Europäer mit festen Wurzeln in Hohenlohe

Künzelsau  Reinhold Würth feiert am 20. April seinen 80. Geburtstag. Mit den Vorbereitungen zur Feier hat sich der Unternehmer bislang kaum beschäftigt.

Von unserem Redakteur Thomas Zimmermann

Bald 80-jährig: Reinhold Würth. Foto: Daniel Köhler/Würth

"Noch ein paar Jährchen so gesund und fit weitermachen“, das ist sein größter Wunsch. Ansonsten hat sich Reinhold Würth mit seinem 80. Geburtstag am 20. April „noch kaum beschäftigt“, sagt er. „Von der Feier weiß ich eigentlich nur ein paar Eckpunkte“, so der Vorzeigeunternehmer lächelnd.

Der Unternehmer, der aus einem Zwei-Mann-Betrieb ein Weltunternehmen mit 66.000 Mitarbeitern gemacht hat, beschäftigt sich lieber mit der ferneren Zukunft. „Ich möchte versuchen, das Unternehmen in einem super Zustand zu hinterlassen“, betont er. Daran arbeitet Reinhold Würth täglich mindestens drei bis vier Stunden. Auch an Sonn- und Feiertagen und selbst in seinem Karibikurlaub, aus dem er kürzlich braungebrannt zurückgekehrt ist. „Während des Rückflugs habe ich elf Stunden lang Briefe diktiert. Meine Manager haben daraufhin gefragt, wann macht er denn wieder Urlaub“, erzählt der noch 79-Jährige augenzwinkernd.

Alles dreht sich um die Firma

Denn obwohl sich Reinhold Würth 1994 offiziell aus dem operativen Geschäft zurückgezogen hat, dreht sich nach wie vor alles um die Firma. „Wenn sie ein Unternehmen haben wachsen sehen wie ein Kind, sind sie immer in Sorge. Aber ich habe keinen Grund zu klagen“, sagt er. Dafür sorgen seine Manager und Führungskräfte in der Konzernzentrale in Künzelsau und an den Standorten in aller Welt. „Die richtigen Leute, zur richtigen Zeit an den richtigen Ort bekommen zu haben“, sieht Würth als eine seiner wichtigsten Erfolge an. Doch auch seine Fähigkeiten als unermüdlicher Antreiber und Motor des Unternehmens sind unbestritten: „Wenn ich nicht dagewesen wäre, wäre das Ding wohl auch nicht so groß geworden“, sagt er selbst.

Dabei ist Reinhold Würth im Alter milder geworden und er hört vielleicht noch ein wenig mehr auf seine Frau Carmen. „Gerade heute morgen hat sie mich überredet, einen Brief nicht wegzuschicken, den ich gestern Abend noch diktiert hatte“, sagt er vielsagend lächelnd. Dankbar ist er seiner Frau auch, dass sie ihn davon abgehalten hat, fest nach Salzburg in seine zweite Heimat zu ziehen. Damals wollte Würth Deutschland nach seinem Steuerprozess, bei dem er sich bis heute ungerecht behandelt fühlt, verlassen. „Ich hatte nie einen Cent Schwarzgeld, aber ich war anwaltlich miserabelst beraten. Heute würde ich den Prozess führen und gewinnen“, ist er sich sicher. 

Heimat Hohenlohe

"Ich bin froh, dass wir hier geblieben sind“, so Reinhold Würth im Rückblick. Denn so gern der „überzeugte Europäer“ auch in der Welt unterwegs ist, so gerne kehrt er auch wieder zurück auf Schloss Hermersberg bei Niedernhall, wo er seit 1974 wohnt: „Meine Heimat ist Hohenlohe und es ist immer wieder ein gutes Gefühl, zurückzukommen.“ Vor allem die Hohenloher Landschaft hat es dem Unternehmer angetan. Deshalb freut er sich auch, dass er bald wieder in seinem See schwimmen und ausgiebige Spaziergänge auf den Wegen rund ums Schloss machen kann. Sein Unternehmen wird er deshalb auch in Zukunft nicht aus dem Blick verlieren. „Ich bin froh, dass es so ist wie es“, sagt Reinhold Würth. So kann es auch mit 80 bleiben.

 

Wichtige Stationen seines Lebens

1935: Geburt am 20. April in Öhringen.

1945: Vater Adolf Würth gründet in Künzelsau eine Großhandelsfirma für Schrauben.

1954: Nach dem Tod seines Vaters übernimmt er die Geschäftsleitung.

1962: Würth gründet in den Niederlanden die erste Auslandstochter.

1960er: Erste Aktivitäten als Kunstsammler.

1994: Zum 1. Januar scheidet er aus der operativen Geschäftsführung aus und übernimmt den Beiratsvorsitz.

2006: Würth übergibt den Beiratsvorsitz an seine Tochter Bettina.

2014: 65-jähriges Arbeitsjubiläum.