AKK und Altmaier fordern Unternehmenssteuerreform

Schwäbisch Hall  Das zehnte Gipfeltreffen der Weltmarktführer in Schwäbisch Hall steht im Zeichen von Klimawandel, Autokrise und Transformation. Die CDU-Chefin verrät, warum sie nicht mehr bei Faschingsveranstaltungen auftreten wird. Und dass wir ein Digitalministerium brauchen.

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CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer im Gespräch mit Beat Balzli von der "Wirtschaftwoche".

Fotos: Jürgen Paul

Das Gipfeltreffen der Weltmarktführer in Schwäbisch Hall hat sich längst als hochkarätige Informations- und Netzwerk-Veranstaltung etabliert. Auch bei der zehnten Auflage des von Walter Döring ins Leben gerufenen Kongresses gibt es in der Bausparkasse eine interessante Mischung aus wirtschaftlichen und politischen Themen und Gästen.

Offenheit und Selbstkritik

Die CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer hat am Donnerstag zwar keine Sensationen dabei - weder zu einer möglichen Kanzlerkandidatur noch zur künftigen Rolle von Friedrich Merz. Doch AKK punktet im Gespräch mit Beat Balzli, Chefredakteur der "Wirtschaftswoche", mit Offenheit und Selbstkritik. Und kündigt den Verzicht auf Faschingsveranstaltungen an. "Als Verteidungsministerin habe ich eine andere Verantwortung, eine andere Ernsthaftigkeit."

Gegendemo vor der Bausparkasse

Gleich zu Beginn des Gesprächs konfrontiert Balzli die CDU-Chefin mit einem Video eines Demonstranten. Vor der Bausparkasse waren rund 150 junge Leute zu einer "Kontrastdemo" gekommen, um ihren Unmut über die Energiepolitik der Bundesregierung Ausdruck zu verleihen. "Ich habe Verständnis für die Ungeduld", sagte AKK. Allerdings müssten bei einem solch großen Transformationprozess die Menschen mitgenommen werden - insbesondere jene, die um ihre Arbeitsplätze fürchteten. Kramp-Karrenbauer räumte ein, dass die CDU das Thema Klimaschutz lange vernachlässigt habe.

AKK steht zum Verbrenner

AKK und Altmaier fordern Unternehmenssteuerreform

Wirtschaftsminister Peter Altmaier war per Videoschalte dabei.

Klare Worte findet sie auch für die milliardenschwere staatliche Förderung von Elektro-Autos. "Das hat nichts gebracht, das war ein falscher Ansatz." Das Geld hätte man besser in den Ausbau der Lade-Infrastruktur stecken sollen. Den Verbrennungsmotor schreibt AKK nicht ab. "Ich stehe zum Verbrenner, auch zum Diesel - man muss ihn nur klimaneutral weiterentwickeln."

Der These Balzlis, Deutschland sei ein digitales Entwicklungsland, stimmt sie nicht zu. Aber sie sieht Nachholbedarf und spricht sich im Gegensatz zu ihrer bisherigen Haltung für die Einrichtung eines Digitalministeriums aus. Auch eine Unternehmenssteuerreform würde AKK begrüßen, aber mit der SPD sei kein großer Wurf möglich. Die Sorge Balzlis wegen der hohen Energiepreis teilt sie ausdrücklich. "Energie muss billiger werden, sonst sind wir nicht konkurrenzfähig."

Altmaier lobt Steuerreform in den USA

Das sieht ihr Kabinettskollege Peter Altmaier genauso. Der Wirtschaftsminister ist von Berlin zugeschaltet und spricht sich nicht nur für günstigeren Strom aus, sondern auch für eine Steuerreform. "Die Unternehmenssteuerreform in den USA war ein Großtat", sagt Altmaier. Deutschland müsse hier mutig sein, erste Schritte habe man nun in der großen Koalition vereinbart.

