Schwammspinner fressen ganze Baumriesen kahl

Region  Die Schwammspinner sind ein gefräßiges Volk. Das beobachtet Forstamtsleiter Roland Hartz derzeit fast täglich im Wald. Besonders schlimm erwischt hat es eine Fläche auf Gemarkung Dörzbach. Heilbronn ist noch weniger betroffen.

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Der Blick nach oben zeigt kahlgefressene Baumriesen.

Foto: privat

Gut zu sehen von der B19 von Oberholz kommend Richtung Rengertshausen, haben die Raupen bei Dörzbach ganz große Laubbäume kahlgefressen. Dort wurde nicht gespritzt. Es handelt sich dabei vor allem um Flächen, die im letzten Jahr nicht von Kahlfraß bedroht waren oder aber um kleinere Flächen in Privatwald. "Es ist echt eklig", ärgert sich Roland Hartz über den massiven Kahlfraß.

Bekämpfung Ende April

Auf großen Flächen hat das Forstamt Hohenlohe im Frühjahr dem Schwammspinner Paroli geboten. Mit einer konzertierten Aktion wurden über 150 Hektar Wald gespritzt. Weitere 600 Hektar Fläche seien im Monitoring, sagt Hartz. Gespritzt wurde von Oberkessach (Gemeinde Schöntal) bis Herbsthausen, das schon zu Bad Mergentheim gehört.

Seit zwei Jahren, sagt Hartz, werde der Hohenlohekreis von den Schwammspinnern kahlgefressen. Mittelfranken habe das Problem schon seit vier Jahren. Und wenn die Witterung weiter für den Wald zu warm und zu trocken bleibt, rechnet Hartz damit, dass es auch in der Region zu massiven Schäden kommt.

Schon jetzt sei es dramatisch: "Wir reden hier von Bäumen, die über 160 Jahre alt sind", sagt Hartz. Generationen von Waldarbeitern hätten die Bäume gehegt und gepflegt, die um 1850 gepflanzt worden seien. "Das ist auch ein massiver wirtschaftlicher Schaden." Es handelt sich vor allem um Eichen und Buchen, Bäume die auch Trockenheit und Hitze nicht vertragen.

Jetzt kann nicht mehr reagiert werden. Die Raupen haben sich vollgefressen und werden sich bis Ende Juli verpuppen. Ob dann nochmal reagiert werde, das komme drauf an, ob es sich lohne. Erst einmal müsse man warten, bis die Falter die Eier ablegen. "Wenn es kühl und regnerisch ist oder die einen Erreger bekommen, dann haben wir vielleicht Glück", versucht sich Harth in Zweckoptimismus. Das nämlich würde die Population reduzieren.

Punktueller Befall in Heilbronn

Schwammspinner fressen ganze Baumriesen kahl

Schwammspinner gehören zur Gattung der Raupen Nimmersatt. Sie fressen riesige und alte Bäume kahl. Der Spuk endet erst Ende Juli.

Foto: privat

Im Landkreis Heilbronn zeigt sich der Schwammspinner noch sehr punktuell. Wie der Leiter des Forstamts im Landratsamt Heilbronn, Martin Rüter mitteilt, gebe es aus einem der 16 Forstreviere entsprechende Alarmzeichen. Nur vereinzelt seien Spuren des Insekts zu finden. So sei am Ottilienberg ein vertrocknetes Eigelege aufgetaucht.

Zuletzt sei der Schwammspinner Mitte der 90 Jahre im Landkreis bekämpft worden. Damals war eine Fläche im Strombegmassiv betroffen. Wenn gespritzt wird, kämen biologische Präparate, wie der im Weinbau erprobte Bazillus Thuringensis oder die im Biolandbau bewährte Essenz vom Neembaum zum Einsatz. Der Schwammspinner sei "ein lästiger Bursche", findet der Forstmann. Die Raupe, die die Größe und Dicke eines kleinen Fingers erreichen kann, frisst in ihrem Raupenstadium einen Quadratmeter Blattfläche.

 

Yvonne Tscherwitschke

Yvonne Tscherwitschke

stv. Redaktionsleiterin Hohenloher Zeitung

Yvonne Tscherwitschke ist seit 1994 bei der Heilbronner Stimme. Als gebürtige Hohenloherin weiß sie, welche Geschichten die Hohenloher interessieren.

Jörg Kühl

Jörg Kühl

Autor

Jörg Kühl arbeitet seit 2020 als Redakteur der Heilbronner Stimme.

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