Handelskonzern Würth will im Onlinegeschäft Gas geben

Schwäbisch Hall/Künzelsau  Der Handelskonzern Würth will sein Onlinegeschäft ausbauen und so gegenüber Internetkonkurrenten wettbewerbsfähig bleiben.

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Der Handelskonzern Würth startet stark ins neue Jahr - vor allem dank des schwachen Euro. Investitionen in das Onlinegeschäft sollen den Konzern fit für die Zukunft machen. Doch die Konkurrenz ist groß.

 „Es ist ein Handelskrieg“, sagte das Mitglied der Konzernführung der Würth-Gruppe, Bernd Herrmann, am Donnerstag in Schwäbisch Hall. Das Onlinegeschäft sei mit digitalen Wettbewerbern wie Amazon und Alibaba sowie Start-Ups ein Wettlauf gegen die Zeit. In einem Zeitraum von sechs Jahren wolle Würth 200 Millionen Euro in den IT-Bereich investieren, davon mindestens 50 Millionen in E-Commerce. Der Konzern handelt vor allem mit Montage-und Befestigungsmaterial für Handwerk und Industrie.

Der Konzern wolle den Anteil des E-Commerce am Gesamtgeschäft in den nächsten zehn Jahren auf 20 bis 30 Prozent steigern, so Herrmann. Derzeit liege er bei rund 10 Prozent. Würth setze besonders auf die Verzahnung zwischen dem digitalen und analogen Geschäft, sagte der Sprecher der Konzernführung, Robert Friedmann.

Betriebsergebnis von 540 Millionen Euro

Der Handelskonzern erwartet laut Friedmann im laufenden Geschäftsjahr ein Umsatzplus von rund 5 Prozent und will ein Betriebsergebnis von etwa 540 Millionen Euro erwirtschaften. „Dabei setzen wir neben organischem Wachstum verstärkt auf Zukäufe.“ Der Konzern plane in diesem Jahr rund 500 Millionen Euro zu investieren, vor allem in Zukäufe im Elektrogroßhandel und Elektronik. Zu Jahresbeginn verbuchte die Würth-Gruppe demnach vor allem dank des schwachen Euros ein Umsatzplus von 8 Prozent.

Im vergangenen Jahr stiegen die Erlöse demnach um 3,9 Prozent auf 10,13 Milliarden Euro. Währungseffekte herausgerechnet lag das Plus bei 4,8 Prozent. Der Konzern verbuchte ein Betriebsergebnis vor Steuern von 515 Millionen Euro, rund 15,7 Prozent mehr als im Vorjahr. Vor allem das Geschäft in Nordamerika entwickelte sich nach Angaben von Friedmann positiv: Dort lag das kursbereinigte Umsatzwachstum bei 8,6 Prozent. Das Geschäft in den USA, Kanada und Mexiko mache rund 10 Prozent des Gesamtumsatzes aus.

 
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Mit Reinhold Würth, der am 20. April seinen 80. Geburtstag feierte, machte unser Redakteur Manfred Stockburger im Hohenloher Kupfertal einen Spaziergang. Hier nochmals seine Geschichte: 

Hinter die Zahlen geblickt

"Jedes Wegle", sagt Reinhold Würth, kennt er hier. Jeden Baum und jeden Stein, möchte man hinzufügen. Die Natur ist am Erwachen, Anemonen und Veilchen blühen im Wald, es duftet nach Bärlauch. So, wie immer zu seinem Geburtstag: Am Montag wird Würth 80. Beim zwanglosen Frühlingsspaziergang sinniert der Unternehmer, philosophiert. Und erzählt - immer darauf bedacht, dass er nicht zu viel preisgibt. Das gelbe Wanderjäckle, das er trägt, hat seine Mutter Alma gestrickt - vor 30 Jahren. "Und unsere Leute haben es geschafft, dass es in all der Zeit nicht verfilzt ist."

Unterhaltsame Rast am Ufer der Kupfer bei Niedernhall. Dort wandert Reinhold Würth seit Jahrzehnten gerne. Foto: Manfred Stockburger
Schon als Schulbub ist er hier gewandert - von Künzelsau aus. "Da waren schon die Jabos unterwegs", die Jagdbomber der Alliierten, weshalb die Lehrerin die Kinder am Waldrand entlang schickte. Bei einem der Klassentreffen seien sie auch schon hier gewandert - "da haben wir mitten im Wald dann ein Überraschungsbuffet aufgefahren", erzählt er stolz. Würth weiß auch als Verkäufer in eigener Sache, wie man Eindruck hinterlässt. "Heute sind die Wanderungen nur noch kleine Spaziergänge", sagt er. Man wird halt nicht jünger.

Für seine fast 80 Jahre legt Würth aber ein beachtliches Tempo vor bei der Runde durch den Wald. Und natürlich wählt er die Route runter ins Tal zum Schwarzen Steg, den er zusammen mit dem Fürst von Hohenlohe als Waldbesitzer und der Stadt Niedernhall vor einigen Jahren neu bauen ließ. "Sonst wäre das nicht so schnell gegangen", sagt er. Tempo hat immer eine wichtige Rolle gespielt in seinem Leben.

