Disput wegen weltgrößter Riesenbatterie setzt sich in Kupferzell fort

Kupferzell  Kritiker der Anlage artikulieren Zweifel hinsichtlich Notwendigkeit, Sicherheit und Kommunikationsstil: Was die Planer des 188-Millionen-Euro-Netzboosters den Gegnern erwidern.

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Im 500-Meter-Radius ums Umspannwerk soll der Booster-Standort sein.

Ring frei zu einem weiteren Schlagabtausch der Argumente zwischen Projektierer Transnet und den Kritikern in Sachen weltgrößter Riesenbatterie.

Runde eins - die Gretchenfrage: Wird die Anlage überhaupt benötigt? Die Projektgegner um die Bürgerinitiative (BI) "Ein Herz für Hohenlohe" behaupten, der 250-Megawatt-Netzbooster leiste gar keinen wesentlichen Beitrag zum Gelingen der Energiewende - und auch Kupferzells Bürgermeister Christoph Spieles äußerte unlängst gegenüber der Hohenloher Zeitung, die Notwendigkeit der Anlage sei in den Augen seiner Verwaltung "noch nicht grundlegend" bewiesen worden.

Transnet: Kupferzell ist zentrale Import-Passage

Was sagt Transnet dazu? Franziska Zink, Managerin für nationale Energiepolitik beim Übertragungsnetzbetreiber: "Kupferzell ist eine zentrale Import-Passage für den in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen in Windparks generierten Öko-Strom. Die von Norden kommenden Leitungen sind allerdings bereits höchst belastet", erklärt die Expertin.

Die Folge? Es komme zu einer Art Strom-Stau: "Simpel gesagt bedeutet das: Man drückt oben mehr in die Leitungen rein, als man unten rausbekommen kann." Mit dem Booster werde es möglich, solche Engpässe bei Spitzenlast zu verhindern. "In rund 40 Prozent aller Fälle", sagt Zink. Die Kritiker indes argumentieren, viel der Energie lande gar nicht im Süden Deutschlands, sondern werde nach Österreich und die Schweiz exportiert. Transnet kontert: Die Versorgungssicherheit in Baden-Württemberg sei das oberste Ziel - und der deutsche Strommarkt werde zukünftig auch eher importabhängiger. "Im Energiewende-Konzept 2035 geht man schon von 30 Prozent Import aus."

Und was wäre aus Perspektive des Konzerns die Folge, wenn man das Versuchs-Projekt nicht errichten würde? "Langfristig müsste man dann noch mehr neue Trassen und Stromleitungen bauen." Und derer werden - wie auch die Kritiker bei ihren Demos gerne betonen - in den kommenden Jahren ja selbst ohne Zusammenhang mit der Riesenbatterie schon genug in und um Kupferzell entstehen: nach Rot am See ein neuer 110-Kilovolt-Korridor, und bei drei weiteren Trassen soll je eine weitere Leitung aufgeschaltet werden.

Schlagabtausch in Sachen weltgrößter Riesenbatterie setzt sich fort

Viele Transparente − viel Skepsis: Nicht nur bei ihren "Dienstagsdemos" im Bahnpark, sondern auch am Kupferzeller Straßenrand agitieren die Kritiker gegen das Versuchs-Projekt.

Fotos: Christian Nick

Runde zwei: die Akku-Technik. Die Kritiker befürchten, dass "letztlich die Energieunternehmen nach der Genehmigung freie Hand haben" - und die Anlage womöglich nachträglich wieder auf die brandgefährdetere Lithium-Nickel-Mangan-Kobalt-Oxid-Technologie umgerüstet werden könnte. Transnet-Sprecherin Annett Urbaczka klar: "Ein späterer Austausch der Akku-Technik ist ausgeschlossen."

Sicherheiten sollen integriert werden

Und das Szenario einer bei Erhitzung versagenden Akku-Bremse - und damit hoher Explosionsgefahr? Die Kritiker berufen sich hier unter anderem auf eine allgemeine Untersuchung des Forschungszentrums Jülich zur Sicherheit von Lithium-Ionen-Batterien. Urbaczka: "Ich kenne dieses Papier nicht und kann es daher auch nicht kommentieren."

Konzern-Kollegin Zink betont: "Der Booster wird so konstruiert, dass Redundanzen eingebaut sind. Das heißt, es können Teile defekt werden, ohne dass die komplette Anlage ausfällt." Und wenn genau dies dann doch passiert? Zink: "Für diesen extrem seltenen Fall haben wir andere Möglichkeiten: Bevor in Privathaushalten das Licht ausgeht, würden wir bestimmte Industrieanlagen vom Netz nehmen, die diesem Notfall-Prozedere vorher ausdrücklich zugestimmt haben und danach entschädigt werden."

"Vielleicht muss man es noch plakativer erklären"

Schlagabtausch in Sachen weltgrößter Riesenbatterie setzt sich fort

Und so könnte die − laut Planungen 188 Millionen Euro teure − Anlage irgendwann aussehen, mit der das Konzept "Netzbooster" erprobt werden soll.

Foto: Archiv/dpa

Und die - vorerst - letzte Runde: die Kommunikation des Konzerns mit den Kritikern, zu denen nun auch die Gemeindeverwaltung gehört. Hält Transnet es denn für realistisch, dass es dem beauftragten Rechtsanwalt - ein Spezialist für Verfahrensrecht - noch gelingen könnte, den Booster aus dem Bundesbedarfsplan zu streichen? "Das kommentieren wir nicht. Das ist Sache der Gemeinde, und wir freuen uns auf den weiteren Austausch."

Die Anschuldigung vonseiten der Skeptiker, das Modell-Projekt und dessen Sinn nicht ausreichend erklärt zu haben? "Wir haben viel dargelegt, aber vielleicht muss man es noch plakativer erklären", so Managerin Franziska Zink. Und zuletzt noch die Konzern-Position zum von der BI erhobenen Vorwurf, ein Transnet-Manager habe einem örtlichen Landwirt gar mit "Zwangsenteignung" gedroht? "Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein Kollege mit Enteignung droht", sagt Sprecherin Annett Urbaczka.


Christian Nick

Christian Nick

Autor

Christian Nick ist Redakteur bei der Heilbronner Stimme/Hohenloher Zeitung. Schwerpunktmäßig betreut er die Kommunen Kupferzell, Neuenstein und Waldenburg – schreibt aber auch über alles andere gerne.

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