R. Stahl blickt wieder positiv in die Zukunft

Künzelsau/Waldenburg  Viel Lob fürs neue Management gibt es bei der Hauptversammlung. 28 Prozent des Kapitals stimmen gegen Entlastung der Ex-Vorstände.

Von Manfred Stockburger

R. Stahl blickt wieder positiv in die Zukunft

Beim Explosionsschutz-Spezialisten R. Stahl in Waldenburg kehrt nach turbulenten Jahren langsam wieder Ruhe ein.

Foto: Manfred Stockburger

"Der Frühjahrsputz", sagt Mathias Hallmann, ist vorbei. Umso passender ist die Sommersonne über dem Künzelsauer Carmen- Würth-Forum zur Hauptversammlung der R. Stahl AG. Obwohl das Unternehmen im vergangenen Jahr weiter rote Zahlen schrieb, dürfen sich Vorstandschef Hallmann und Finanzvorstand Volker Walprecht im Lob der Aktionäre sonnen, auch wenn Hallmann über "gewisse Diskussionen mit unseren Finanzpartnern" berichten muss: Diese seien "wenig erfreut über die Zahlen" gewesen. Aber das ist Geschichte, viele Schulden sind getilgt.

Aktionäre loben selbst die ausbleibende Dividende

"Sie haben schnell den Hebel umgelegt", sagt etwa Herbert Wild von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger. Anders als in der Vergangenheit hätten die Aktionäre wieder positive Gedanken. Werner Friedmann von der Investmentaktiengesellschaft für langfristige Investoren TGV spricht von einer "sehr positiven Entwicklung". TGV-Chef Jens Große-Allermann gehörte zu den schärfsten Kritikern des alten Managements. Aktionärslob gibt es selbst dafür, dass Stahl im zweiten Jahr keine Dividende zahlt - weil das Geld anderweitig benötigt werde.

Von "unglaublichen Fehlleistungen" der ehemaligen Chefs Martin Schomaker und Bernd Marx spricht Achim Müller, ein kritischer Geist aus dem Familienkonsortium. Er lobt, dass Hallmann und Walprecht 70 Prozent der Führungskräfte ausgetauscht hätten. Marx war vergangenes Jahr mit einer halben Million Euro abgefunden worden, aber die Redner blicken lieber nach vorn, als sich über die Vergangenheit aufzuregen.

Fragen zum Entlastungsvorschlag

Dass Vorstand und Aufsichtsrat jetzt die 2018 vertagte Entlastung von Schomaker und Marx empfehlen, möchte Wild nicht einfach so akzeptieren. Wie R. Stahl zu dieser Entscheidung gelangt sei, möchte er wissen. Aufsichtsratschef Peter Leischner - auch er ist neu - verweist darauf, dass man zur Erkenntnis gelangt sei, dass keine Regressansprüche erhoben werden könnten. "Es gibt keine Veranlassung, die Entlastung zu verweigern."

28,3 Prozent des Kapitals stimmen dennoch dagegen. Noch deutlicher wäre die Klatsche ausgefallen, wenn die Gegenstimmen aus dem Kreis der gepoolten Familienaktionäre, die sich am Vortag der Mehrheit beugen mussten, gezählt hätten. Der Pool kontrolliert mehr als die Hälfte der Anteile. Der neuen Führung verweigern nur vier Prozent die Entlastung.

Die Erwartungen an das neue Management sind hoch

Der Frühjahrsputz ist damit abgeschlossen - und die Erwartungen an Hallmann und Walprecht sind höher denn je. Aktionärssprecher Wild bringt es so auf den Punkt: "Umsatz macht froh, Gewinn aber glücklich."

 

 


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