Bei 11teamsports ist der Firmenname Programm

Crailsheim  Die Firma 11teamsports aus Crailsheim ist innerhalb von zwölf Jahren zum europäischen Marktführer unter den Fußballausstattern geworden. Hinter dem Erfolgsrezept steht ein Gründer mit Branchenerfahrung.

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Dank des starken Wachstums hat das Unternehmen in einen neuen Firmensitz bei Satteldorf investiert. Dort gibt es auch ein Ladengeschäft. Foto: Fritze

Tennisspieler in der Zweiten Bundesliga, Trainer in der Fußball-Landesliga, schon als Kind auf der Branchenmesse Ispo unterwegs - Oliver Schwerin lebt und liebt den Sport, vor allem den Fußball. Kein Wunder, dass sein Unternehmen schon vom Namen her keinen Zweifel daran lässt, worum es hier geht: um die legendären elf Freunde, um den Teamgedanken, den Sport. 11teamsports eben.

Zwar sieht der Firmensitz am Rande des Gewerbegebiets Satteldorf äußerlich aus wie so viele andere Unternehmens-Neubauten auch: kastenförmig, aus Betonteilen zusammengesetzt. Vom Bürofenster aus sieht man den Verkehr auf der A6 vorbeihuschen, die Dampfwolken aus dem Gipswerk von Knauf, die Bagger und Laster des Bauriesen Leonhard Weiss. Keine besonders sportliche Umgebung, doch hier schlägt das Herz eines Branchenriesen. 150 Beschäftigte arbeiten am Stammsitz, in der gesamten Gruppe sind es inzwischen mehr als 1000, und der Umsatz dürfte vergangenes Jahr näher an 200 als an 150 Millionen Euro gelegen haben.

Anfänge im elterlichen Geschäft

Dabei liegen die Anfänge von Oliver Schwerins Unternehmen im klassischen Einzelhandel. Seine Mutter führte damals den Sport-Shop Schwerin in Obersontheim. "Ich bin quasi in die Branche reingeboren worden", sagt der 41-Jährige. "Ich fand das ganz normal. Aber ich wollte schon mit Mitte 20 vieles anders machen."

Fußball, so seine Idee, müsste von einem Fachhändler anders bespielt werden: von Experten für Experten, für Mannschaften von der Kreisliga B bis zur Bundesliga. 2005 gründete er daher einen eigenen Laden unter dem Namen "Kick it", zwei Jahre später übernahm er Intersport Wolf in Crailsheim. Jenes Geschäft taufte er um in 11teamsports - die Geburtsstunde der heutigen Gruppe.

Wo der Firmenname Programm ist
Oliver Schwerin hat 11teamsports 2007 in Crailsheim gegründet. Foto: Heiko Fritze

Partner an Bord genommen

"Ich war mir immer sicher, dass das funktioniert", sagt der zweifache Vater rückblickend. "Fußball ist die Sportart Nummer eins in Deutschland. Mir war klar: Wenn man es richtig angeht und ordentlich macht, muss es erfolgreich sein." Wobei er auch Glück hatte: "Wie haben zum richtigen Zeitpunkt aufs Internet gesetzt", sagt Oliver Schwerin.

Ebay und Amazon erreichten damals ihre Schlagkraft auf dem deutschen Markt, aber weil die großen Hersteller den Vertrieb auf diesen Kanälen blockieren wollten, setzte der Jungunternehmer auf den eigenen Onlinekanal unter der Marke seines Crailsheimer Geschäfts. "Das war die beste Entscheidung, die wir je getroffen haben", meint er heute. Denn das Ganze nahm rasch große Dimensionen an.

So große, dass ein Partner notwendig wurde. Oliver Schwerin fand ihn 2012 in der Familie Kollmann aus Quakenbrück, ebenfalls begeisterte Mannschaftssportler. Heute hält ihre JCK-Holding 57 Prozent am Unternehmen - und hält sich komplett aus dem operativen Geschäft heraus. "Das war immer ein Teil des Deals. Sie vertrauen hundertprozentig auf mich", erklärt der Geschäftsführer.

Trikots werden im Kraichgau bedruckt

In der Folge expandierte 11teamsports. Mittlerweile gibt es 20 Läden in Deutschland, Österreich, der Schweiz und Polen. Es gibt eine eigene Produktion mit Sitz in Helmstadt-Bargen im Kraichgau, wo Trikots und andere Textilien nach Wünschen der Kunden bedruckt und bestickt werden - auch für Bundesligisten. Es gibt Partnerschaften mit Onlinegesellschaften und Händlern in mehreren europäischen Ländern, und weitere sollen folgen. Und seit Mitte vergangenen Jahres ist der neue Stammsitz in Satteldorf vollständig in Betrieb.

Nach wie vor konzentriert sich 11teamsports nahezu ausschließlich auf Fußball. Ganz neu ist die Sparte E-Gaming, doch der Firmengründer erklärt: "Dieser Sport hat ganz viel gemeinsam mit Fußball." Andere Mannschaftssportarten finden sich nicht im Sortiment - für sie gibt es Ballsport Direkt. Seit zwei Jahren gehört das Unternehmen aus Moers zur Gruppe und bedient vor allem Kunden aus Handball-, Volleyball- und Basketball-Vereinen.

Viele Pläne für dieses Jahr

Für 2020 hat Oliver Schwerin viele Pläne. Soeben gestartet ist sein Franchisekonzept: Kleine Sporthändler flaggen auf 11teamsports um und werden Ansprechpartner und Lieferant für Vereine im Umkreis. Fünf solcher Partner gibt es schon, ihre Geschäfte werden bis März eröffnet haben. "Wir sprechen auch schon mit weiteren." Viele dieser Unternehmen verfügten über ein sehr gutes Netzwerk in ihrer Region, seien aber für große Konzerne als Kunden nicht relevant - unter der Flagge der Satteldorfer ändere sich das wieder.

Auch international soll es weitergehen: Die vergangenes Jahr begonnene Partnerschaft mit einem tschechischen Unternehmen soll wachsen und ganz Osteuropa erschließen, und in den großen Fußballländern Italien, Frankreich und Spanien werden Kooperationen im Onlinehandel starten. Für die fußballbegeisterten Mitarbeiter in der Satteldorfer Zentrale wird die Arbeit so schnell nicht ausgehen - und es ist sicher, dass zu den vielen Unterschriften-übersäten Trikots in den Großraumbüros noch eine ganze Menge hinzukommen.

 

Neue Ausgabe der Wirtschaftsstimme

Dieser Artikel erscheint in der Wirtschaftsstimme, die am Dienstag, 25. Februar, der Heilbronner Stimme/Kraichgau Stimme/Hohenloher Zeitung beiliegt. Die neue Ausgabe beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit Genossenschaften in der Region sowie Hotels, Tagungen und Gastronomie.

 

Heiko Fritze

Heiko Fritze

Autor

Heiko Fritze arbeitet seit 2001 bei der Heilbronner Stimme. Er ist für die Redaktion Wirtschaft & Politik tätig.

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