Die weite Welt

Jetzt sitzt er an der Kupfer, das Wasser plätschert ruhig durch den Wald. "Im Lauf der Erdgeschichte ist jeder Wassertropfen schon überall gewesen", sagt er. Und Reinhold Würth? Natürlich nicht. "Dazu reicht ein Menschenleben nicht aus", sagt er. Obwohl er natürlich sehr viel von der Welt gesehen hat. "Aber ich war noch nie in der Antarktis." Auch in Afrika gibt es viele weiße Flecken auf seiner persönlichen Landkarte. Jedenfalls dann, wenn der Pilot die Tank-Zwischenstopps nicht mitrechnet. Bei der Pause am Schwarzen Steg ist das aber alles weit weg. "Da vergisst man die kleinen Händel der Welt", schwäbelt er. All die kleinen, unwesentlichen Streitereien also.

 

 

Natürlich stehen zu Hause drei Alukoffer mit Korrespondenz, die zu erledigen ist, und in der Unternehmensgruppe mit ihren 66.000 Mitarbeitern gibt es allerlei Themen. "Wir sind an einigen Akquisitionen dran", verrät der Chef. Aber Sorgen? "Das Unternehmen geht seinen Weg", sagt er. "Und wahrscheinlich haben wir schon jetzt mehr als vier Milliarden Euro Eigenkapital. Um die Zukunft braucht man sich da keine Sorgen machen." Auch nicht wegen Online und Amazon. "In unserem Bereich haben wir die überholt." Pendelbewegungen sieht er in dieser Entwicklung. "Das gleicht sich immer wieder an."

Auch das Management sei stabil, sagt er - vor zwei Jahren hatte er die Führungsstruktur kräftig durcheinandergewirbelt. Dass er den Beiratsvorsitz der Unternehmensgruppe 2006 wie aus heiterem Himmel an seine Tochter Bettina abgab, war übrigens das Ergebnis eines Spaziergangs im Herbst 2005.

Wer Würth kennt, weiß, dass er sich weiterhin einmischt oder "seinen Senf dazu gibt", wie er es gerne formuliert. Seine Briefe sind gefürchtet, erst letzte Woche hatte er wieder ein deutlich formuliertes Schreiben aufgesetzt. Nach einer Intervention seiner Frau Carmen Würth hat er es aber doch nicht abgeschickt. Auch das ist typisch, denn sie mischt sich zunehmend ein und formuliert ihre Anliegen - am Ende des Spaziergangs stößt sie dazu. Und sie frotzelt: Wie war das mit den Frauenwitzen, deren Meister er doch sei? Da kann sich Würth, sonst ein wandelndes Lexikon, plötzlich nicht mehr erinnern.

Aber dann wird er ganz hellhörig. "Das müssen Sie mir erklären", fragt er nochmal nach. Wie man Millionär werden kann, wenn man Eier für zehn Cent je Stück einkauft und für acht Cent wieder verkauft? Wenn man vorher Milliardär war, klärt ihn der Besucher auf. Da lacht Würth herzlich, der Schraubenkönig, der nicht nur jeden Weg rund um seine Residenz in Hermersberg kennt, sondern auch jeden Trick, wie man Schrauben möglichst gewinnbringend verkauft.

Als schließlich die Rede auf mögliche Baupläne in der Region kommt, findet er den Vorschlag seiner Frau grandios: "Schreiben Sie einfach, dass die Leute mehr Schrauben kaufen sollen."

Gäste

Den ganzen Trubel um seinen Geburtstag spielt er herunter. "Ich weiß nicht genau, was da geplant ist", meint er vieldeutig. "Ich hab" da nur einen Termin im Kalender stehen." Viel lieber erzählt der Patriarch von seinem 40. Geburtstag, als einige Gäste, die morgens nur schnell zum Gratulieren kommen wollten, über Nacht geblieben sind. Und wie er sie nassgemacht hat, weil er mit dem Boot auf seinem See durch die Fontäne gerudert ist.

Wer am Montag die Ehrengäste sind? "Ich hab gehört, dass der Steinmeier kommt", sagt Reinhold Würth. Und der Oettinger. Viel wichtiger aber ist die Frau von der Flugsicherung in Langen. "Als wir da vor einiger Zeit eine Führung machten, saß sie da und hat gestrickt", erklärt der Hobby-Pilot mit Verkehrsfluglizenz. Inmitten aller Hightech-Apparate. Er hat sie prompt darauf angesprochen, sie hat ihm einen Pulli gestrickt und so ist eine Freundschaft zwischen den Familien entstanden.

 

Zur Person

Reinhold Würth wurde am 20. April 1935 in Öhringen geboren. Sein Vater Adolf Würth gründete 1945 eine Großhandelsfirma für Schrauben und Muttern, die heutige Adolf Würth GmbH & Co. KG. Nach dem frühen Tod des Vaters übernahm Reinhold Würth 1954 die Leitung des Unternehmens und baute es zu einem Weltkonzern mit mehr als zehn Milliarden Euro Umsatz und 66.000 Mitarbeitern aus.

Ein zentrales Element des Erfolgs ist der Direktvertrieb von Montage- und Befestigungsmaterial an Handwerker, die Gruppe ist heute aber auch in anderen Feldern aktiv. Einen verlustreichen Ausflug in die Solarbranche hat Würth aber beendet.

Die Steueraffäre befleckte 2008 sein Image, das er unter anderem durch seine Kunstsammlung und seine frei zugänglichen Museen aufpoliert hatte. Würth ist begeisterter Pilot, bis Februar hatte er die Lizenz, selbst Linienflugzeuge zu fliegen. Er ist verheiratet mit Carmen Würth, die beiden haben drei Kinder. Tochter Bettina ist Beiratsvorsitzende der Unternehmensgruppe. mfd


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