„Das schwitzen wir nicht raus“

Tarifverhandlungen mit dem Marburger Bund stehen im Hohenloher Krankenhaus (HK) an. Die Klinik ist aus dem kommunalen Arbeitgeberverband ausgestiegen und hat seit 2005 einen Haustarif.

Von Barbara Griesinger

„Das schwitzen wir nicht raus“
Ärztedemos sind im Hohenlohekreis nicht zu erwarten. Doch höhere Tarifabschlüsse für Mediziner könnten für ein Loch in der Kasse sorgen. (Foto: dpa)
Den Ärzten gehe es nicht in erster Linie um mehr Geld, sondern um bessere Arbeitsbedingungen, erklärt Dr. André Schröder-Son, Internist am Hohenloher Krankenhaus in Öhringen und Betriebsrat, die Position seiner Kollegen. Die Belastungen bei den Bereitschaftsdiensten und Arbeitsverdichtungen, die zu unbezahlter Mehrarbeit führen, zählt er die wichtigsten Gründe auf, die bei den Ärzten für Frust sorgen. Dass in Hohenlohe die Ärzte streiken könnten, ist für ihn eher unwahrscheinlich. Zumal der HK-Haustarif von den Abschlüssen des Marburger Bundes nicht weit entfernt ist. Teils liegt er sogar darüber.

Auch Klinkdirektor Siegfried Egenter ist deshalb vergleichsweise optimistisch: „Wir sind für alle Gespräche offen, wollen aber unsere Position nicht ohne weiteres aufgeben, weil wir sie für richtig halten.“ Er rechnet mit einer Kompromisslösung, bei der jüngere Ärzte, die sich mit dem HK-Haustarif sehr gut stellen, zugunsten höherer Tarife für erfahrene Ärzte gewisse Einbußen erfahren könnten.

Auf Leistungszulagen und Erfolgsbeteiligung will er auch künftig nicht verzichten. Wichtig sei auch, dass das Krankenhaus im Kampf um junge Ärzte wettbewerbsfähig bleibe - sprich: Die Gehälter sollen künftig weiterhin gerade für junge Ärzte attraktiv bleiben.

Probleme hat die Klinikleitung indes mit der Diskussion um Überstunden und Bereitschaftsdienste. „Es ist die Frage, ob Mehrarbeit sachlich und zeitlich tatsächlich nötig ist“, so Egenter. Schließlich sei die Stellenberechnung im HK nicht willkürlich, sondern basiere auf bundesweit geltenden Zahlen. Um dies nachzuweisen, müsste der Arbeitgeber Arbeitsabläufe und Arbeitstakte vorgeben. „Das sollte man bei Ärzten nicht machen, aber Ärzte sollten dann auch keine Überstundenbezahlung fordern.“ Auch beim Bereitschaftsdienst, dessen Bezahlung sich nach der Arbeitsbelastung richtet, wagt er Zweifel, ob jeder ärztliche Einsatz in der Nacht auch wirklich notwendig sei.

Für den Frust über die bürokratische Überfrachtung der Mediziner habe er „volles Verständnis“. Mit dem Betriebsrat suche man im HK nach Wegen, die Ärzte von bürokratischen Arbeiten möglichst zu entlasten und sie auf andere Schultern zu verteilen. Absehbar ist indes: Die Tarifverhandlungen bringen Mehrkosten. Ein Ausgabenplus von rund 250 000 Euro würde sich für das HK ergeben, würden die Verhandlungen mit dem Marburger Bund zu vergleichbaren Abschlüssen wie mit dem kommunalen Arbeitgeberverband führen. „Das schwitzen wir nicht einfach so raus“, so Egenter.

21 Vollzeitstellen in der Pflege würden dieses Ausgabenplus aufwiegen. „Aber ich kann keine 21 Stellen streichen“, betont er. Das werde er auch im Wirtschaftsplan 2007 nicht vorschlagen. Zu weiteren Arbeitsverdichtungen könne dies indes führen, falls die Politik den Krankenhäusern nicht zusätzliche Erlösmöglichkeiten eröffne. Das heißt: Noch kürzere Verweildauer und damit weniger Personal. „Das wird der Patient dann auch merken, wenn er früher nach Hause entlassen wird.“

 


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