Berner baut ein Zentrallager in Holland

Künzelsau  Die neue Logistikstrategie des Köln-Künzelsauer Unternehmens nimmt den Ballungsraum Rhein-Ruhr in den Fokus. In Hohenlohe wird derweil das BTI-Lager erweitert.

Von Manfred Stockburger

So soll das Lager in Holland einmal aussehen. Animation: Berner

Die Berner-Gruppe gibt sich eine neue Logistikstruktur. Herzstück des Projekts, das die aus Künzelsau herausgewachsene Firma vorantreibt, ist ein neues europäisches Zentrallager, das im holländischen Kerkrade gebaut wird – einem Städtchen direkt an der deutschen Grenze. Im Herbst 2020 soll das Logistikzentrum mit einer Nutzfläche von 25.000 Quadratmetern in Betrieb gehen.
 
Entscheidend für den Erfolg sei, so Vorstandschef Christian Berner, „unseren Kunden die passgenauen Lösungen und Services zum richtigen Zeitpunkt zur Verfügung zu stellen. Dafür ist eine europäisch ausgerichtete, konsequent optimierte Lagerlogistik von höchster Wichtigkeit.“ Der Spatenstich für das neue Logistikzentrum sei ein historischer Meilenstein in der Transformation der Berner Group, die 2015 mit dem Umzug der Verwaltung von Künzelsau nach Köln ihren Anfang genommen hatte.

Ware soll noch am Tag der Bestellung beim Kunden landen
 
Der größte Batzen des 40 Millionen Euro schweren Logistikprogramms fließt nach Kerkrade. Der neue Standort soll so aufgebaut werden, dass Handwerker an Rhein und Ruhr sowie in den Benelux-Staaten künftig ihre Ware noch am Tag der Bestellung erhalten können. „Kunden intraday beliefern zu können, wird in Zeiten der Digitalisierung zum entscheidenden Wettbewerbsfaktor“, sagt Christian Berner. „Wir haben über unsere gewachsenen Strukturen hinausgedacht und wollen ein superschnelles, europaweites Logistiknetzwerk aufbauen.“ Die gewachsene und sehr dezentral aufgestellte Logistik gilt als eine der strategischen Schwachstellen der Berner-Gruppe.
 
Bislang werden die deutschen Berner-Kunden aus dem 15.000 Quadratmeter großen Künzelsauer Logistikzentrum heraus beliefert, das täglich bis zu 10.000 Pakete bearbeiten kann. In den Niederlanden gibt es ein kleineres Lager in Landgraaf, das auch für Belgien und Luxemburg zuständig ist. Dort können sich Kunden schon jetzt innerhalb weniger Stunden nach der Bestellung beliefern lassen, mit der Ausweitung dieser Dienstleistung ins Rheinland und ins Ruhrgebiet möchte der IT- und Logistikvorstand Christoph Möltgen den Belieferungsradius verdoppeln. Langfristig hat Berner zum Ziel, in allen europäischen Ballungsgebieten seinen Kunden eine taggleiche Belieferung anzubieten.

 Logistikzentrum in Ingelfingen wird erweitert
 
Die strategisch wichtige Großinvestition erfolgt im Umkreis der neuen Zentrale in Köln, die dadurch weiter gestärkt wird. Das Stammhaus soll dennoch nicht abgehängt werden: Nach Fertigstellung des Zentrallagers möchte Berner auch die Lieferung aus Künzelsau „optimieren“, so dass auch hier eine deutlich schnellere Auslieferung möglich sein wird. „Größere Investitionen“ seien dafür geplant.

In Ingelfingen, wo die auf die Baubranche spezialisierte Berner-Tochter BTI ihren Sitz hat, wird das Logistikzentrum ebenfalls erweitert. Mehrere Millionen Euro lässt sich Berner die Erweiterung eines neuen Lagers kosten, die im Juli 2020 einsatzbereit sein soll. Schon in diesem Herbst bezieht die BTI ein Umschlaglager für sperrige Artikel in Boxberg-Windischbuch.
 
Auch die Logistik der österreichischen Tochtergesellschaft in Braunau wird erweitert. Langfristig soll sie in ein europaweites Logistiknetz einbezogen werden. Von dort aus werden neben Österreich auch Kunden in Osteuropa beliefert.
 
Nicht nur in Hardware in Form von Lagern investieren die Köln-Künzelsauer, sondern auch in die IT. Künftig soll es in dem Unternehmen einheitliche logistische IT-Systeme, Prozesse und Daten geben, was eine bessere Vernetzung über die Standorte hinweg ermöglichen soll. „Mit dem neuen Logistikzentrum in Verbindung mit besseren Systemen und Daten machen wir einen weiteren großen Schritt nach vorne“, sagt Christian Berner.

 

 


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