Mahle schließt den Standort Öhringen

Stuttgart/Öhringen  Der Autozulieferer verkündet das Aus für die Öhringer Niederlassung mit aktuell rund 240 Mitarbeitern bis Ende 2020. Die Gewerkschaft kritisiert das langsame Ausbluten des Standortes, der zuletzt Verluste einfuhr.

Von Jürgen Paul
Mahle schließt den Standort Öhringen

Am Mahle-Standort in Öhringen sollen spätestens Ende 2020 die Lichter ausgehen. Der Stuttgarter Automobilzulieferer sieht keine Perspektive mehr für die Niederlassung mit aktuell rund 240 Beschäftigten.

Foto: Archiv/Hohl

Der Autozulieferer Mahle schließt seinen Standort in Öhringen bis Ende 2020. 240 Beschäftigte verlieren ihren Arbeitsplatz. Das gab das Stuttgarter Unternehmen am Dienstag bekannt. Aufgrund des hohen Preisdrucks sei der Standort nicht mehr wettbewerbsfähig, teilte der Konzern mit. In Öhringen fertigen die Mitarbeiter derzeit Luftmanagementsysteme für Verbrennungsmtoren.

Der Industriefilterbereich in Öhringen, der im Jahr 2016 an den Filterspezialisten Filtration Group Corporation mit Hauptsitz in Chicago/USA verkauft wurde, ist von dieser Schließung nicht betroffen. Der Industriefilterbereich in Öhringen agiert seit 2016 unter dem Firmennamen Filtration Group GmbH und bildet gemeinsam mit den Partnerfirmen Clear Edge Filtration GmbH in Salzgitter und der niederländischen Filtrair B.V. die Marke FG Fluid Solutions.

Viele herbe Einschnitte

Der Hohenloher Standort musste bereits in den vergangenen Jahren herbe Einschnitte verkraften. Ende 2016 verkaufte Mahle den dort angesiedelten Bereich Industriefilter mit rund 410 Mitarbeitern. Auch im verbliebenen Bereich der Kfz-Filter baute der Konzern unterm Strich rund 150 Arbeitsplätze ab.

Alfons Kuhnhäuser, zweiter Bevollmächtigter der IG Metall Schwäbisch Hall, sagt, Mahle habe den Standort Öhringen schrittweise ausbluten lassen. "Es waren hier mal fast 1000 Leute beschäftigt", erinnert er sich. Trotz der zurückliegenden Sparrunden seien die Mitarbeiter vom Aus für den Standort überrascht gewesen. Kuhnhäuser hat sie am Dienstag jeweils vor Schichtbeginn um 14 Uhr und 22.15 Uhr über die Hiobsbotschaft informiert.

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Konzern sieht keine Zukunftsperspektive in Hohenlohe

Mahle weist darauf hin, dass die Werksstrukturen immer wieder an die rückläufigen Rahmenbedingungen angepasst worden seien. "Wir haben nun einen Punkt erreicht, an dem für das Werk leider keine nachhaltige Perspektive mehr gegeben ist", sagt Wilhelm Emperhoff, Mitglied der Geschäftsführung bei Mahle und verantwortlich für den Bereich Filtration und Motorperipherie sowie die Division Mechatronik. Die hohen Kosten am Standort hätten keine Akquisition von Neuprojekten ermöglicht. Selbst Nachfolgeaufträge für vorhandene Produkte habe man nicht mehr am Markt platzieren können, heiß es bei Mahle. Auch die Bemühungen des Konzerns, über neue Produkte und Technologien einen nachhaltige Perspektive für den Standort Öhringen zu entwickeln, seien nicht erfolgreich gewesen.

Gewerkschafter Kuhnhäuser kontert, Mahle habe die nachfolgeaufträge aus Kostengründen nach Rumänien vergeben, so dass Öhringen keine Chance gehabt habe. Er räumt ein, dass der Standort seit Jahren Verlust gemacht habe. "Nun geht es darum, die Haut möglichst teuer zu verkaufen", gibt sich Kuhnhäuser kämpferisch. Das Schließungsdatum bis Ende 2020 eröffne die Möglichkeit, Alternativen zur Schließung zu prüfen.

Sozialverträgliche Schließung wird angestrebt

Mahle hat angekündigt, in den kommenden Wochen Verhandlungen mit den Arbeitnehmervertretern aufzunehmen. "Ziel ist eine möglichst sozialverträgliche Gestaltung der Schließung des Standortes", teilte der Konzern mit.

 

 


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