3,5 Millionen Euro Strafe für Würth

Jetzt ist die Akte geschlossen. Reinhold Würth hat in der Steueraffäre einen Strafbefehl über 700 Tagessätze akzeptiert. Das entspricht einer Geldstrafe von 3,5 Millionen Euro, setzt man voraus, dass der Künzelsauer Milliardär über mindestens 1,8 Millionen Euro Netto-Einkommen verfügt. Der Strafbefehl wurde vom Amtsgericht Heilbronn erlassen. Der Hohenloher Schraubenkönig ist damit – wie zwei weitere ehemalige Würth-Topmanager – vorbestraft

Von Manfred Stockburger


- An Reinhold Würths 70. Geburtstag war die Welt in Künzelsau noch in Ordnung. Zum großen Fest kam 2005 auch der damalige Bundeskanzler Schröder. Foto: Archiv/Veigel -

Künzelsau - Jetzt ist die Akte geschlossen, die durch die spektakuläre Durchsuchungsaktion der Heilbronner Steuerfahndung am 14. September 2006 eröffnet wurde: Das Rollkommando des Fiskus rückte just zu dem Zeitpunkt an, als die Spitze des Würthkonzerns in Berlin im Beisein des chinesischen Ministerpräsidenten eine Großinvestition im Reich der Mitte unterzeichnete. Am 19. März 2007 durchsuchten Finanzbeamte erneut den Firmensitz in Künzelsau und verschiedene Privatwohnungen.

Per Strafbefehl servierte der Staat dem Hohenloher Schraubenkönig jetzt die Rechnung: 700 Tagessätze jeweils für ihn und einen ehemaligen Topmanager, 600 Tagessätze für einen weiteren ehemaligen Würth-Finanzmann. Alle drei sind damit vorbestraft – eine „graue Weste“ ohne Eintrag ins Bundeszentralregister behält nur, wer eine Geldstrafe von maximal 90 Tagessätzen bezahlen muss.

„Komplexe Fragen“

Wofür aber müssen Würth und seine Firma büßen? Es geht im Wesentlichen um die Modalitäten, mit denen Kosten im Konzern verrechnet wurden. Reinhold Würth selbst spricht von „offensichtlich strittigen und komplexen Fragen“. Wer etwa muss für die Gehälter von Topmanagern aufkommen, die in der Welt unterwegs sind? Die deutsche Konzernmutter oder die Auslandstochter, die von den teuren Spitzenleuten beraten werden? Oder: Wie werden Dienstleistungen verrechnet, die von der Konzernzentrale zugunsten ausländischer Tochterfirmen erbracht wurden? Weil Würth die Kosten in der deutschen Muttergesellschaft gebucht hat, sind ihre Gewinne geringer ausgefallen – und damit eben auch die Steuerlast der deutschen Muttergesellschaft.

All die anderen Vorwürfe, die seit dem 14. September kolportiert wurden, sind vom Tisch: Immer wieder war von privaten Flügen mit der Firmenmaschine die Rede gewesen, von Dienstwagen für die Pflegerinnen der kranken Mutter Reinhold Würths, von privaten Telefonrechnungen.

Ihren Höhepunkt erreichte die Gerüchteküche vor wenigen Wochen, als große Buchstaben auf Deutschlands Titelseiten Reinhold Würth eine 40-Millionen Strafe zugesprochen haben und ihn in einem Atemzug mit Ex-Postchef Klaus Zumwinkel nannten, der privat eine schwarze Kasse in Liechtenstein unterhalten haben soll.

Im Fall Würth macht die Staatsanwaltschaft klar, dass alle Beschuldigten „keine eigenen Vorteile“ erlangt haben. Die jetzt ergangenen Strafbefehle beziehen sich auf vier Fälle aus den Jahren 1999 bis 2001 – und zwar auf Vorgänge im Zusammenhang mit der Kostenverrechnung. Die Härte der Strafe erklärt sich damit, dass die Manager die falsche Zuordnung billigend in Kauf genommen hatten. Reinhold Würth hatte die Vorwürfe zunächst als „ein paar Nachlässigkeiten“ abgetan, die keinen Anlass für Ermittlungen böten. Das hat ihm jetzt einen Eintrag ins Vorstrafenregister eingebracht, der sicherlich schwerer wiegt als die Geldstrafe – auch wenn die zusammen mit Strafen der beiden anderen Topmanager eine Größenordnung von zehn Millionen Euro erreichen dürfte.

Zins und Zinseszins

Der Schaden, das hat die Firma zugesagt, wird einschließlich Zins und Zinseszins wiedergutgemacht. Um Kleingeld – das macht das Strafmaß deutlich – geht es dabei nicht. Wie hoch die Summe ist, darüber hüllt sich Würth in Schweigen, die Staatsanwaltschaft darf nichts sagen, weil sonst das Steuergeheimnis gebrochen würde. Nur einmal hat sich das Unternehmen in die Karten blicken lassen – bei der Bilanzpressekonferenz vor einem Jahr. Damals erklärte der Konzernchef die Differenz von etwa 25 Millionen Euro zwischen dem vorläufigen und dem tatsächlichen Betriebsergebnis mit der Risikovorsorge für das Steuerverfahren.