Raiba Hohenloher Land kappt Filialnetz

Hohenlohe  Vier Zahlstellen werden geschlossen und zwei Geschäftsstellen heruntergestuft: Die Raiffeisenbank Hohenloher Land reagiert ab Dezember auf die schwache Kundenfrequenz vor Ort. Neu ist schon jetzt, dass Verwahrentgelte auch auf hohe Privateinlagen erhoben werden.

Email

Die Zahlstelle in Buchenbach wird zum 30. November ganz geschlossen − so wie die Filialen in Dörrenzimmern, Hollenbach und Zweiflingen.

Foto: Tamara Ludwig

Die Raiffeisenbank Hohenloher Land schließt zum 30. November vier Filialen. Betroffen sind die Zahlstellen in Buchenbach, Dörrenzimmern, Hollenbach und Zweiflingen. Die Auslastung ist zu gering und der Betrieb unwirtschaftlich. Die Geschäftsstellen in Künzelsau und Sindeldorf werden heruntergestuft zu SB-Stellen, die mit Automaten ausgestattet sind, aber keine festen Servicekräfte und Öffnungszeiten mehr haben. Dafür gibt es Beratungen nach Terminvereinbarung. Eine solche SB-Stelle existiert bereits im Öhringer Ö-Center.

In Buchenbach fällt der Geldautomat weg

"Die Zahlstellen waren nur stundenweise geöffnet und wurden immer seltener aufgesucht", sagt Vorstandsvorsitzender Andreas Siebert. Immer mehr Kunden tätigten ihre Servicegeschäfte digital. Diesem Verhalten gelte es Rechnung zu tragen. Das heißt: In Buchenbach ist künftig auch der Geldautomat weg. "Die nächste Filiale in Mulfingen ist nur vier Kilometer entfernt." In Hollenbach und Dörrenzimmern habe es schon vorher keinen Geldautomaten mehr gegeben.

 

In Künzelsau im Servicebereich kaum Fuß gefasst

Warum speckt die Bank ihren Standort in der Kreisstadt Künzelsau ab? "Wir waren dort historisch nie vertreten und haben vor ein paar Jahren versucht, den Markt zu erschließen. Im Servicebereich hat sich das nicht gerechnet, in der Beratung schon", erklärt Siebert. Als er noch Vorstandschef der Raiffeisenbank Kocher-Jagst war, schloss das Kreditinstitut im Herbst 2018 gleich zehn Geschäftsstellen. Zwölf blieben übrig, sechs kamen hinzu, als die Fusion mit der Raiffeisenbank Bretzfeld-Neuenstein zur Raiba Hohenloher Land im Herbst 2019 unter Dach und Fach war. Jetzt sind es noch elf echte Geschäftsstellen.

Service-Center soll weiter ausgebaut werden

Die großen Filialen werden zu Beratungscentern ausgebaut. Alle Arbeitsplätze bleiben erhalten. Zentralisieren und in der Beratung noch schlagkräftiger werden: So lautet das Ziel der Bank. Auch der digitale und telefonische Kontakt soll florieren. Das Service-Center in Neuenstein ist täglich von 8 bis 18 Uhr erreichbar, die 13 Mitarbeiter könnten um "drei bis vier" Kräfte aufgestockt werden. "Das sind fast alles voll ausgebildete Bankkaufleute." Siebert baut dabei auch auf Videochats.

 

Verwahrentgelt jetzt auch auf hohe Privateinlagen

Bereits ab 11. Oktober neu ist, dass nun auch Privatkunden Verwahrentgelte auf hohe Einlagen zahlen müssen. Bei Unternehmen gilt diese Vorgabe schon seit 2020. "Alles über eine Million Euro wird dort seither mit den Kunden besprochen, bei den privaten Einlagen ist es nun alles über 100.000 Euro." Je mehr und je länger die Kunden mit der Bank Geschäfte machten, desto höher seien die Freibeträge, bei denen diese Regel nicht greife.

Schutz vor hohen Geldzuflüssen

Der Hauptgrund sei, die Bank vor weiteren hohen Geldzuflüssen zu schützen. "Bis 30. September haben wir bei den Einlagen schon ein Plus von 62 Millionen Euro oder 7,6 Prozent." In 2020 waren es insgesamt nur ein Prozent mehr. "Das ergibt unterm Strich zusätzliche Kosten von 310.000 Euro", so Siebert. Banken müssen bei der EZB für kurzfristige Geldanlagen seit geraumer Zeit Zinsen bezahlen: pro Jahr 0,5 Prozent. Immer mehr Geldhäuser geben diese Belastung an ihre Kunden weiter.

 

Ralf Reichert

Ralf Reichert

Redaktionsleiter Hohenloher Zeitung

Ralf Reichert ist seit Oktober 2006 Redaktionsleiter der Hohenloher Zeitung. Die Region Hohenlohe ist seit jeher seine journalistische Heimat. Er kam vom Haller Tagblatt und stammt aus dem Taubertal. Bei der HZ kümmert er sich vor allem um die Kreisthemen.

Kommentar hinzufügen