Kleidung von Würth für den Arbeitsalltag

Künzelsau  Die Konzerntochter Würth Modyf wächst nach der Neuausrichtung als Spezialist für Berufsbekleidung schneller denn je. Das Unternehmen mit Wurzeln in Künzelsau hat sich international aufgestellt.

Von Manfred Stockburger
Kleidung von Würth für den Arbeitsalltag
Melanie Röger führt die Geschäfte mit Claudio Corrias. Fotos: Würth Modyf

In der bunten Würth-Welt ist Modyf ein besonders bunter Fleck. Mode ist schließlich nichts, was man zuvorderst mit dem Künzelsauer Handelskonzern verbinden würde. Es geht aber auch nicht um klassische Mode, sondern um Arbeitsbekleidung - wobei Geschäftsführerin Melanie Röger durchaus auch diejenigen Wettbewerber im Blick hat, die Arbeitskleidung aus der Werkstatt auf die Straße gebracht haben.

So sichtbar ist die neue Modyf noch nicht - 2016 haben die Künzelsauer Freizeitbekleidung aus dem Sortiment genommen, um sich auf Sicherheitsschuhe und Profi-Bekleidung zu konzentrieren, die durchaus auch mal einen Spruch verträgt: "Suche Schraube für Mutter."

Der Umsatz hat sich verdreifacht

Der Umsatz ist dennoch nicht zurückgegangen, sagt Röger - im Gegenteil, er habe sich in den vergangenen Jahren verdreifacht. 120 Millionen Euro waren das im vergangenen Jahr. Auch andere Zahlen sind beeindruckend: 700.000 Paar Sicherheitsschuhe produziert und verkauft die Würth-Tochter jedes Jahr. Im Schnitt schickt das 1997 gegründete Unternehmen jeden Tag fast 15.000 Pakete auf den Weg zu den Kunden.

Neben den eigenen Online-Shops, die anders als der größte Teil der Würth-Welt nicht nur gewerblichen Kunden offenstehen, sorgen auch die Schraubenvertreter für Umsatz. Und die Niederlassungen: "Wir haben Würth-Modyf-Ecken an mehr als 500 Standorten", sagt Melanie Röger, deren klassische Würth-Karriere mit einem dualen Studium bei der Konzernmutter Adolf Würth KG begann.

Als Assistentin des AWKG-Geschäftsführers kümmerte Röger sich dort schließlich um das Thema Arbeitskleidung. "Ich habe schnell gelernt, dass in der Textilbranche vieles anders ist", sagt die 32-Jährige, die sich als typisches Würth-Kind bezeichnet und seit Jahresbeginn auch Geschäftsführerin ist. Gemeinsam mit Claudio Corrias leitet sie das Unternehmen, das außer in Deutschland auch in Italien, Frankreich, Spanien, Norwegen und Portugal mit eigenen Gesellschaften vertreten ist - in zwei Dutzend weiteren Ländern werden die Modyf-Produkte von Würth-Verkäufern vertrieben. Rund 130 der 315 Mitarbeiter der Gruppe sind im Stammhaus tätig.

Neustart im Jahr 2016

Kleidung von Würth für den Arbeitsalltag
Die Würth-Tochter Modyf ist auf Arbeitskleidung spezialisiert.

"Wir sind ein agiles Unternehmen", sagt sie. Die Arbeitsweise seit dem Neustart im Jahr 2016 erinnere an ein dynamisches Startup, das in dem harten Wettbewerb mit Innovationen punkten möchte. Mit dem Relaunch der Marke begann auch der Wandel vom Händler zum Hersteller: Mehr als 350 Neuprodukte habe Modyf seither auf den Markt gebracht, darunter ein schnürsenkelloser Sicherheitsslipper und eine Neon-Linie, die jeweils mit dem German Design Award ausgezeichnet wurden.

Die Neon-Produkte haben die Hohenloher gemeinsam mit dem Großkunden Wolff & Müller entwickelt, erzählt Röger. Aber auch mit kleinen Handwerkern arbeite das Unternehmen bei der Entwicklung zusammen - "zum Beispiel wenn es darum geht, einen neuen Schuh zu testen".

20-köpfiges Team entwickelt neue Produkte

Modische Sicherheitsschuhe sind überhaupt ein zentrales Thema für das Unternehmen. Mit der wachsenden E-Mobilität im Hinterkopf haben die Hohenloher einen neuen Sicherheitsschuh auf den Weg gebracht, dessen Sohle einen hohen elektrischen Widerstand aufweist und den Träger damit nicht nur vor Lasten schützt, die auf auf den Fuß fallen könnten, sondern auch vor freier Elektrizität.

Für die Entwicklung solcher Neu-Produkte ist bei dem Unternehmen ein 20-köpfiges Team zuständig, das eng mit einem Designer-Team aus Italien zusammenarbeitet. Gemeinsam werden Ideen wie E-Care Handytaschen, die den Träger vor Handystrahlung schützen sollen, zu Papier gebracht und bis zur Serienreife weiterentwickelt.

Nächstes Jahr wird erstmals ein Nachhaltigkeitsbericht veröffentlicht

Melanie Röger übernimmt in Künzelsau ganz bewusst die Verantwortung für die gesamte Lieferkette - nicht nur bei den Shirt-Kollektionen, die vom Hohenloher Nachbarunternehmen Hakro produziert werden, und den Schuhen, die oft aus Europa kommen. "Wir haben ein Technikerteam aufgebaut, das unsere Produktionsstätten in Asien überwacht und kontrolliert", sagt die Geschäftsführerin. Zudem unterzeichnen alle Lieferanten eine entsprechende Lieferantenerklärung, die die Rahmenbedingungen für eine Zusammenarbeit festlegt. Darunter Punkte wie faire Löhne oder das Verbot von Kinderarbeit.

Im kommenden Jahr wird Würth Modyf erstmals einen Nachhaltigkeitsbericht veröffentlichen. Neben den Qualitätsansprüchen und dem CO2-Fußabdruck des Unternehmens und seiner Lieferanten soll dort auch aufgelistet werden, was das Unternehmen tut, um seiner sozialen Verantwortung gerecht zu werden.

Neue Wirtschaftsstimme erscheint am heutigen Dienstag

Dieser Text stammt aus der neuen Ausgabe der Wirtschaftsstimme, die am Dienstag, 24. September, der Heilbronner Stimme, Kraichgau Stimme und Hohenloher Zeitung beiliegt. Die September-Ausgabe beschäftigt  sich mit dem Schwerpunkt Textil – vom Hersteller bis zum Handel, von verschwundenen Marken bis zu aktuellen Trends der Branche.

 

 

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