Spiel auf Zeit bei der Standortfrage

Sitzung des Haller Kreistags in Marktlustenau: Regionalklinik-Debatte ohne konkretes Ergebnis

Von Uwe Ralf Heer

Spiel auf Zeit bei der Standortfrage

Nur ein Standort, der von allen mitgetragen wird, ist wirtschaftlich durchführbar.

Gerhard Bauer

Wer die Debatte um den Bau einer Regionalklinik mit 712 Betten (Kosten: 200 Millionen Euro/Zuschuss vom Land 80 Prozent) verfolgt, der lernt zumindest die Region ganz genau kennen. Und weiß daher, wie wichtig die Standortfrage beim Tauziehen zwischen den drei Partnern Landkreis Hall, Hohenlohekreis und Diak ist. Schließlich tagten die Haller Kreisräte gestern im beschaulichen Marktlustenau - ein Ortsteil von Kreßberg, inmitten des Städtedreiecks Crailsheim-Dinkelsbühl-Feuchtwangen an der bayerischen Grenze gelegen.

Doch die Idylle trog. Mehr als drei Stunden wurde kontrovers debattiert - und dann die Entscheidung auf die nächste Kreistagssitzung vertagt. In der Kreßberghalle hatte Professor Richard Reschl noch einmal ausführlich sein Gutachten zur Standortanalyse vorgestellt , in dem das alte Diak-Gelände bekanntlich vorne liegt, der vom Hohenlohekreis geforderte Standort Untermünkheim-Übrigshausen hingegen Sechster und Letzter ist.

Spiel auf Zeit bei der Standortfrage

Eine Entscheidung wäre aus meiner Sicht zum jetzigen Zeitpunkt möglich.

Helmut M. Jahn

Doch wie schon vergangene Woche bei einem Treffen in Schwäbisch Hall ersichtlich wurde (die HZ berichtete), hat das Gutachten keine weitere Bedeutung mehr. Der Platz am alten Diak scheidet aus, weil er für eine Regionalklinik unbebaubar ist. Es ging daher gestern nur noch um eines: Würde der Haller Kreistag eine Standortentscheidung oder Empfehlung treffen, obwohl die Diak-Mitgliederversammlung gebeten hatte, diese zu vertagen?

Das Gutachten hat uns nicht weitergeholfen. Wir haben schon eine Menge Zeit verloren , schimpfte der Crailsheimer OB und CDU-Kreisrat Andreas Raab und ergänzte: Entweder es gibt eine Dreier-Lösung oder gar keine.

Spiel auf Zeit bei der Standortfrage
Aufbauspritze für die Regionalklinik? In Marktlustenau mussten sich die Haller Kreisräte entscheiden: ein klares Votum oder doch eine Vertagung der Entscheidung, wie dies das Diak erbeten hatte. Sie vertagten. (Foto dpa)
SPD-Fraktionssprecher Hans Zipperer hingegen verstand diese Hetze nicht . Ihm kommt selbst eine Entscheidung in der nächsten Kreistagssitzung am 15. November noch zu früh. Außerdem forderte die SPD - vergebens - ein Gutachten zur Wirtschaftlichkeit der einzelnen Standorte. Nach Ansicht des Grünen-Sprechers Hans-Joachim Feuchter hätte der Kreistag gestern bereits entscheiden können. Feuchter glaubt den Grund der Misere zu kennen: Seit dem Wechsel an der Diak-Spitze häufen sich Schwierigkeiten auf Schwierigkeiten.

Landrat Gerhard Bauer suchte nach einer diplomatischen Lösung: Eine Einbeziehung des Hohenlohekreises ist unbedingt notwendig. Wir sollten der Bitte des Diak nachkommen, uns jedoch nicht mehr viel Zeit nehmen. Nur ein Standort, der von allen mitgetragen wird, ist wirtschaftlich durchführbar.

Helmut M. Jahn, Landrat des Hohenlohekreises, hatte schon zuvor deutlich gemacht, wie sich sein Kreistag verhalten wird: Natürlich ist es fair gegenüber einem Partner, wenn man dessen Bitte nach einem Verschieben der Entscheidung akzeptiert. Sie wäre aus meiner Sicht jedoch möglich gewesen. Bei einer außerordentlichen Aufsichtsratssitzung der Hohenloher Krankenhaus GmbH soll das weitere Vorgehen besprochen werden - spätestens in vier Wochen soll definitiv Klarheit herrschen.


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