Reinhold Würth: Ein Leben zwischen Jetset und Hausmannskost

Künzelsau - Unternehmer, Kunstsammler und Hohenloher: Reinhold Würth feiert heute seinen 75. Geburtstag.

Von Manfred Stockburger
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Künzelsau - Linsen und Spätzle. Damit kann man auch einen Mann glücklich machen, der sich auf dieser Welt kaufen kann, was käuflich ist. "Gaisburger Marsch war auch noch im Gespräch", sagt Reinhold Würth und lacht. Was bodenständige Hausmannskost dem Mehrfachmilliardär bedeutet, weiß auch die Köchin: Als Würth vergangene Woche nach drei Monaten Weltreise mit seinem "Bootle" zurück ins heimische Hohenlohe kam, hat sie Linsen und Spätzle serviert.

Trotz aller scheinbarer Widersprüche passt das perfekt zu dem Mann, der heute vor 75 Jahren in Öhringen geboren wurde. Sein Vater Adolf Würth leitete damals die dortige Filiale des Schraubenhändlers Reisser. Heute ist in dem Gebäude das Café am Markt, und Reisser ist längst eine Tochterfirma des Weltkonzerns, der zum Ehrentag des Chefs sein Logo aufgefrischt hat und jetzt ganz international als Würth Group firmiert: Der Kreis schließt sich.

Personalnummer 00001

Und auch mehr als 60 Jahre, nachdem er als Stift bei seinem Vater den Grundstein für eine unvergleichliche Karriere legte, dreht sich in der Würth-Welt fast alles um ihn. Der Stiftungsaufsichtsratsvorsitzende hat in allen wichtigen Angelegenheiten ein Vetorecht − wenngleich er es noch nie gebraucht hat. "Wir besprechen das immer vorher", erklärt der Mann mit der Personalnummer 00001 auf dem Firmenausweis.

Sein Krisenpessimismus aus dem vergangenen Jahr ist verflogen. Fast beiläufig erzählt er, wie seine Spezialisten für Übernahmen zurzeit viel Arbeit haben. "Wir müssen sehen, dass wir unsere Liquidität von 600 Millionen Euro vernünftig einsetzen. Zinsen gibt es zurzeit schließlich fast keine." Wie immer treibt er sein Management an. "Ich sag" zu meinen Leuten manchmal, Ihr seid mir schöne provinzielle Helden, weil sie sich zu sehr an Deutschland orientieren. Die Welt ist größer."

Trotz aller Milliarden, Museen und der geliebten Firmenjets ist Würth immer auch der Bub geblieben, der die letzten Kriegstage durchlitten hat, die Zerstörung und den Wiederaufbau. Bei seinem alten Opel hat er auf den ersten Dienstreisen den Motor abgeschaltet, wenn"s bergab ging, um Benzin zu sparen. "Meinen Enkeln ist es schwer verständlich zu machen, dass es nicht immer so war, dass Geld einfach da ist", sagt der Großvater, der 1954 nach dem frühen Tod seines Vaters die Geschicke der noch kleinen Firma lenken musste. Viele Andere hätten aufgegeben.

Gleichwohl sind Luxus und Extravaganz dem Kunstsammler natürlich nicht fremd. Und durchaus angenehm. Zum Beispiel wenn seine Yacht mitten im Atlantik Halt macht und er dort ein Bad nehmen kann. Dort, wo das Wasser unter ihm 5200 Meter tief ist. Und wenn"s die Firma zum Geburtstag heute Abend in Künzelsau krachen lässt, dann wird das Feuerwerk auch nicht von schlechten Eltern sein.

Steuern

Von außen lastet auf Würth seit der Steuer-Geschichte, die ihm einen Eintrag ins Vorstrafenregister eingebracht hat, ein gewaltiger Druck, und das Nervenkostüm liegt angesichts der jüngsten Schlagzeilen um sein Verdienstkreuz ein wenig blank. "Keinen Kommentar" gibt er zu diesem Thema ab. Dennoch präsentiert sich die Familie zum Geburtstag ausgesprochen harmonisch. Auch beim Thema Schweiz, in die der Sitz des Auslandskonzerns verlegt wurde, bleibt er ruhig: "Zürich ist unser wichtigster Finanzplatz."

Fragen zu seiner Doppelstaatsangehörigkeit bringen ihn ebenfalls nicht aus der Fassung. "Meinen österreichischen Pass habe ich noch gar nicht abgeholt. Das muss ich mal machen." An Salzburg schätzt er den Freundeskreis. "Es ist ganz normal, wenn ich in meinem letzten Lebensabschnitt dort einen Teil meiner Zeit verbringe." Aber natürlich geht es dem Hohenloher Schlitzohr auch immer darum, verschiedene Optionen offenzuhalten. "Als Pilot lernt man, dass man nicht in einen Sack hineinfliegt. Man muss immer genügend Sprit an Bord haben, um den nächsten Flughafen anzufliegen, wenn Nebel ist. Oder besser für den übernächsten."

Erst letzte Woche hat er das wieder erlebt, als seine Maschine am Donnerstagabend wegen der Aschewolke nicht fliegen durfte. Die Natur macht keinen Unterschied zwischen Touristenklasse und Privatjet. "Da sind wir mit dem Auto heimgefahren. Meine Frau hat gesagt, das ist wieder ganz wie früher", erzählt er. Wie in der Firma und wie im Cockpit hat er darauf bestanden, die erste Strecke selbst zu fahren.

Heute ist er aber Gast bei seiner eigenen Party. Das Drehbuch kennt er nicht. Linsen und Spätzle werden aber kaum auf dem Menü stehen. 

Hintergrund: Feuerwerk der Extraklasse

Ein außergewöhnlich großes Feuerwerk gibt es zum 75. Geburtstag von Reinhold Würth am heutigen Dienstag zwischen 23 und 23.30 Uhr hinter dem Festgelände der Firma Würth in Gaisbach. Der Niedernhaller Feuerwerker Michael Unger hat mit zwölf Mitarbeitern seiner Firma Paint The Sky sowie des Partnerunternehmens Elements mehr als 1500 Zündungen vorbereitet. Die Raketen sollen bis zu 250 Meter hoch fliegen.

"Wir werden der Bevölkerung auch die Möglichkeit einräumen, das Feuerwerk zu sehen", sagt Pressesprecherin Sarah Rummel. Zuschauer sollten sich dem Veranstaltungsort zu Fuß nähern, denn die Parkplätze werden während des Festaktes abgesperrt. Die Stadt Künzelsau wird zudem die Straße um das Gelände während des Feuerwerks für Autos sperren. mas


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