Der Würth-Betriebsrat kommt - aber anders

Künzelsau  Neue Wendung in der Saga um die Betriebsratsgründung bei Würth in Künzelsau: Eine neue Initiative langjähriger Mitarbeiter überholt die bisherigen Initiatoren. Am 3. Juni wird der Wahlvorstand gewählt.

Von Manfred Stockburger

Der Würth-Betriebsrat kommt - aber anders

Bei der Künzelsauer Adolf Würth GmbH & Co. KG wird es bald einen Betriebsrat geben.

Foto: dpa

Nicht die Initiative, die zuletzt viel Wirbel gemacht hatte, sondern eine weitere Gruppierung hat am Montag an die rund 7500 Mitarbeiter der Adolf Würth GmbH & Co KG eine Einladung zu einer Betriebsversammlung verschickt.

Am 3. Juni wird demnach ein Wahlvorstand gewählt, der die Wahl einer ordentlichen Arbeitnehmervertretung leiten wird. Damit steht fest: der Betriebsrat kommt im Stammhaus der Würth-Gruppe - allerdings unter etwas anderen Vorzeichen.

Neue Gruppierung verschickt Einladung zur Betriebsversammlung

Videobotschaften, Presseberichte und Einträge in sozialen Netzwerken hätten kein gutes Licht auf das Unternehmen, die Eigentümerfamilie und letztlich auch auf die Würth-Mitarbeiter geworfen, begründet die neue Gruppe ihre Initiative. "Darum machen wir bewusst als langjährige und verantwortungsbewusste Mitarbeiter von Würth diesen entscheidenden Schritt auf dem Weg zur Wahl eines Betriebsrats", heißt es in dem Einladungsschreiben, das der Heilbronner Stimme vorliegt.

Bislang war ein Betriebsrat bei Würth in Künzelsau ein Tabu-Thema. "Es gibt viele Unternehmen in Deutschland, die schon sehr lange und erfolgreich mit ihrem Betriebsrat zusammenarbeiten", schreiben sie. "Warum nicht auch unser Unternehmen?" Bislang gibt es bei Würth nur einen sogenannten Vertrauensrat, der nicht nach dem Betriebsverfassungsgesetz konstituiert ist und entsprechend auch nicht die gesetzlich verbrieften Rechte als Arbeitnehmervertretung hat.

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Betriebsratswahl ist jetzt rechtlich angestoßen

"Als Unternehmen sind wir weiter von der Zukunftsfähigkeit des Vertrauensrates überzeugt, erkennen aber den Wunsch unserer Mitarbeiter nach einem Betriebsrat an", heißt es in einer Stellungnahme des Unternehmens. Die vier Mitarbeiter waren am vergangenen Freitag auf die Geschäftsführung zugegangen, am Montag wurde dem Management der offizielle Wahlaufruf schriftlich vorgelegt. "Hiermit wurde der Prozess hin zu einer Betriebsratswahl offiziell und rechtlich angestoßen." In einem Brief an die Belegschaft schreibt Geschäftsführer Norbert Heckmann: "Die Geschäftsleitung unterstützt dieses Vorhaben voll und ganz." Darin wird auch die Dankbarkeit des Managements für die neue Initiative deutlich, weil sie "einen professionellen Ablauf bis zur Wahl eines Betriebsrates sicherstellt".

Die vier Einladenden haben angekündigt, dass sie für den Wahlvorstand kandidieren werden. Weitere Vorschläge können bei der Betriebsversammlung gemacht werden. Sofern sie anwesend sind, können sich also auch die verbliebenen Initiatoren der ursprünglichen Inititative zur Wahl stellen. Eine schriftliche Anfrage an sie blieb bislang unbeantwortet.

Auf ihrer Facebookseite stellte die Initiative am Montag den Termin für die Betriebsversammlung ein. "Endlich ist es soweit: Wir können auf der Betriebsversammlung den Wahlvorstand demokratisch wählen", lautet der Kommentar. Am Wochenende hatte es dort teils heftige Diskussionen gegeben - zahlreiche Kommentare sind inzwischen gelöscht.

Der eigentliche Betriebsrat wird noch nicht bei der Betriebsversammlung gewählt, sondern erst in den kommenden Monaten.

 

 


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