Öko-Sprit aus der Zapfsäule?

Öhringen  Der Öhringer Mineralölhändler Weissert setzt auf regenerativen Diesel aus Sonnenstrom und stößt damit an Grenzen.

Email
Öko-Sprit aus der Zapfsäule?

R33-Diesel enthält nur noch zwei Drittel fossilen Kraftstoff. Der Öhringer Mineralölhändler Edi hat das Produkt an einer Tankstelle im Heilbronner Industriegebiet im Angebot .

Foto: VW

"Die Sonne", sagt der Öhringer Mineralölhändler Roland Weissert, "liefert in drei Stunden den Weltenergiebedarf eines Jahres". Einen Teil dieser Energie möchte der Edi-Geschäftsführer abzwacken, um daraus sogenannte E-Fuels zu machen: erneuerbaren Dieselkraftstoff, der aus erneuerbar erzeugtem Wasserstoff und CO2 aus der Luft hergestellt wird.

"Das sichert Arbeitsplätze in unserer Automobilindustrie", argumentiert der Tankstellenbetreiber. Dass der Wirkungsgrad von E-Fuels dem der Elektroautos weit unterlegen ist, räumt er ein. Sie seien aber ideal, wenn man Raum und Zeit entkoppeln möchte.

Erprobungsgenehmigung für Care-Diesel ist ausgelaufen

An seinen Tankstellen hat er bislang Care-Diesel verkauft. Dieser Kraftstoff wird aus altem Speiseöl und Fett hergestellt und ist laut Weissert umweltfreundlicher - auch weil bei seiner Verbrennung weniger Ruß und Stickoxide entstehen.

Die Genehmigung zu "Test- und Erprobungszwecken", die er dafür hatte, ist jetzt aber ausgelaufen. Ein Fragezeichen steht auch hinter der verfügbaren Menge: Genügend gebrauchtes Speisefett, um damit Deutschlands Dieselfahrer mit Sprit zu versorgen, ist kaum vorhanden.

Im Heilbronner Industriegebiet hat Weissert eine Tankstelle auf R33-Diesel umgestellt. "Damit haben wir zwar nicht die kompletten Vorteile des Kraftstoffs beim Verbrennungverhalten, aber wir halten die gesetzlichen Bestimmungen ein", sagt er - als Beimischung zu fossilem Diesel darf er sein Produkt nämlich verkaufen. Nicht aber in Reinform.

In zehn europäischen Ländern sei der E-Diesel dagegen zugelassen, der deutsche Staat subventioniere stattdessen den Ausbau der E-Mobilität, schimpft er. Außerdem hat er einen aus Erdgas gewonnen, synthetischen Dieselkraftstoff im Sortiment, der allerdings nicht an der Zapfsäule verkauft wird.

Rückenwind aus dem Stuttgarter Verkehrsministerium

Im Stuttgarter Wirtschaftsministerium ist Weissert mit seiner Argumentation offenbar auf offene Ohren gestoßen. "Um die Klimaschutzziele zu erreichen, müssen wir in Zukunft vor allem im Schwerlastverkehr auf unseren Straßen und im Schiffsverkehr noch stärker auf Kraftstoffe aus erneuerbaren Energien setzen", sagt Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut (CDU).

Im Wirtschaftsausschuss des Bundesrats hat sie gemeinsam mit Brandenburg und Hamburg eine Erlaubnis für den öffentlichen Vertrieb von synthetischen Dieselkraftstoffen beantragt - und ist damit auf Zustimmung gestoßen. "Im Unterschied zu anderen regenerativ gewonnenen Kraftstoffen wie Wasserstoff und Biogas kann synthetischer Dieselkraftstoff mit der vorhandenen Infrastruktur an allen Tankstellen vertrieben werden. Diese Vorteile müssen wir unbedingt nutzen", argumentiert sie. "Wichtig ist hierbei allerdings, dass die Kraftstoffe nicht aus Rohstoffen bestehen, deren Herstellung in natürliche Ökosysteme eingreift."

Die kritische Haltung gegenüber Roland Weisserts Care-Diesel kommt daher, dass darin Palmöl verarbeitet sein könnte - wie es am Anfang der Entwicklung des Produkts auch gewesen sei. Er weist aber darauf hin, dass im normalen fossilen Diesel für den Bio-Anteil der Einsatz von Palmöl erlaubt sei. "Wir brauchen Technologieoffenheit."

LNG-Tankstelle sind teuer und aufwendig im Bau und im Unterhalt

Eine mögliche Alternative ist der Einsatz von verflüssigtem Erdgas (LNG) als Brennstoff für Dieselmotoren. Lidl testet diese Variante bereits seit 2018 in Zusammenarbeit mit mehreren Spediteuren. Bisher sind 30 LNG-Lastwagen im Einsatz, bis Ende 2020 sollen 70 weitere Fahrzeuge hinzukommen. "Mit diesem flächendeckenden Test wollen wir einen Beitrag leisten, die lokale Emission in Innenstädten zu senken", erklärt Tomasz Kuzma, Geschäftsleiter Logistik bei Lidl Deutschland. "Wichtige Voraussetzung dafür ist allerdings, dass mehr LNG-Tankstellen zur Verfügung stehen."

An dieser Stelle ist Roland Weissert skeptisch: Die Kosten für eine Zapfsäule für zwei Lastwagen lägen bei 1,7 Millionen Euro, sagt er. Und auch da gebe es hohe Hürden aus dem Bundesimmissionsschutzgesetz. Sein synthetischer Diesel könnte dagegen über die bestehende Infrastruktur und ohne zusätzlichen finanziellen Aufwand verteilt werden. Über den schlechten Wirkungsgrad dieser Technik möchte er deswegen nicht diskutieren.


Manfred Stockburger

Manfred Stockburger

Chefkorrespondent Wirtschaft

Manfred Stockburger beschäftigt sich seit 1997 intensiv mit der Wirtschaft in Heilbronn-Franken und darüber hinaus. Die rasante Veränderung der Autobranche und des Lebensmittelhandels interessiert ihn besonders, außerdem die Entwicklung der Firmen in Hohenlohe.

Kommentar hinzufügen