Noch bleibt etwas Resthoffnung für Hohenloher Wengerter

Hohenlohe  Der Eisheilige Pankratius verursachte in heimischen Weinbergen teils massive Frostschäden. 40 bis 50 Prozent der Rebflächen hat es erwischt: vor allem zwischen Kesselfeld, Eschelbach, Michelbach und dem Steinbacher Tal. Das Kochertal ist nicht betroffen.

Von Juergen Koch
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Mit welken, braunen Blättern sowie hängenden Gescheinen und Triebspitzen zeigen sich aktuell die Frostschäden in den Hohenloher Weinbergen.

Foto: Juergen Koch

"Wenn"s an Pankratius friert, ist der Wengert ruiniert", besagt eine alte Bauernregel. In den Hohenloher Weinbergen hat die sich nun zumindest teilweise bewahrheitet. Denn vor einer Woche, am Dienstagfrüh, hat Pankratius, zweiter von fünf Eisheiligen, auch in den hiesigen Gefilden seine eisigen Spuren hinterlassen.

"Von mittel geschädigt bis Totalausfall"

Von "erheblichen Frostschäden" spricht Reinhold Fritz, Vorstandschef der Weinkellerei Hohenlohe in Adolzfurt, deren Genossen mit 545 Hektar rund 70 Prozent der gesamten Rebfläche des Hohenlohekreises bewirtschaften. "Vierzig bis fünfzig Prozent der Rebfläche sind betroffen, von mittel geschädigt bis Totalausfall." Als Schwerpunkt nennt er das "Gebiet zwischen Kesselfeld, Eschelbach, Michelbach und Steinbacher Tal", während das Kochertal "durchweg gut" dastehe.

Noch zu früh für endgültige Bilanz

Noch bleibe den Wengertern eine "Resthoffnung", wenn sich neue Triebe bilden, schlafende Augen aktivieren und sich die Blütenstände (Gescheine) der nicht so stark geschädigten Reben noch erholen und zur Blüte kommen. Deshalb ist es auch für Weinbauberater Roland Zipf noch zu früh für eine endgültige Bilanz: "Das gesamte Schadensausmaß in Form von Ertragsausfall kann aktuell nur sehr schwer abgeschätzt werden", schreibt er im aktuellen Rebschutzhinweis.

Warum es zu den massiven Schäden kam

Welke, braun verfärbte statt sattgrüne Blätter, schlaff nach unten hängende statt aufrecht stehende Gescheine - so haben am Dienstag viele Wengerter ihre Weinberge vorgefunden. Trotz Temperaturen im nur leichten Frostbereich. So hat die Wetterstation im stark gebeutelten Steinbacher Tal um fünf Uhr früh lediglich minus 1,16 Grad gemessen. Doch weil die Blätter durch den starken Regen am Vortag sehr nass waren, konnte es dennoch zu teils massiven Frostschäden kommen. Häufig in Lagen, die als recht frostsicher galten. "Deutlich besser weg-gekommen" seien "obere Lagen", sagt Reinhold Fritz, weil dort kalte Luft besser abfließen könne.

Das sagen die anderen Wengerter

Während er im Verrenberger Verrenberg "keinen wirtschaftlichen Schaden" vermeldet und die Schäden im nahen Goldberg auf "null bis 30 Prozent" beziffert, habe es das fürstliche Weingut vor allem auf den Pachtflächen in Untersteinbach erwischt, sagt Betriebsleiter Joachim Brand: "Sechs von 8,5 Hektar sind nach aktuellem Stand zu hundert Prozent geschädigt, mal sehen, was noch nachtreibt." Karlheinz Ungerer im nahen Renzen schätzt seine Schäden auf "25 plus minus fünf Prozent", während Boris Birkert in Adolzfurt für drei seiner insgesamt 15 Hektar "wenig Hoffnung" hat. Bei weiteren sechs Hektar sei "alles drin, von Hoffnung bis Totalausfall".

Jagsttal ist glimpflich davongekommen, Glück gehabt hat das Kochertal

Schäden "in fast allen Flächen" hat Simon Weihbrecht (Schwabbach) festgestellt: "Mit 40 bis 50 Prozent besonders stark betroffen ist der Siebeneicher Hahnenberg." In Weihbrechts Weinbergen hat am Freitag ein Landesschau-Team des SWR einen Beitrag über aktuelle Frostschäden gedreht. Glimpflich davongekommen mit nur leichten Schäden ist das Jagsttal, Glück gehabt hat das Kochertal. "In Forchtenberg ist nichts passiert", sagt Ferdinand Fröscher vom dortigen Rebenhof, "der Nebel hat Schlimmeres verhindert". Auch Susanne Schmezer vom Weingut Gaufer in Ingelfingen verzeichnet "bis auf leichte Schäden in Belsenberg keine nennenswerten Schäden".


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