Müll abladen in Beltersrot leicht gemacht

Kupferzell  Der zentrale Wertstoffhof des Hohenlohekreises in Beltersrot ist umgebaut und läuft noch bis Februar im Probebetrieb. Er gleicht jetzt einem Rundkurs und ist wohl geordnet. Von den einst chaotischen Zuständen ist nichts mehr zu spüren.

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Komplett überdacht und asphaltiert ist das neue Areal mit den Abladebuchten. Das schützt die Anlieferer und Mitarbeiter genauso wie den Abfall und die Umwelt.

Als Vendim Morina das letzte Mal auf dem zentralen Wertstoffhof des Kreises in Beltersrot Müll abladen wollte, stand er eine halbe Stunde in der Schlange: auf der Zufahrtstraße vor dem Eingangstor. "Das war noch vor Corona", erinnert sich der Waldenburger. Als er am vergangenen Freitag mal wieder vor Ort war, nachdem er seine Dusche modernisiert hatte, staunte er: "Es gab keinerlei Wartezeit." Auch sonst sei alles glatt gelaufen: "Ich musste nicht lange suchen, um meinen Restmüll loszuwerden, die Mitarbeiter haben mich sehr gut angeleitet." 17 Euro musste er zahlen: "Dafür habe ich alles bekommen, was ich wollte."

Neuer Wertstoffhof kaum wiederzuerkennen

So wichtig der Wertstoffhof für die Bürger ist, weil dort die meisten Müllarten und größten Müllmengen im Kreis entsorgt werden können, so ungern besuchten ihn viele in der Vergangenheit. Vor allem in Stoßzeiten. Weil die ewige Warterei nervte, die Abläufe undurchschaubar schienen und die Verhältnisse mitunter so chaotisch waren, dass nicht nur die Beteiligten schnell mal in die Luft gingen, sondern auch die Sicherheit beim Entladen gelitten hat. Jetzt ist alles anders und der Hof kaum wiederzuerkennen. Plötzlich gibt es viel Platz. Und noch mehr Ordnung. Sowie klare Ansagen und Zuständigkeiten: von der Einfahrt bis zum Eingang, von der Entladebucht bis zur Ausfahrt.

Prozesse optimieren: Jetzt und in Zukunft

Voraussichtlich 2,3 Millionen Euro muss die Abfallwirtschaft für den Umbau hinblättern, der im April 2019 begann und Ende November 2020 abgeschlossen war. Der Probebetrieb läuft seit 2. Dezember und soll im Februar beendet sein. "Es geht in diesen zwei Monaten darum, aus der Praxis zu lernen und die Prozesse so zu optimieren, dass sie den durchschnittlichen Entsorgungsgewohnheiten der Bürger entsprechen", sagt Bereichsleiter Joachim Bahr. Dabei gelten die regulären Öffnungszeiten. So habe sich bereits gezeigt, dass Bauschutt doch besser in der "Wurfbox" aufgehoben sei statt im Container.

Müll abladen leicht gemacht

Vendim Morina wirft Säcke voller Restmüll in den Container. Der Waldenburger erkennt den neuen Wertstoffhof kaum wieder und lobt das durchdachte System.

Fotos: Reichert

Beim Restmüll sei es genau umgekehrt - und so kann Vendim Morina seine prall gefüllten Restmüllsäcke an diesem Tag problemlos in den großen blauen Behälter wuchten. "Wenn die Container voll sind, können sie im laufenden Betrieb abgefahren werden, ohne dass sich die Wege wie früher mit den Anlieferern kreuzen", sagt Bahr. Und ergänzt: "Wir wollen auch nach dem Probelauf so flexibel wie möglich sein, um den Hof immer wieder an neue Rechtsvorschriften und Entsorgungspraktiken anpassen zu können." 30 bis 40 Jahre soll der neue Platz halten.

So ist der Rundkurs abgesteckt

Müll abladen leicht gemacht

Am Eingang zum neuen Abladebereich begutachtet Mitarbeiter Karl Brönner (rechts) den Müll im Kleintransporter von Wilhelm Zikeli aus Ingelfingen.

Der Wertstoffhof gleicht jetzt einem Rundkurs. Er ist insgesamt um einige Meter nach hinten gerutscht: inklusive der längeren Einfahrt. Diese Spur kann bis zu 15 Fahrzeuge im Innenbereich aufnehmen.

Ein möglicher Rückstau bei regem Betrieb wird so viel besser kanalisiert, die langen Warteschlangen vor dem Tor dürften damit passé sein. Anlieferer werden jetzt nicht mehr neben dem Betriebsgebäude in Empfang genommen, sondern an einem versetzten Eingang. Hier wird der Müll geprüft und kategorisiert.

"Schneller Durchfluss ist das A und O"

Müll abladen leicht gemacht

Um 10 Uhr steht dort am 8. Januar Wilhelm Zikeli aus Ingelfingen: "Wir wollen umziehen und haben den Keller ausgemistet." Eine Couch und Teppiche sowie Holzmöbel, Papier und Plastik hat er geladen. Gewogen wird der Abfall nicht, sondern das Volumen geschätzt.

Karl Brönner erledigt das. Zikeli zückt zwei Marken für Altholz und Sperrmüll. Dann kann er das Stoppschild passieren und in den Abladebereich fahren. Dort zeigen ihm Susanne Armbruster und Sonja Wagner, wo was hinkommt. "Ein schneller Durchfluss ist das A und O", sagt Bahr. Die Betreuung der Kunden sei deshalb "sehr wichtig".

Alles ist überdacht und asphaltiert: eine saubere Sache, für die Anlieferer und für die Umwelt. Infotafeln hängen an den Entladebuchten: rechts Altkleider, Altglas, Fenster, Altholz, Altmetall, Restmüll, Hartkunststoffe - links Neonröhren, Mineralfasern, Elektrogeräte, Altreifen, Batterien, Papier, Gips - hinten Sperrmüll und Bauschutt. Über die separate Ausfahrt gelangt man nach draußen. Und kann wie Vendim Morina ziemlich zufrieden sein.

 

Ralf Reichert

Ralf Reichert

Redaktionsleiter Hohenloher Zeitung

Ralf Reichert ist seit Oktober 2006 Redaktionsleiter der Hohenloher Zeitung. Die Region Hohenlohe ist seit jeher seine journalistische Heimat. Er kam vom Haller Tagblatt und stammt aus dem Taubertal. Bei der HZ kümmert er sich vor allem um die Kreisthemen.

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