Außendienstler von Würth müssen Abstand halten

Künzelsau  Der Handelskonzern Würth bleibt im Jubiläumsjahr vorerst auf Kurs. Momentan sind aufgrund der Corona-Krise keine finanziellen Auswirkungen spürbar. Der 85. Geburtstag des langjährigen Firmenchefs Reinhold Würth muss warten.

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Nah . Näher. Würth! Die Unternehmensstrategie der Künzelsauer muss für die nächsten Monate neu interpretiert werden. Kontakt halten will das Unternehmen nun vor allem auf den digitalen Kanälen´.

Foto: Würth

Es sollte eine besondere Festwoche für Mitarbeiter, Kunden und Gäste werden: Zum 75-Jahr-Jubiläum wollte Würth Ende Juni Helene Fischer und Silbermond nach Gaisbach holen. Ob die Feiern stattfinden, steht angesichts der Ausbreitung des Corona-Virus in den Sternen. Vor allem für die Mitarbeiter dürfte eine andere Nachricht aber wichtiger sein: "Momentan sind keine finanziellen Auswirkungen spürbar", erklärt Unternehmenssprecherin Sigrid Schneider.

Engpässe bei Atemschutzmasken

Der Schrauben- und Zubehörhändler wurde bislang noch kaum mit Lieferausfällen konfrontiert. "Lediglich in den Bereichen Atemschutzmasken, Schutzanzüge, Desinfektionsmittel, Handwaschpasten und sonstige Hygieneartikel" sei es zuletzt dünn geworden, erklärt Schneider auf Stimme-Anfrage. Hier sei man auf der Suche nach Ausweichmöglichkeiten.

Damit können Handwerker weitgehend mit allem beliefert werden, was auf den Baustellen derzeit nötig ist. Auch die teilweise "systemrelevante" Infrastruktur wie Krankenhäuser könne so am Laufen gehalten werden, wie Schneider betont. Dort finden gerade jetzt viele Umbaumaßnahmen statt, um Einrichtungen auf den Krisenmodus vorzubereiten.

Die Auftragslage ist noch gut

Die Auftragslage der Adolf Würth GmbH & Co. KG ist derzeit noch gut, sagt Sigrid Schneider. Umstellen müssen sich aber vor allem die Außendienstmitarbeiter, die in Deutschland und Europa in der Regel mit möglichst vielen Kundenkontakten für brummende Geschäfte sorgen sollen. Das persönliche Treffen ist zwar noch nicht gänzlich unterbunden. Doch weil die Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts befolgt werden, bekommen die Online-Kanäle in der Multi-Kanal-Strategie des Unternehmens einen neuen Stellenwert. Möglichkeiten wie "Click & Collect", also Bestellung per App oder telefonisch und Abholung direkt in Paketstationen vor den Niederlassungen unter entsprechenden Sicherheitsvorkehrungen, würden nun verstärkt genutzt.

Um ihre Vergütung müssen die Außendienst-Mitarbeiter durch die Verlagerung auf die Online-Schiene nicht bangen. Auch diese Umsätze würden dem Verkäufer zugerechnet, erläutert Schneider. Einnahme-Ausfälle durch die Corona-Krise gebe es - sofern man das so pauschal sagen kann - aktuell nicht.

Bisher keine Infektionswelle

Auch von einer Infektionswelle ist Würth bislang verschont geblieben. Bislang sind in dem Unternehmen mit mehr als 7000 Mitarbeitern erst zwei Corona-Infektionen bestätigt. Der Schutz der Mitarbeiter und der Kunden habe oberste Priorität, versichert Schneider. So wurden in den Niederlassungen Abstandszonen gekennzeichnet, so dass Mindestabstände eingehalten werden.

Das alles passiert ausgerechnet im Jahr des Firmenjubiläums. Vor 75 Jahren wurde Würth gegründet. Vom 21. bis 28. Juni sollte das mit Klassikkonzert, Open Air, Mitarbeiterfest und Tag der offenen Tür gefeiert werden. Abgesagt wurde die Festwoche bislang nicht. Optimistisch hört sich allerdings nicht an, was die Künzelsauer dazu sagen: "Wir werden in den nächsten Tagen eine Entscheidung treffen."

Reinhold Würth feiert vielleicht später

Reinhold Würth musste bereits reagieren. Am 20. April wird er 85 Jahre alt. Die geplante Feier im Kreis der Familie wurde "aus Verantwortung gegenüber seinen Gästen" abgesagt. Allerdings behält sich der Unternehmer das Hintertürchen offen. "Vielleicht" werde die Feier zu einem späteren Zeitpunkt nachgeholt, heißt es.


Christian Gleichauf

Christian Gleichauf

Chefkorrespondent Wirtschaft

Christian Gleichauf schreibt über Menschen, Unternehmen und wirtschaftliche Entwicklungen in der Region Heilbronn-Franken. Seit dem Jahr 2000 ist der gebürtige Südbadener bei der Heilbronner Stimme.

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