Würth reagiert mit Kurzarbeit auf die Krise

Künzelsau - In der Künzelsauer Deutschland-Zentrale von Würth gilt ab April für weite Teile der Belegschaft Kurzarbeit. Die Arbeitszeit von rund 1250 Mitarbeitern in der Verwaltung und der Logistik der Adolf Würth GmbH & Co. KG wird um 15 Prozent gekürzt. Die rund 750 Innendienstmitarbeiter am Standort, die nicht in die Kurzarbeit eingebunden werden, sollen einen Solidarbeitrag von fünf Prozent ihrer Bezüge leisten.

Von Manfred Stockburger
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Künzelsau - In der Künzelsauer Deutschland-Zentrale von Würth gilt ab April für weite Teile der Belegschaft Kurzarbeit. Die Arbeitszeit von rund 1250 Mitarbeitern in der Verwaltung und der Logistik der Adolf Würth GmbH & Co. KG (AWKG) wird um 15 Prozent gekürzt. Die rund 750 Innendienstmitarbeiter am Standort, die nicht in die Kurzarbeit eingebunden werden, sollen einen Solidarbeitrag von fünf Prozent ihrer Bezüge leisten. Bei einer Betriebsversammlung in Kupferzell wurde die Belegschaft am Dienstag über das Vorgehen informiert.

Kaufzurückhaltung

Damit reagiert das Unternehmen auf die „schwierige Wirtschaftslage“, die sich durch eine „deutlich spürbare Kaufzurückhaltung“ auswirkt, wie es der erst im Januar bestellte AWKG-Chef Norbert Heckmann formuliert.

Ein großer Teil der Kunden der Künzelsauer in nahezu allen Geschäftsbereichen sei von der Krise betroffen, erklärt der Geschäftsführer. Am schwierigsten sei die Lage in der Division Metall – hier sind viele Autozulieferer unter den Würth-Kunden. Angesichts des rückläufigen Geschäfts sei „oberstes Ziel der Erhalt von Arbeitsplätzen und die Sicherung von Know-how“, sagt Heckmann. Er ist fest überzeugt, dass das Sparpaket ausreichend ist. „Wir machen keine Salamitaktik.“

„Für die Mitarbeitervertretung liegt der Fokus ganz klar auf der Arbeitsplatzsicherheit aller Mitarbeiter“, sagt Thomas Wagner, der Vorsitzender des AWKG-Vertrauensrats. „Deshalb war es uns wichtig, dass die gesamte Breite der Möglichkeiten zur Kosteneinsparung betroffen ist.“ Wagner betont außerdem, dass die Maßnahmen zeitlich begrenzt seien. „Das ist entscheidend.“

Teil des Sparpakets ist auch, dass es in diesem Jahr kein Würth-Open-Air geben wird. Die Großveranstaltung hatte sich in den vergangenen Jahren zu einem kulturellen Höhepunkt in der Region entwickelt. „Unser Ziel ist, dass es nächstes Jahr wieder ein Open-Air geben wird“, sagt Heckmann. Voraussetzung dafür sind allerdings bessere Zeiten.

Ebenfalls aufgeschoben ist die im September angekündigte Erweiterung des AWKG-Verwaltungsgebäudes in Gaisbach, die mit elf Millionen Euro veranschlagt war.

Vertrieb

„Wir sind nicht im freien Fall“, betont Norbert Heckmann. Die Anzahl der Aufträge liege sogar leicht über dem Vorjahreswert, allerdings bestellten die Kunden weniger. Nicht betroffen von den Kürzungen sind die Außendienstmitarbeiter des Unternehmens. Den Markt will Heckmann weiterhin „mit voller Kraft“ bearbeiten lassen. „Bei Qualität und Zuverlässigkeit der Kundenbetreuung werden deshalb keine Abstriche gemacht“, verspricht er. „Dadurch können wir auch in diesen schwierigen Zeiten Marktanteile hinzugewinnen.“

Beim Wettbewerber Berner ist Kurzarbeit derzeit kein Thema.


Würth befürchtet schwere Krise

Reinhold Würth befürchtet schwere Krise „Die Krise ist gewaltig, ihre Dimension haben wir bis heute nicht verstanden“, sagte Reinhold Würth im Gespräch mit der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagzeitung“. Er befürchtet sogar, dass sich nicht einmal die Staaten halten können. „Bei dem Gedanken läuft es mir eiskalt über den Rücken.“

Noch in 30 Jahren, glaubt der Unternehmer, werden die Folgen der Krise zu spüren sein - er sagt sogar eine Währungsreform voraus. „Es muss irgendwann zur Inflation kommen, so viel Geld wie die Länder drucken. Und dann muss man irgendwann irgendwo zwei Nullen abschneiden.“

Um das Unternehmen in sicherem Fahrwasser zu halten, setzt Würth (Foto: Archiv/dpa) zurzeit die Liquidität sogar vor Profitabilität. So sind bis Ende April alle Investitionen eingefroren. „Wir haben 270 Millionen Euro eigene liquide Mittel auf Banken liegen, haben zudem gesicherte Kreditlinien von einigen hundert Millionen.“ Dennoch müsse das Unternehmen „auf der Hut sein und sparen“. Nach menschlichem Ermessen könne der Würth-Gruppe dann nicht viel passieren.

Seinen österreichischen Pass habe er noch nicht erhalten, sagte Würth. Er betonte erneut, dass er die deutsche Staatsbürgerschaft behalten werde. „Ich habe schon seit 15 Jahren ein schönes Haus in Salzburg und verbringe dort viel Zeit. Ich liebe die Landschaft sehr, auch das kulturelle Leben ist wunderbar. Wir haben da gute Freunde, tolle Nachbarn - und es ist nur 23 Minuten von hier.“ Mit dem Flugzeug.

>>Das ausführliche Interview auf www.faz.net


Hintergrund: Adolf Würth GmbH & Co. KG

Die Adolf Würth GmbH & Co. KG vertreibt Montage- und Befestigungsmaterial für die professionelle Anwendung. Das Unternehmen bietet ein Verkaufsprogramm mit über 100.000 Produkten: Schrauben, Schraubenzubehör, Dübel, chemisch-technische Produkte, Möbel- und Baubeschläge, Werkzeuge, Bevorratungs- und Entnahmesysteme sowie Arbeitsschutz werden an über 400.000 Handwerker und Industriekunden geliefert.

Die Adolf Würth GmbH & Co. KG beschäftigt zurzeit deutschlandweit rund 5.000 Mitarbeiter und erwirtschaftete im Geschäftsjahr 2008 einen Umsatz von 1,127 Milliarden Euro (einschließlich konzerninterner Umsätze). Sprecher der Geschäftsleitung ist Norbert Heckmann.


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