Wenn ein Freundschaftsdienst vor dem Richter landet

Öhringen  Mitgehangen, mitgefangen hieß es für eine junge Frau aus dem Altkreis Öhringen, die sich für ihre Taten vor dem Schöffengericht verantworten musste. Die 20-Jährige war in ein versuchtes Drogengeschäft ihres Bekannten verwickelt.

Von Renate Väisänen
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Hinter der Tür des Großen Sitzungssaals des Öhringer Gerichts musste sich die junge Frau verantworten.

Foto: Väisänen

Beihilfe zum unerlaubten Handel treiben mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge war einer der Punkte in der Anklage, die der 20-Jährigen von der Staatsanwaltschaft verlesen wurde. Im Mai 2020 hatte die junge Frau ihren damaligen Bekannten und heutigen Lebensgefährten bei der Übergabe von rund einem Kilogramm Marihuana mit hohem Wirkstoffgehalt unterstützt. Zudem hatte sie bei dieser Gelegenheit dem mittlerweile Verurteilten an das Steuer ihres Autos gelassen, obwohl dieser nicht im Besitz einer dafür erforderlichen Fahrerlaubnis war.

Als Beifahrerin hatte die gelernte Einzelhandelskauffrau den damaligen Bekannten an besagtem Tag im Mai an eine Tankstelle in Heilbronn begleitet, in der Absicht, dem Freund beim Verkauf des Marihuana im Wert von 5500 Euro zu helfen. Danach ging es für die beiden mit zwei Kontaktpersonen nach Heilbronn-Sontheim, wo der Freund in einer Gartenhütte mit dem potenziellen Käufer über das Drogengeschäft verhandelte. Die junge Frau hatte zuvor den Käufer mit ihrem Mobiltelefon kontaktiert.

Vermeintlicher Kunde war Polizist

Nur Pech für das Dealer-Paar, dass es am ausgemachten Treffpunkt, der Heilbronner Tankstelle, auf keinen potenziellen Drogen-Kunden, sondern neben einem weiteren Zeugen auf einen sogenannten noeP (nicht offen ermittelnden Polizeibeamten) getroffen war. Dieser machte dem Unterfangen der beiden einen Strich durch die Rechnung. Was der besagte Polizeibeamte in der Beweisaufnahme des Verfahrens auch schildert.

Dass die 20-Jährige selbst nichts mit Drogen am Hut hat und sie ihre Taten im vollen Umfang gesteht, hält Richterin Iris Wegendt der Angeklagten zu Gute. "Meine Mandantin ist jetzt um einiges schlauer als zum Zeitpunkt der Tat", so der Verteidiger. Dass der Freund keine erforderliche Fahrerlaubnis habe, sei zwischen den Beiden nie thematisiert worden. Bei seinem ersten Gespräch nach der polizeilichen Vernehmung mit dem Paar habe er schnell bemerkt "wer in dieser Beziehung die Hosen anhat". Man könne von einer Art "emotionaler Unterstützungsleistung sprechen, mit der man dem Freund zu Willen sein wollte", beschreibt der Verteidiger die Beziehung. Dass die 20-Jährige ihre Taten bereut, davon ist auch Richterin Iris Wegendt überzeugt. Trotzdem hakt sie bei der Angeklagten noch einmal wegen der fehlenden Fahrerlaubnis des Mannes nach.

Gute Sozialprognose

Zugute hält man der Angeklagten, dass sie auf die Herausgabe ihres Handys verzichtet, das als Beweismittel beschlagnahmt worden war. Die Staatsanwaltschaft verzichtet wiederum, ein weiteres Beweismittel, das Auto der Angeklagten, einzuziehen. "Ja, was ich gemacht habe, war sehr dumm. Ich hoffe, dass wir uns hier nie wiedersehen", gibt die 20-Jährige reumütig zu, bevor sich das Schöffengericht zur Beratung zurückzieht.

Aufgrund der positiven Sozialprognose und der Reue der jungen Frau kommt sie im Urteil noch einigermaßen glimpflich weg: mit einer Freiheitsstrafe von elf Monaten , die auf drei Jahre Bewährung ausgesetzt wird, mit der Auflage, 600 Euro an eine soziale Einrichtung zu entrichten sowie mit der Auflage, dem Gericht regelmäßig Drogenscreenings nachzuweisen, wird die 20-Jährige entlassen. Die Prozesskosten hat sie außerdem zu tragen.


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