Der Würth, die Krise und das Boot

Heilbronn/Künzelsau - Der Hohenloher Unternehmer Reinhold Würth blickt pessimistisch in die Zukunft. Bei der Ringvorlesung in der Hochschule Heilbronn erklärte er, dass man vielleicht in vier oder fünf Jahren wieder Konzernumsätze wie 2008 erzielen könne. „Wir sind in der größten Krise der Neuzeit. Wir haben eine ganz harte Zeit vor uns“, sagte er. „Ich hoffe nicht, dass wir bürgerkriegsähnliche Unruhen bekommen. Aber die Situation ist ernst.“

Von Manfred Stockburger
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Die Effizienz der Privatwirtschaft sei so enorm groß, sagt Reinhold Würth, dass er keine Zweifel an der Zukunft der sozialen Marktwirtschaft habe. Foto: Dittmar Dirks


Heilbronn/Künzelsau - „Ich kann's jetzt auch nicht versenken“, sagt Reinhold Würth über sein neues Boot. „Es ist nun einmal da.“ Der Hohenloher Unternehmer hat bei seiner Vorlesung in der Aula der Heilbronner Hochschule schnell die Lacher auf seiner Seite. „Der Würth ist nicht einer, der andere schaffen lässt und sich auf dem Boot ein schlaues Leben macht“, sagt er. Und: „Wer so viel gearbeitet hat wie ich, dem gönne ich auch so ein Boot. Ich habe null schlechtes Gewissen.“ Er verbucht die Yacht als Investition: „Andere Leute investieren in Häuser.“

Schließlich sei die Krise nicht absehbar gewesen, als er die Medienberichten zufolge 100 Millionen Dollar teure „Vibrant Curiosity“ vor rund drei Jahren geordert habe. Dass manche Medien den Stapellauf in einen Zusammenhang mit der Einführung von Kurzarbeit gestellt haben, ärgert ihn - zumal die Feier schon „sechs bis acht Wochen“ her gewesen sei, als das Thema Kurzarbeit bei der Adolf Würth KG auf den Tisch kam.

Nicht nur zeitlich, auch inhaltlich, sieht er keinen Zusammenhang: „Wir haben zurzeit 270 Millionen Euro Liquidität auf der Bank. Wenn da 100 Millionen mehr dalägen, würde das an der Entscheidung, dass wir Kurzarbeit machen müssen, gar nichts ändern.“ Es gehe vielmehr darum, den Konzern in den schwarzen Zahlen zu halten. „Das haben wir bisher auch geschafft.“

Pessimistisch

Gleichwohl blickt der Chef von über 60.000 Mitarbeitern am Dienstagabend, einen Tag nach seinem 74. Geburtstag, sehr pessimistisch in die Zukunft: „Wir können froh sein, wenn wir den Umsatz von 2008 in vier bis fünf Jahren wieder erreichen“, gibt der Professor bei der Ringvorlesung einen Einblick in die Gemütslage seines Künzelsauer Handelskonzerns.

Personalabbau?

Frühestens im zweiten Halbjahr 2011 rechnet er mit einer Erholung. „Wir haben eine ganz harte Zeit vor uns.“ Vor allem besorgt ihn, wie der Welthandel eingebrochen ist. „Das ist ein echter Schocker.“ Einen Personalabbau schließt er in manchen Konzernfirmen nicht aus. Würth betont zugleich, dass es keinen Unternehmer gebe, dem es Spaß mache, seine Mitarbeiter zu entlassen.

Aber jede Krise, sagt der Hohenloher, hat ein Ende. Auch die aktuelle, die für ihn „die größte Krise der Neuzeit“ ist. „Danach wird die Welt aber anders aussehen: Viele Betriebe werden nicht überleben.“ Dass sein Lebenswerk unter die Räder kommt, befürchtet der Stiftungsaufsichtsratsvorsitzende indes nicht: „Ich gehe davon aus, dass wir eines der letzten Unternehmen wären, die umfallen würden, wenn das ganze System zusammenbrechen würde.“

Mit allen Mitteln müsse die Gesellschaft dafür kämpfen, dass es nicht zur wirtschaftlichen „Kernschmelze“ kommt: „Wir müssen Zeit kaufen.“ Obgleich das bedeute, dass noch die Enkel seiner studentischen Zuhörer daran zurückzahlen würden. Allen Wahlversprechungen zum Trotz, sagt der FDP-Freund Würth: „Das System braucht Steuererhöhungen und Inflation.“


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