Trau keinem Blogger - Bizarrer Streit ums Jako-Logo

Mulfingen - Dass sie im Recht sind, davon sind sie weiterhin überzeugt. Aber entschuldigt haben sie sich trotzdem. „Wir haben ganz offensichtlich überreagiert“, sagt Jako-Vorstandsvorsitzender Rudi Sprügel. Und das ist das erste, was der Hollenbacher Sportausrüster in der Affäre überhaupt sagte.

Von Heiko Fritze

Trau keinem Blogger
Unter anderem die Bundesliga-Kicker von Eintracht Frankfurt treten mit Sportkleidung von Jako an. Natürlich mit dem neuen Logo.Foto: dpa

Mulfingen - Dass sie im Recht sind, davon sind sie weiterhin überzeugt. Aber entschuldigt haben sie sich trotzdem. „Wir haben ganz offensichtlich überreagiert“, sagt Jako-Vorstandsvorsitzender Rudi Sprügel. Und das ist das erste, was der Hollenbacher Sportausrüster in der Affäre überhaupt sagte.

Was von der allgemeinen Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt blieb, hat vor wenigen Tagen die Blogosphäre im Internet massiv gegen Jako aufgebracht - jene Szene, die in Online-Tagebüchern, sogenannten Blogs, ihre Gedanken zu sich, der Welt im allgemeinen und irgendeinem Thema im speziellen äußert. Wie zum Beispiel Frank Baade: Der Blogger und Hobby-Fußballtrainer beschäftigt sich leidenschaftlich mit allem, was das runde Leder betrifft - so auch im April damit, dass sich Jako, immerhin Ausrüster von Eintracht Frankfurt, ein neues Logo gegeben hat. Dieses fand gar nicht Baades Zustimmung - was er deftig-ironisch kundtat.

Hassobjekt

Die Folge: Anwälte des Unternehmens, die Kanzlei Horn Kollegen aus Neckarsulm, schickte Baade eine Unterlassungserklärung und eine Kostennote über 1085 Euro. Baade handelte 400 Euro aus, unterschrieb und löschte den Eintrag. Im August aber tauchen die bösen Zeilen über die tschechische Nachrichten-Maschine Newstin wieder im Netz auf - sie waren von ihm aus Baades Blog kopiert worden. Als die Anwälte daraufhin vom vermeintlichen Wiederholungstäter 5100 Euro fordern, wendet der sich hilfesuchend an die Gemeinschaft der Blogger.

Die greifen den Streit gerne auf. In nur zwei Tagen schafft es Jako so vom vor allem im Teamsportbereich bekannten Ausrüster zum Hassobjekt der Internet-Community. Suchmaschinen hieven die Diskussion auf die erste Seite der Suchergebnisse, auch das Online-Lexikon Wikipedia erhält einen Eintrag. Onlineausgaben der überregionalen Magazine greifen den Streit auf. Der Druck wird übermächtig. Tags darauf folgt schließlich die Presseerklärung aus Hollenbach.

Als Gang nach Canossa möchte Unternehmenssprecher Tobias Röschl das aber nicht verstanden wissen. „Wir haben uns rechtlich nichts vorzuwerfen“, betont er. „Wir meinen auch nicht, dass wir uns falsch verhalten haben.“ Die Diskussion in der Blogosphäre habe sich aber wieder beruhigt, mit der Resonanz sei Jako halbwegs zufrieden.

Beigelegt

Für das Unternehmen sei die Angelegenheit nun zwar beigelegt. Aber wie weit die Freiheit der Meinungsäußerung im Internet geht, bleibe offen. Rückblickend sagt Röschl: „Wir würden uns sicher nicht mehr so verhalten, sondern von vorneherein das Gespräch suchen, um eine gütliche Lösung zu finden.“

Jako

Das Hollenbacher Unternehmen wurde vor 20 Jahren von Rudi Sprügel gegründet. Der Name weist auf seine geographische Lage hin – an Jagst und Kocher. Jako hat seinen Umsatz im abgelaufenen Jahr um zehn Prozent auf 63,8 Millionen Euro gesteigert. 2008 wurden unter anderem 1,5 Millionen Trikots, eine Million Trainingsanzüge und eine halbe Million Bälle verkauft. Jako stattet Mannschaften wie Eintracht Frankfurt, Greuther Fürth und Dynamo Dresden aus. In Hollenbach arbeiten etwa 160 Beschäftigte.


Das alte Logo: Die symbolischen Flüsse Jagst und Kocher sind rechts.



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Das neue Logo: Blau soll für Frische stehen, die Flüsse sind in einem Kreis links.