Hightech-Gipfel in Hohenlohe

Künzelsau  1380 Teilnehmer aus dem ganzen Land sind ins Künzelsauer Carmen-Würth-Forum gepilgert, um Neues aus der Welt der Hochtechnologie zu erfahren.In die Digitalisierungs-Euphorie mischen sich auch nachdenkliche Stimmen.

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Hightech-Gipfel in Hohenlohe

Ausgezeichnet: Die Ulmer HKK Bionics GmbH hat eine motorisierte Orthese entwickelt, die gelähmte Hände wieder greifen lässt.

Foto: Manfred Stockburger

Hightech ist nicht nur im Nachbarland mit der Lederhose der Schlüssel zur Zukunft. Sondern auch in Baden-Württemberg. 1380 Teilnehmer aus dem ganzen Land sind gestern ins Künzelsauer Carmen-Würth-Forum gepilgert, um Neues aus der Welt der Hochtechnologie zu erfahren. Dass Alexander Fred-Ojala, der als Botschafter des Silicon Valley dabei war, den Veranstaltungsort prompt nach Stuttgart verpflanzte, zeigt nur, dass Raum in Zeiten des Technologiewandels nicht mehr die angestammte Rolle spielt.

Mächtige Werkzeuge der Digitalisierung

Seine Kernbotschaft: Künstliche Intelligenz ist bereits Realität - eine "reife Technologie". Anders Blockchain: Der zweite, viel diskutierte Ansatz, der hinter Bitcoin steckt, ist noch nicht so weit. "Sie sollten sich zuerst um KI kümmern, und danach um Blockchain. Aber erst, nachdem sie die Ideen genau unter die Lupe genommen haben." Interessant auch Fred-Ojalas politische Botschaft: Er sei ein Fan der Datenschutzgrundverordnung. Und: Ginge es nach ihm, wäre der Einsatz von Gesichtserkennungssoftware verboten.

"Die Digitalisierung ist im Mittelstand angekommen", sagt auch Manfred Wittenstein, Chef des gleichnamigen Maschinenbauers aus Igersheim im Main-Tauber-Kreis und Vorreiter der Industrie 4.0. "Die Werkzeuge der Digitalisierung sind mächtig geworden und und eröffnen ungeahnte Gestaltungsspielräume. Die müssen wir füllen, sonst machen das andere." Die Werkzeuge müssten in die bestehenden Wertschöpfungsstrukturen integriert werden, argumentiert er, weil sie sonst abgestoßen werden. Auf dem Weg in die Zukunft, den er für bewältigbar hält, bräuchten die Mitarbeiter in den Büros und in der Fabrik "Orientierungswissen", erklärt er. Man müsse die Beschäftigten für den Wandel begeistern, indem man Erfolge gemeinsam feiere.

Kein Abonnement auf eine gute Zukunft

Und was sagt die Politik? Ministerialdirektor Michael Kleiner aus dem Stuttgarter Wirtschaftsministerium hält eine nachdenkliche Rede und stellt fest, das die Innovationsdynamik deutlich zurückgegangen sei. Das mache ihm Sorgen. "Auch Baden-Württemberg hat kein Abonnement auf eine gute Zukunft", sagt er. "Wir müssen unseren Wohlstand Tag für Tag neu erkämpfen." Dafür brauche es Innovationen und Infrastruktur, so Kleiner: "Umweltpolitik ist existentiell wichtig, Sozialpolitik sicherlich auch. Nur: allein mit Umwelt- und Sozialpolitik ist es nicht getan, wenn wir auch wirtschaftlich weiter Erfolg haben wollen." Unternehmen müssten mehr Lobbyarbeit machen. "Breitband- und Mobilfunkversorgung sind beides heute ohne Frage Basisinfrastruktur, wenn es um Wettbewerbsfähigkeit geht", sagt er. Zum Thema 5G gibt es aber auch kritische Stimmen: Im ländlichen Raum sei das nicht wirtschaftlich, sagt Uwe Peter, der Deutschlandchef des Netzwerkspezialisten Cisco.

Würth: Unternehmenskultur ist wichtiger als IT

Auch Gastgeber Reinhold Würth gießt bei der Cyberone-Preisverleihung am Abend etwas Wasser in den IT-Wein: "Wenn das Klima im Betrieb nicht stimmt, hilft das beste EDV-Programm nicht. Die Atmosphäre ist zehn Mal wichtiger."

Drei würdige Preisträger

Preisträger des Cyberone Awards, der innovative Geschäftsmodelle auszeichnet und in drei Kategorien vergeben wird, sind die Firmen Ascon, Loreical und HKK Bionics. Ascon Systems ist erst drei Jahre alt und beschäftigt schon 50 Mitarbeiter. HKK Bionics aus Ulm hat eine motorisierte Orthese entwickelt, die gelähmte Hände wieder greifen lässt. Loreical ist eine App, die das Lernen von Musiktheorie-Wissen mit Software erlaubt - und damit angehende Gitarristen herausragende Soli spielen lässt.


Manfred Stockburger

Manfred Stockburger

Chefkorrespondent Wirtschaft

Manfred Stockburger beschäftigt sich seit 1997 intensiv mit der Wirtschaft in Heilbronn-Franken und darüber hinaus. Die rasante Veränderung der Autobranche und des Lebensmittelhandels interessiert ihn besonders, außerdem die Entwicklung der Firmen in Hohenlohe.

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