen Sachkundenachweis der BESH vor.

Eindeutig sind die Richtlinien dagegen, was die Schlachtung angeht, die "ausschließlich durch die Bäuerliche Erzeugergemeinschaft Schwäbisch Hall am Erzeugerschlachthof Schwäbisch Hall" erfolgt. So sei sichergestellt, dass die Qualitäten nicht vermischt würden.

Die Richtlinien für das durch EU-Recht geschützte Schwäbisch-Hällische Landschwein sind nämlich wesentlich strenger − nicht nur, was die Tierrasse angeht. Bio-Hällisches wird nochmals gesondert erfasst.


Mehr zum Thema: Worum es im Streit um die Marke Hohenlohe geht, haben wir in diesem Text für unsere Abonnenten zusammengefasst. Im Mittelpunkt der juristischen Auseinandersetzung steht die Frage: Versucht Rudolf Bühler mit der BESH, den Namen einer ganzen Region als Herkunftsbezeichnung zu monopolisieren?

 


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