Rund 100 Menschen protestieren gegen den Netzbooster

Kupferzell  Bei der "Dienstagsdemo" der Bürgerinitiative "Ein Herz für Hohenlohe" werden am Dienstagabend zahlreiche Ängste und Sorgen artikuliert. Die Initiatoren geben sich kämpferisch und hoffen, das Projekt noch vor dem Bundestag-Entscheid im Oktober stoppen zu können.

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Rund 100 Menschen lauschen im Kupferzeller Bahnpark den Ausführungen von Birgit Kühnle, Mitbegründerin der Bürgerinitiative "Ein Herz für Hohenlohe".

Foto: Nick

"Maskenball am Bahnpark": Unter dieses Motto hat die Bürgerinitiative (BI) ihre dritte größere öffentliche Protestkundgebung gestellt, mit der sie am Dienstagabend im Kupferzeller Bahnpark erneut gegen den vom Übertragungsnetzbetreiber Transnet BW projektierten Bau der weltweit größten Riesenbatterie in der Nähe des Kupferzeller Umspannwerks protestiert.

Rund 100 bis 120 Personen, so die offizielle Zahl der Polizei, sind der Aufforderung gefolgt. Befragt nach dem Warum, werden der Hohenloher Zeitung diverse Gründe genannt. Einig ist man sich indes in zweierlei: in Angst und Skepsis. "Es werden immer mehr neue Stromtrassen ins Umspannwerk gebaut. Ich bin zum ersten Mal auf so einer Demo dabei und will dazu beitragen, den Bau des Boosters zu verhindern", sagt etwa Gabriele Haas kurz vor Veranstaltungsbeginn.

Viel Angst - und nicht wenig Hoffnung auf Erfolg

Marietta Hamann indes ist längst aktives Mitglied der Bürgerinitiative "Ein Herz für Hohenlohe", die sich mit - nach eigenen Angaben - rund 15 Gründungsmitgliedern nun vor Kurzem auch offiziell zu einer solchen formiert hat: "Ich habe Angst um die Umwelt hier", so die 60-Jährige, die im Extremfall bei einem Brand der Anlage Kupferzell gar auf eine "Riesen-Katastrophe" zulaufen sieht. Hamann: "Diese Angst teilen hier alle."

In der Tat: Das Wort "Angst" wird an diesem Sommerabend noch oft zu hören sein. Und - wie eingangs erwähnt: Skepsis. Bezüglich des Zwecks des Pilotprojekts: "Der Booster leistet gar keinen Beitrag zur Energiewende und zur Verteilung des überschüssigen Stroms von Norden nach Süden." Bezüglich der Kommunikation von Transnet: "Die Bürger werden vor vollendete Tatsachen gestellt." Und auch bezüglich der Hoffnung des Netzbetreibers, bereits im Frühling kommenden Jahres mit den Ausschreibungen für den Bau beginnen zu können.

Bei Letzterem sehen sich die Projektgegner bestärkt. Denn, wie BI-Mitgründerin Birgit Kühnle in ihrer Rede den Demo-Teilnehmern freudig und mit "Hoffnung" mitteilen konnte, ficht die Gemeinde nunmehr offenkundig Seite an Seite mit den Projekt-Kritikern: Die Verwaltung werde einen Stuttgarter Anwalt beauftragen, um Verfahrensfehler zu finden und den Booster kurz vor dem Bundestag-Entscheid im Oktober doch noch aus dem Bundesbedarfsplan zu kegeln.

Vorwürfe gegen Netzbetreiber

Kühnle betonte in ihrer Ansprache erneut die angenommene Brand- und gar Explosionsgefahr der Anlage: "Wir wollen nicht, dass uns widerfährt, was in Beirut passiert ist." Der Bau des Boosters - "ein Menschenversuch" - und mehrerer neuer Stromleitungen sorge für "elektromagnetische Felder", dabei litten die Kupferzeller bereits "seit Jahren unbewusst".

Transnet handele aus "purer Profitgier", komme dem vom Unternehmen aufgestellten Postulat offener Kommunikation selbst nicht nach. Kühnle gibt sich an diesem Abend kämpferisch: "Wir bleiben dran!" Es brauche aber mehr Mitstreiter. "Die Gemeinde ist doch viel größer. Ich hätte den Platz gerne voll." Die allermeisten Kupferzeller jedoch waren daheim geblieben.


Christian Nick

Christian Nick

Autor

Christian Nick ist Redakteur bei der Heilbronner Stimme/Hohenloher Zeitung. Schwerpunktmäßig betreut er die Kommunen Kupferzell, Neuenstein und Waldenburg – schreibt aber auch über alles andere gerne.

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