Berner gibt sich einen neuen Anstrich

Künzelsau - Handelsunternehmen ist jetzt eine Aktiengesellschaft, plant aber keinen Börsengang

Von Manfred Stockburger

Berner gibt sich einen neuen Anstrich
Grund für gute Laune: Die Künzelsauer Firma Berner ist jetzt eine Aktiengesellschaft. Mit der neuen Form will sich der Direktvertreiber aus dem Hohenlohischen fit für die Zukunft machen.Foto: Berner

Künzelsau - Auf den ersten Blick ändert sich beim Künzelsauer Direktvertreiber Berner alles: Sogar eine neue Handelsregisternummer hat die Holding-Gesellschaft der Garnberger erhalten, weil sie jetzt als Aktiengesellschaft firmiert. Statt Gesellschaftern gibt es jetzt Aktionäre, statt Geschäftsführern Vorstandsmitglieder.

Und doch bleibt vieles gleich: die Eigentümerstruktur, selbst einen Aufsichtsrat gab es schon bisher - selbst die Besetzung des Gremiums bleibt. Und ein Börsengang, der durch den Formwechsel möglich würde, wird ebenfalls keineswegs angestrebt. "Definitv nicht", betont Jörn Werner, der jetzt ganz offiziell Vorstandsvorsitzender heißt und wie seine Kollegen Ulrich Lindner (Vertrieb) und Lothar Aulich (Finanzen) weiter im Amt bleibt.

Bleibt also alles beim Alten? Nein. Mit der Umwandlung wird zwar vieles nur juristisch nachvollzogen, was die von Albert Berner im Jahr 1957 gegründete Firma schon seit einem Jahrzehnt lebt. Gleichzeitig stellt das Unternehmen mit dem neuen Mantel die Weichen für die Zukunft: Er ist maßgeschneidert auf die Bedürfnisse der Hohenloher. Und: Im Ausland war die Rechtsform der GmbH gelegentlich erklärungsbedürftig. Auch diese Fragen gibt es jetzt nicht mehr.

Zukunft

Zentrale Elemente der Neuregelung sind aber, dass im Zuge der Umfirmierung Vorsorge für den Übergang auf die nächste Generation getroffen wurde - basierend auf der im vergangenen Jahr verabschiedeten Erbschaftssteuerreform. Gleichzeitig hat die Familie festgeschrieben, wie das Unternehmen auch in Zukunft gemanagt werden soll: In einer Aktiengesellschaft treiben die Vorstände das Geschäft voran. Sie berichten an den Aufsichtsrat und einmal im Jahr an die Hauptversammlung. Im Gegensatz zur deutschen Tochtergesellschaft Berner Deutschland, bei der ein Vertreter der Arbeitnehmer im Aufsichtsrat sitzt, sind die Eigentümer im Aufsichtsrat unter sich: Erst wenn die Gruppe in Deutschland 2000 Mitarbeiter hat, greift auch dort die Mitbestimmung.

Das Tagesgeschäft bei Berner ist nach wie vor von der Krise geprägt. Jörn Werner rechnet damit, dass der Umsatz im laufenden Geschäftsjahr (31. März) um fünf Prozent zurückgehen wird. Das Ergebnis werde sich voraussichtlich um 20 Prozent verringern. "Von unseren Renditezielen sind wir damit weit entfernt", sagt Werner. "Aber wie verdienen Geld. Das ist die gute Nachricht."

Regionale Unterschiede

Im Ergebnis wirke sich auch aus, dass Albert Berner ganz bewusst auf Massenentlassungen und Kurzarbeit verzichtet habe, betont der Vorstandschef. Die Geschäftsentwicklung sei aber regional sehr unterschiedlich: Während Zentraleuropa relativ stabil läuft, sieht es auch bei Berner in Spanien, Dänemark und in den baltischen Staaten nicht so gut aus. Im neuen Jahr soll das Unternehmen wieder wachsen, betont Werner. "Unter Hauptaugenmerk gilt aber weiter der Sicherung des Ergebnisses und der Liquidität."

Werner ist aber weiterhin zurückhaltend, was die wirtschaftlichen Aussichten angeht, wenngleich er hofft, dass in Deutschland im Baubereich der Markt für Renovierungen wieder anzieht. Auf das Kfz-Handwerk, die zweite wichtige Kundengruppe der Hohenloher, sieht der Berner-Vorstandschef schwere Zeiten zukommen. Im Ausland beobachte er mit viel Spannung die Entwicklung in Osteuropa. "Einen Nachholbedarf gibt es dort weiterhin. Aber die Frage ist, wann sich diese Länder wieder berappeln", sagt Werner.