Lebenslange Haftstrafe für Prostituierten-Mörder

Landgericht verurteilt drei junge Spätaussiedler aus Öhringen - Kammer entscheidet sich für härteres Erwachsenenstrafrecht

Von Hagen Stegmüller

Lebenslange Haftstrafe für Prostituierten-Mörder
Lange Haftstrafen ausgesprochen: Die Große Jugendkammer des Heilbronner Landgerichts urteilte nach dem härteren Erwachsenenstrafrecht. (Foto: Sattar)

Die drei Russlanddeutschen im Alter von 19 bis 22 Jahren waren im Februar nach Pilsen gefahren, um dort eine Prostituierte zu verschleppen und sie an ein deutsches Bordell zu verkaufen. Nachdem sie eine 37-Jährige vom Straßenstrich ins Auto gelockt hatten, prügelten und traten sie auf ihr Opfer ein.

Später wurde die Frau auf einem Feldweg mit Wagenheber und Schraubenschlüssel gequält, brutal vergewaltigt, immer wieder getreten und misshandelt. Ein starker Tritt brach ihr das Brustbein. Zu diesem Zeitpunkt, so der Gerichtsmediziner, war die Frau bereits ihren schweren Hirnverletzungen erlegen.

Die Große Jugendkammer des Heilbronner Landgerichts verurteilte die drei Angeklagten wegen Mordes zur Verdeckung einer Straftat, schweren Menschenhandels und besonders schwerer Vergewaltigung. Von der Feststellung der besonderen Schwere der Schuld, wie sie die Staatsanwältin gefordert hatte, sah die Kammer ab. Dies sei eine „Grenzentscheidung zu Gunsten der Angeklagten“ gewesen.

Obwohl zwei der Angeklagten zur Tatzeit noch Heranwachsende waren, urteilte das Gericht in beiden Fällen nach dem härteren Erwachsenenstrafrecht. Mit dieser Entscheidung setzte sich die Kammer über einen psychiatrischen Sachverständigen hinweg. Der Gutachter hatte bei den zur Tatzeit 18 und 20 Jahre alten Angeklagten Reifedefizite festgestellt. Auch die Vertreter der Jugendgerichtshilfe hatten sich für die Anwendung des Jugendstrafrechts mit Höchststrafen von zehn Jahren Haft ausgesprochen.

Einen Reiferückstand wollte die Kammer beim heute 19-jährigen Angeklagten Alexander Zwetzich, ehemals Chef eines Öhringer Inkassobüros, nicht feststellen. „Er hat seine Lebensplanung auf die Begehung von Straftaten ausgerichtet“, sagte der Vorsitzende Richter Jörg Geiger. Der 19-Jährige sei „abgebrüht“ und könne sich gegen Erwachsene durchsetzen. Bei Geiselnahme und Misshandlung sei er „treibende Kraft“ gewesen.

Von der Möglichkeit, eine lebenslange Strafe bei einem Heranwachsenden auf zehn bis 15 Jahre zu begrenzen, machte die Kammer im Fall Zwetzichs keinen Gebrauch. Der Deutsch-Russe sei mehrfach straffällig geworden, seine Wiedereingliederung in die Gesellschaft nicht zu erwarten. Dem zur Tatzeit 20 Jahre alten Waldemar Friedrich gestand das Gericht eine Chance auf Rückkehr in die Gesellschaft zu. Statt lebenslanger Haft wurde seine Freiheitsstrafe auf 15 Jahre begrenzt. Der älteste Angeklagte Denis Miller (22), den die Kammer als „Mann fürs Grobe“ charakterisierte, erhielt lebenslänglich.


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