Ende einer Ära: Mustang wird verkauft

Künzelsau - Paukenschlag in Künzelsau: Finanzinvestoren bestimmen künftig die Geschicke der Künzelsauer Mustang-Gruppe: Die Gründerfamilie Sefranek gibt die Mehrheit an ihrem Traditionsunternehmen ab. Neuer Haupteigentümer ist eine deutsche Investorengruppe.

Von Manfred Stockburger


Heiner Sefranek
Künzelsau - Paukenschlag in Künzelsau: Die Gründerfamilie Sefranek gibt die Mehrheit an der Traditionsfirma Mustang ab. Über die Geschicke des Jeansherstellers bestimmen künftig Finanzinvestoren, die von der Frankfurter Firma A-Capital beraten werden. Heiner Sefranek bleibt zunächst Geschäftsführer, wird im kommenden Jahr aber voraussichtlich den Vorsitz eines neuen Beirats übernehmen, der der künftigen Geschäftsführung zur Seite stehen soll.

Nachfolge

„Der Standort Künzelsau wird dadurch gestärkt“, betont der bisherige Inhaber Sefranek, der einige Anteile behalten wird, über den Verkauf aber zugleich die Nachfolge regeln wollte. Im Frühjahr hatte er sich von Theo Birkemeyer getrennt, der das Unternehmen als familienfremder Geschäftsführer in die Zukunft hatte führen sollen. Unter anderem, weil er große Teile des Unternehmens nach Frankfurt verlagern wollte. Knapp 200 Mitarbeiter sind derzeit in Künzelsau bei Mustang noch beschäftigt.

Wieder stärker in den Mittelpunkt des Geschehens soll das klassische Fachhandelsgeschäft rücken, wie Sefranek erklärt. „Das Wholesale-Geschäft ist zuletzt etwas vernachlässigt worden. Wir werden den eigenen Einzelhandel zunächst nicht weiter ausweiten, sondern optimieren.“ Das am Endkunden orientierte vertikale Denken soll aber beibehalten werden. In den vergangenen Jahren hatten die Hohenloher 80 eigene Geschäfte eröffnet – in Deutschland, aber auch in Russland, Indien und China.

„Die gewaltige Expansion hat sehr viel Liquidität gebunden“, sagt Sefranek. Über den Einstieg des Finanzinvestors werde die Eigenkapitalbasis gestärkt. „Nicht nur an die Familie, sondern vor allem ins Unternehmen ist das Geld geflossen“, sagt Sefranek. Er habe die Gelegenheit genutzt, das Unternehmen finanziell auf solide Beine zu stellen. „Es ist immer gut, wenn man in wirtschaftlich schwierigeren Zeiten gut aufgestellt ist.“

Und wer sind die Neuen? Namen nennt Sefranek noch keine. Die Geldgeber seien sehr erfahren und zum Teil auch mit der Branche verbunden. Beraten werden sie von der Frankfurter Private-Equity-Gesellschaft A-Capital. „Wir sehen die starke Marke Mustang als Basis für eine solide Entwicklung über die nächsten Jahre“, sagt deren Partner Thomas Schlytter-Henrichsen. Sein Kollege Harald Rönn betont: „Wir verfügen über umfangreiches Know-how im Textilbereich, das wir gemeinsam mit der Gründerfamilie einsetzen werden, um die Gruppe weiter voranzubringen.“

Erfahrung

Als eigenständige Firma ist A-Capital zwar relativ neu, bis ins Frühjahr war sie Teil der französischen Beratungsfirma Groupe Alpha. Unter dieser Flagge hatten Schlytter-Henrichsen und Rönn unter anderem das Modeunternehmen Tom Tailor aufgekauft und später an die Börse gebracht – in den vergangenen Jahren haben die Partner mehr als 100 Firmen erworben. „Ich bleibe Mustang als Gesellschafter erhalten und bin sehr zufrieden, dass wir mit Hilfe unserer neuen Kapitalpartner aus einer Position der Stärke die Herausforderungen der gesamtwirtschaftlichen Lage angehen können“, sagt Heiner Sefranek.

Mustang-Gruppe

Als erster europäischer Jeanshersteller ist Mustang eines der traditionsreichsten Textilunternehmen in Deutschland. Gegründet 1932 von Luise Hermann als Fabrik für Berufsbekleidung, wurden bereits 1948 die ersten Jeans produziert. Seit Ende der 1990er Jahre hat sich das Unternehmen in einem schmerzhaften Umbauprozess Zug um Zug aus der Produktion verabschiedet und konzentriert sich nun auf die Vermarktung von Mode, verstärkt in eigenen Geschäften. Im laufenden Jahr erwartet die Gruppe einen Markenumsatz von 127 Millionen Euro.