Die viel diskutierte Bonpflicht nennt Altmaier "eine unsinnige Vorschrift" und fordert, Bagatellgeschäfte von zehn oder 15 Euro zu befreien oder ganze Branchen wie Bäcker und Metzger davon auszunehmen. "Die Menschen fühlen sich unter Generalverdacht gestellt." Ausführlich verteidigt der Wirtschaftsminister seine Industrie- und Mittelstandsstrategie und bricht eine Lanze für die Autobranche. "Deutschland war immer ein Autoland und soll es auch bleiben."

Traton-Chef Renschler wirbt für Klimaschutz

AKK und Altmaier fordern Unternehmenssteuerreform

Traton-Chef Andreas Renschler spricht sich für mehr Klimaschutz aus.

Das wird Andreas Renschler gerne gehört haben. Der Vorstandschef der VW-Nutzfahrzeug-Tochter Traton sieht seine Branche vor gewaltigen Veränderungen. "Es wird so viel transportiert wie noch nie", sagt er. Und merkt an, der zunehmende Verkehr könne "zu einem limitierenden Faktor unseres Wohlstandes" werden. Für Renschler ist die Zukunft "digital und CO2-neutral", Klimaschutz sei das zentrale Thema. "Entweder wir steuern um, oder wir steuern ins Aus", ist er überzeugt.

Mit intelligenten Mobilitätskonzepten und effizienteren Antrieben könnten die Herausforderungen gemeistert werden. "Wir müssen technologieoffen sein", fordert Renschler. Traton steckt bis 2025 eine Milliarde Euro in Elektro-Antriebe. Dann soll jedes dritte Nutzfahrzeug des Konzerns mit alternativen Antrieben unterwegs sein.

 

 

Mensch und Mitarbeiter im Mittelpunkt

Das Thema Zukunft der Arbeit und die Frage der Personalgewinnung nimmt auch in diesem Jahr breiten Raum ein beim Gipfeltreffen der Weltmarktführer in Schwäbisch Hall. "Der Mensch ist wichtig und wird wichtig bleiben", sagt Janina Kugel. Für die Personalchefin, die Siemens Ende Januar verlässt, ist der Mensch unersetzbar. Aber die Fähigkeiten, die zukünftig gefragt seien, ändern sich Kugel zufolge. 2030 seien hohe kognitive Fähigkeiten, technologische Fähigkeiten sowie soziale und emotionale Kompetenz besonders gefragt, ist sich die Personalexpertin sicher.

Den versammelten Unternehmern riet Janina Kugel, sich von der in Deutschland verbreiteten Null-Fehler-Kultur zu verabschieden und mehr Risiko zuzulassen. "Aus Misserfolgen kann man sehr viel lernen." Über ihr Ausscheiden bei Siemens ließ sich Kugel nichts entlocken. Aber zu den Karrierechancen von Frauen hat sie eine klare Meinung. "Frauen werden erst eingestellt, wenn der Karren im Dreck steckt."

Lucas Müller, Deutschland-Chef des Schweizer Versicherers Elips-Life, erläuterte drei Strategien gegen den Fachkräftemangel. Der Arbeitgeber müsse den Mitarbeitern mehr bieten als die Konkurrenz - und zwar nicht nur mehr Geld. Ein gutes Gehalt sei zwar wichtig, aber das Gesamtpaket müsse stimmen - insbesondere die Unternehmenskultur. Zweitens müssten die Mitarbeiter stärker eingebunden werden, um Fluktuation zu reduzieren. Und drittens sollte sich jeder Arbeitgeber um die Gesundheit seiner Mitarbeiter kümmern. 


Jürgen Paul

Jürgen Paul

Stv. Leiter Politikredaktion

Jürgen Paul arbeitet seit 1998 bei der Heilbronner Stimme. Der gebürtige Pfälzer widmet sich der regionalen und überregionalen Wirtschaft, Schwerpunkte sind das Handwerk, die Bankenbranche, der Arbeitsmarkt und die Konjunktur.

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