EBM-Papst will Automotive-Bereich sanieren

Mulfingen/St. Georgen  Wirtschaftliche Probleme am südbadischen Standort Herbolzheim: Hohenloher Lüfterhersteller kündigt umfangreiches Maßnahmenpaket an. Eine Entlassungswelle sei nicht geplant, sagt Gruppen-Chef Stefan Brandl.

Von Manfred Stockburger

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EBM-Papst muss sein in Herbolzheim bei Freiburg angesiedeltes Geschäft mit Kunden aus der Automobilindustrie neu aufstellen. Angesichts hoher Verluste, die sich für das kommende Geschäftsjahr abzeichnen,  kündigte das Unternehmen jetzt „einschneidende Veränderungen“ an. Entlassungswellen oder ein Sozialplan seien aber keineswegs vorgesehen, betonte EBM-Papst-Gruppengeschäftsführer Stefan Brandl gegenüber der Heilbronner Stimme. Gleichwohl: „Wir müssen jeden Stein umdrehen.“  Das Automotive-Geschäft macht etwa zehn Prozent es Gesamtumsatzes der Hohenloher aus, also knapp 200 Millionen Euro. Gesteuert wird das Geschäftsfeld aus dem EBM-Papst-Standort St. Georgen heraus.

Hohe Gewinne hatte die Gruppe mit diesem Geschäftsfeld noch nie erwirtschaftet. Vielmehr war der Automotive-Bereich ein strategisches Zukunftsfeld, das neue Wachstums- und Ertragschancen bringen sollte. Neben den Sitzlüftern, die schon länger und auch erfolgreich laufen, hat das Unternehmen in den vergangenen Jahren versucht, auch andere, deutlich komplexere Produkte zu entwickeln. Regelbare Ölpumpen etwa oder Geräte, mit denen Harnstofflösung (Ad-Blue) in das Abgassystem eingespritzt wird, um giftige Stickoxide zu neutralisieren.

Auch Bauteile für Start-Stopp-Systeme gehören zum Portfolio des Schwarzwälder Arms der Hohenloher. Angestammte Anbieter in diesem Geschäft, etwa die Kolbenschmidt-Schwester Pierburg aus Neuss, sind mit solchen Produkten außerordentlich profitabel.

EBM-Papst muss Lehrgeld zahlen

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EBM-Papst muss offenbar Lehrgeld bezahlen: „Riskante Entscheidungen“ aus der Vergangenheit, „nachteilige Verträge“ und hohe Tarifabschlüsse, wie Brandl sagt, sowie technische Probleme in einigen Projekten führen die Sparte nun offenbar auf den Weg in die Verlustzone - eine für das erfolgsverwöhnten Unternehmen gänzlich unbekannte Sphäre. Durch die hohen Stückzahlen werden im Automotive-Bereich aus kleinen Fehlern aber schnell große Herausforderungen.

Mit Lieferanten, Kunden und auch den Beschäftigten werde man nun über Maßnahmen reden, um die Entwicklung wieder ins Positive zu drehen. Einen möglichen Verkauf der Sparte, über den ebenfalls spekuliert wird, schließt Brandl aber aus. „Da gibt es keine Gespräche.“ Wie der Maßnahmenkatalog für die Automotive-Sparte genau aussehen soll, muss jetzt ausgearbeitet werden. Verbesserungen am Produktdesign und der Produktionsprozesse gehören für Brandl genauso dazu wie die Tatsache, dass man mit schwachen Mitarbeitern („Low Performer“) künftig „konsequent“ sein müsse.

Investitionen auf dem Prüfstand

Die Änderungen sollen nicht auf den Bereich Automotive beschränkt sein, sondern den gesamten Teilkonzern EBM-Papst St. Georgen umfassen. Neben der laufenden Kosten würden auch Investitionen auf den Prüfstand gestellt, heißt es. Stefan Brandl möchte aber nicht in den Rückspiegel blicken, sondern ausschließlich nach vorne, wie er betont. Vergangenes Jahr hatte es bei EBM-Papst St. Georgen einen Wechsel im Management gegeben. Johannes Pfeffer, der neue Sprecher der dortigen Geschäftsführung, nennt nun als Ziel, die Automotive-Einheit und den gesamten Standort wieder auf Erfolgskurs zu bringen.

In der Gruppe werde das Unternehmen auch im zu Ende gehenden Geschäftsjahr ein gutes Ergebnis ausweisen, betont Brandl. Die Mitarbeiter in Mulfingen müssten deswegen keine negativen Folgen der Probleme in St. Georgen und Herbolzheim befürchten.