Tagsüber Sonne, nachts die Kälte: Obstbauern fürchten Frostschäden

Region  Eisige Nächte mit Ostwind machen den Obstbauern zu schaffen. Da die Pflanzen schon weit ausgetrieben sind, werden erste Schäden durch Frost befürchtet.

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Pfirsich und Nektarinenbäume stehen in voller Blüte. Frost mögen sie gar nicht.

"Zum Glück ist es zwischenzeitlich wieder frischer geworden", ist Joachim Brand vom Fürstlichen Weingut in Öhringen-Verrenberg einer der wenigen, die sich über die Temperaturen im einstelligen Bereich freut. Denn: "Wenn es weiter so warm geblieben wäre tagsüber, dann wären die Reben noch weiter und die Schäden größer", erklärt der Betriebsleiter des Weinguts mit Blick auf die kalten Nächte, die Temperaturen mit deutlich unter 4 Grad Minus für seine Weinberge mit sich brachten.

Nur wenige Meter Luftlinie entfernt hat Samuel Schmelzle sein Obst. Auch er sorgt sich um die schon weit ausgetriebenen Bäume: "Wir sind mindestens sieben, eher zehn Tage voraus", sagt er mit Blick auf die sonnigen Tage. Und auch die gute Versorgung mit Wasser zuvor hat dazu beigetragen, dass die Pflanzen gut treiben. Vor allem das Steinobst, also Pfirsich, Nektarine, Kirsche, Zwetschge, aber auch die Birnen hätten unter den jüngsten Frostnächten gelitten.

Den Frost mit heißen Öfen vertreiben

Mit Öfen in seinen Baumreihen hat Samuel Schmelzle versucht, den Frost zu vertreiben. Ein Ofen spendet auf 50 Quadratmeter Wärme. Samuel Schmelzle hat zehn Öfen. Für sieben Hektar Fläche reicht das nicht. Doch gerade die frühen Bäume hat er versucht, warm zu halten. Hat es funktioniert?

"Wir hatten vor einigen Tagen schon mal so ein kaltes Loch. Da sah es hinterher noch ganz gut aus", sagt Schmelzle. Auch nach der sehr kalten Nacht auf Mittwoch könne man nicht gleich sehen, wie groß der Schaden ist. "Qualitativ wird man es auf jeden Fall sehen", fürchtet Samuel Schmelzle Frostringe beispielsweise bei den Äpfeln. Mit 80 bis 90 Prozent macht das den Löwenanteil seines Betriebs aus. Ob das schon die Eisheiligen waren? Keiner der Obstbauern glaubt das. Die stehen schließlich erst Anfang Mai im Kalender. Und alle erinnern sich an den Frost von 2017. Da fiel das Thermometer am 17. April noch einmal kräftig in den Keller.

Fehlende Saisonarbeiter als weitere Schwierigkeit

Auch Markus Knorr in Baumerlerlenbach hat versucht, mit Feuer etwas Wärme in seine Kirschenreihen zu bringen. Einige Meter zuckt Albrecht Rembold vom gleichnamigen Obsthof die Schultern. Er hat schon viel experimentiert mit Hagelnetz schließen und anderem mehr. "Das hilft alles nicht wirklich". Er würde gerne frostberegnen. Wenn sich das Wasser um die Knospen legt, schützt das vor dem Frost. Das Problem: Dafür sind große Mengen Wasser nötig. In seiner Lage bräuchte er dafür einen Speicherteich.

Das bedeutet: So ein Projekt kostet viel Geld. Zu viel Geld, dafür, dass noch niemand weiß, wer das Obst erntet. "Aktuell sind drei von sieben Saisonarbeitskräften da", so Rembold. Die anderen seien schnell nach Hause, als die Grenzen zugemacht wurden. Ob die benötigten 24 Kräfte im August, September und Oktober kommen? Keine traut sich, eine Prognose abzugeben.

Eisig ist's im Steinbacher Tal

Tagsüber Sonne, nachts die Kälte: Von Frost und heißen Öfen

Wenn die Blüten der Apfelbäume schon rot sichtbar sind, dann sind die Bäume schon frostempfindlich.

Fotos: Yvonne Tscherwitschke

Viel Obst wird auch im Steinbacher Tal angebaut. Da ist es geschützt, lautet die Vermutung, die Obstbauberater Kai Bauer vom Landwirtschaftsamt Hohenlohekreis aber gleich berichtigt: Durch den kalten Ostwind seien gerade im Steinbacher Tal die kältesten Temperaturen gemessen worden, erklärt Kai Bauer, der für die gesamte Region von Hohenlohe bis hoch nach Ludwigsburg und Lauffen zuständig ist.

Minus sechs Grad Celsius habe das Thermometer in der Nacht auf Mittwoch in Pfedelbach-Renzen angezeigt. Zu kalt für die Äpfel. Die nämlich, weiß der Experte, zeigen schon rote Blüten und sind damit frostanfällig.

Schwieriges Heizen bei eisigem Ostwind

Vor der Blüte halten die Bäume minus vier Grad aus, in der Blüte aber nur noch 2,8 Grad minus. "Und jetzt sind wir in der Blüte-" Nur einige Lagen, die am am Osthang liegen und somit später und weniger Sonne haben, seien mit der Vegetation etwas später dran. Das gelte beispielsweise für Ohnholz und die dortigen Plantagen. Aber auch Zweiflingen und Mainhardtsall seien einen Tick später.

Und haben in den Obstplantagen von Gayer in Mainhardtsall die Windräder geholfen, Wärme zu halten? "Nein", sagt Bauer. Das funktioniere nur bei Inversionswetterlagen, also wenn die warme Luft von oben nach unten gedrückt werden kann. "Bei dem eisigen Ostwind war jetzt alles schwierig, auch das Heizen."

Helmut Eberle, stellvertretender Vorsitzender des Bauernverbands Heilbronn-Ludwigsburg und selbst Weinbauer, zeigt sich vom Frostgeschehen der vergangenen Woche beeindruckt. "Sechs Grad Minus hatten wir zum Wechsel März/April eher selten." In der Nacht zu Freitag habe es die vierte Frostnacht in Folge gegeben. Betroffen seien beispielsweise Steinobstgehölze und Erdbeeren. "Das hat mit den Blüten auf jeden Fall etwas gemacht."

Wie hoch die Schäden ausfallen, könne man erst in den kommenden Tagen und Wochen beurteilen. Der Wein sei hingegen eher unbeschadet davongekommen. Auch Beate Wormser, Inhaberin des Landwirtschaftsbetriebs Wormser in Untergruppenbach geht davon aus, dass die vergangenen Frostnächte Schäden hinterlassen haben: bei den unabgedeckten Erdbeeren und beim Steinobst.

 

Yvonne Tscherwitschke

Yvonne Tscherwitschke

stv. Redaktionsleiterin Hohenloher Zeitung

Yvonne Tscherwitschke ist seit 1994 bei der Heilbronner Stimme. Als gebürtige Hohenloherin weiß sie, welche Geschichten die Hohenloher interessieren.

Jörg Kühl

Jörg Kühl

Autor

Jörg Kühl arbeitet seit 2020 als Redakteur der Heilbronner Stimme.

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