Ein Prinzregent dient als Namenspatron

Tukuyu in Afrika hieß früher Neu-Langenburg und in Coburg gab es mal eine Hohenlohe-Brücke

Von Matthias Stolla

Ein Prinzregent dient als Namenspatron
Kolonialvereins-Vorstand: Fürst Hermann zu Hohenlohe-Langenburg.

Von Matthias Stolla

Was verbindet Coburg in Bayern mit Tukuyu in Tansania? Hohenlohe. Die Stadt in Ostafrika hieß früher Neu-Langenburg und hatte einen Hohenlohe-Hafen. Coburg hatte eine Hohenlohe-Brücke und einen Fürsten aus Langenburg.

„Das war mein Ur-Urgroßvater“, sagt Fürst Philipp zu Hohenlohe-Langenburg. Der Vorfahr lebte zu Kaisers Zeiten im aufstrebenden Deutschen Reich. Einen Platz an der Sonne wollte sich das Kaiserreich damals sichern, ehe die herrschenden Kolonialmächte, allen voran England und Frankreich, die Welt unter sich aufteilten.

Der 1882 in Frankfurt gegründete Deutsche Kolonialverein sollte den Weg dazu bereiten. Fürst Hermann zu Hohenlohe-Langenburg, 1832 geboren, wurde sein erster Vorsitzender. Der Kolonialgedanke wurde im Reich immer populärer, was sich auch in den Mitgliederzahlen des jungen Vereins niederschlug: 1883 waren es 3260, 1914 schon 45 000.

Anfang der Neunziger Jahre des 19. Jahrhunderts schickte das Deutsche Reich den umstrittenen Kolonialoffizier und Afrikaforscher Hermann von Wissmann zu einer Expedition nach Deutsch-Ostafrika. Wissmann hatte sich zuvor einen Namen gemacht durch seine Reisen, aber auch durch sein äußerst brutales Vorgehen gegen aufständische Afrikaner.

Am 14. Juli 1892 brach Wissmann auf in Richtung Nyassa-See, dem heutigen Malawi-See an der Südgrenze Tansanias. Dort sollte er einen Dampfer bauen lassen, für den er über 300 000 Mark gesammelt hatte. Im April erreichte die Expedition den See und begann mit dem Bau des Schiffs. Wissmann gründete dafür eine Station, die er in Anlehnung an den Hohenloher Fürsten Langenburg nannte. In der Folge gab es später ein Neu- und ein Alt-Langenburg in Ostafrika. Der Hafen selbst hieß Hohenlohe-Hafen. Neu-Langenburg war unter der deutschen Kolonialherrschaft ein regionales Zentrum. Als die Engländer im Ersten Weltkrieg den Ort eroberten, änderten sie den Namen in Tukuyu. Wer aber im Internet nach Tukuyu stöbert, findet auch noch den alten deutschen Namen.

Am 13. September 1863 kam in Langenburg Ernst zu Hohenlohe-Langenburg auf die Welt. Der hinterließ zwar keine Spuren in Afrika wie sein Vater Hermann, wohl aber in Coburg. Und das ging so: Am 20. April 1896 heiratete Erbprinz Ernst die Prinzessin Alexandra von Sachsen-Coburg und Gotha im Beisein von Kaiser Wilhelm II. Als Alexandras Bruder Alfred starb, musste die Thronfolge im Haus Sachsen-Coburg und Gotha neu geregelt werden. Erster in der Reihe war Alexandras Onkel, der Herzog Arthur of Connaught and Strathern in England. Der verzichtete sowohl für sich als auch für seinen Sohn. Die Herrschaft wäre danach an Charles Edward von Albany gefallen, aber der war noch minderjährig.

Auf Anregung von Kaiser Wilhelm übernahm Ernst zu Hohenlohe-Langenburg deshalb die Regentschaft. Seinen Amtseid leistete er im August 1900 in Gotha und in Coburg. Prinzregent Ernst galt als überaus liberaler Herrscher und war beim Volk entsprechend beliebt. Im Oktober 1901 weihten die Coburger die Hohenlohe-Brücke ein.

Die Regentschaft Ernsts zu Hohenlohe-Langenburg endete 1905. Er kehrte nach Langenburg zurück, zog 1907 für Gotha in den Reichstag ein. Während des Ersten Weltkriegs war er Präsident des Roten Kreuzes und stellvertretender Botschafter in der Türkei. Am 11. Dezember 1950 starb er in Langenburg.

Die Hohenlohe-Brücke in Coburg hat ihren wohl einmaligen Namen verloren, sie heißt jetzt schlicht Bahnhofsbrücke. Einen Trost bietet die Veste Wachsenburg in Thüringen. Die erhielt 1905 einen Hohenlohe-Turm, und der heißt noch immer so. „Beim 9. Familientag des Fürstlichen Hauses Hohenlohe haben wir 1999 auch die Veste Wachsenburg mit dem Hohenlohe-Turm besucht und dort zu Mittag gegessen“, erzählt Fürst Philipp zu Hohenlohe-Langenburg.

Ein Prinzregent dient als Namenspatron
Ein Bild-Dokument der Einweihung der Hohenlohe-Brücke in Coburg im Oktober 1901 zu Ehren von Ernst zu Hohenlohe-Langenburg. Mittlerweile heißt die Brücke in Coburg schlicht Bahnhofsbrücke. (Fotos: privat)
Ein Prinzregent dient als Namenspatron
Auf diesem historischen Kartenausschnitt von Deutsch-Ostafrika, dem heutigen Tansania, sind sowohl Neu- als auch Alt-Langenburg zu sehen.