Beinahe-Rekord bei der Handelsgruppe Berner

Künzelsau  Den Umsatzrekord aus dem Jahr 2013/14 verfehlt Berner knapp: Der Händler legt um 4,8 Prozent auf 1,07 Milliarden Euro zu. Im Inland macht die Handelsgruppe weniger Plus.

Von Manfred Stockburger

Stammsitz Berner SE Künzelsau
Stammsitz Berner SE Künzelsau. Foto: privat

Mit 1,071 Milliarden Euro Umsatz hat die Berner Group im Ende März abgelaufenen Geschäftsjahr nach Jahren der Seitwärtsbewegung den im Geschäftsjahr 2013/14 aufgestellten Umsatzrekord beinahe wieder erreicht. Bereinigt um Konsolidierungseffekte legte das Handelsunternehmen gegenüber dem Vorjahr um 4,8 Prozent zu – es sei das höchste Wachstum seit sieben Jahren gewesen, heißt es bei der Gruppe, die insgesamt 8200 Mitarbeiter beschäftigt. Zum Ergebnis macht Vorstandschef Christian Berner keine konkreten Angaben. „Wir haben die Stabilität massiv verbessert“, sagt er lediglich.

„Rekorde machen bekanntlich stolz und hungrig auf mehr“, sagt Berner dennoch, der sich trotz der fehlenden zwei Millionen über die „sehr, sehr guten Zahlen“ freut. „Unsere Ehrlichkeit, andere Wege zu gehen, zahlt sich aus.“ Er sieht sich in seinem Kurs bestätigt, das Unternehmen radikal zu digitalisieren, die Geschäftsprozesse zu optimieren und zu harmonisieren. Und Verlustbringer zu schließen: Der Umsatz der tatsächlich fortgeführten Aktivitäten im Jahr 2013/14 lag nämlich nur bei 932 Millionen Euro.

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Teil des Umbaus war auch der Aufbau einer zweiten Zentrale in Köln, wo inzwischen zwei Drittel der 270 Holding-Angestellten sitzen. Einschließlich des Ingelfinger Tochterunternehmens BTI beschäftigt Berner im Hohenlohekreis aktuell noch 870 Mitarbeiter.

Im Inhalnd war das Wachstum unterdurchschnittlich

Nicht nur im Konsolidierungskreis gab es Veränderungen – zuletzt etwa durch den Verkauf des Berner-Geschäfts in Großbritannien. Auch in der Art und Weise, wie das Unternehmen seine Zahlen kommuniziert, gibt es eine Neuerung. Die bisher separaten Sparten Berner und BTI sind zum neuen Geschäftsfeld Omnichannel Trading zusammengefasst, daneben gibt es die Spezialchemie. 

Mit einem kombinierten Umsatz von rund 930 Millionen Euro ist Omnichannel Trading der mit Abstand größte Teil der Gruppe. Ein Wachstum von mehr als sechs Prozent bei der Marke Berner ließ den Spartenumsatz um 5,7 Prozent nach oben schnellen. „Die Marke Berner hat nicht nur die Vorjahreswerte übertroffen, sondern auch die Budgetziele“, sagt der für dieses Geschäftsfeld zuständige Vorstand Carsten Rumpf. Im Inland war das Wachstum der Marke mit drei Prozent allerdings unterdurchschnittlich.

Bei der deutlich kleineren Marke BTI war der Geschäftsverlauf trotz der „exorbitanten Baukonjunktur“ schwieriger. Der Deckungsbeitrag sei aber deutlich verbessert worden. 

Um 13 Prozent auf 80 Millionen Euro ist der Umsatz angestiegen, den die Gruppe mit ihren E-Commerce-Aktivitäten macht. Der Aufbau dieses Vertriebskanals war ein Kernprojekt der Neuausrichtung des Unternehmens in den vergangenen Jahren – als Ziel hatte Berner einst einen Umsatzanteil von 30 Prozent angepeilt. In den Niederlanden seien es immerhin schon 15 Prozent. „Das Handwerk digitalisiert sich nicht so schnell wie andere Branchen“, stellt Berner fest. 

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Unsicherheit in der Antriebstechnik im Autohandel

Das Geschäftsfeld Spezialchemie hat sich im vergangenen Geschäftsjahr den Angaben zufolge mit 137 Millionen Euro seitwärts bewegt. Angesichts der schwachen Nachfrage und rückläufiger Preise habe sich das Duisburger Unternehmen mit der Marke Caramba dennoch behauptet, sagt der zuständige Vorstand Christoph Möltgen. 

Während die Nachfrage aus der Baubranche ungebremst hoch ist, erwartet Berner im für ihn wichtigen Autohandel angesichts der Unsicherheit, was die Antriebstechnik der Zukunft angeht (Berner: „Da herrscht absolutes Chaos“) ab dem nächsten Jahr Schwierigkeiten: „2019 ist das Jahr, in dem es noch läuft.“ Bisher liege das Wachstum auf dem Niveau des vergangenen Jahres, und trotz der konjunkturellen Eintrübung in mehreren Regionen Europas sei der Mai der bislang umsatzstärkste Mai seit Unternehmensgründung gewesen.

 

 

 


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