Ministerpräsident Kretschmann bereist den Hohenlohekreis

Hohenlohe  Kupferzell, Waldenburg und Ingelfingen waren Freitagnachmittag die Stationen von Ministerpräsident Winfried Kretschmann. Corona bestimmte den kommunalpolitischen Austausch mit den Abgeordneten, dem Landrat, Kreisräten und Bürgermeistern.

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Im Albert-Schweitzer-Kinderdorf erfährt Ministerpräsident Winfried Kretschmann, welche Probleme die Einrichtung wegen Corona hatte.

Fotos: Ralf Seidel

Der Ort ist nicht zufällig gewählt: Vor der Kupferzeller Carl-Julius-Weber-Halle halten kurz nach 14 Uhr am Freitag zwei schwarze Karossen. Hohenloher Bürgermeister, Kreisräte, Abgeordnete und Landrat Matthias Neth erwarten mit Personenschützern Ministerpräsident Winfried Kretschmann an der Stelle, wo vor kurzem der Laborbus des Robert-Koch-Instituts stand.

Kretschmann kommt zur Kreisbereisung, die schon 2019 - ganz anders - geplant, wegen Corona verschoben wurde. Statt Empfang mit Posaunen und Gesprächen mit Bürgern steht der Austausch mit Kommunalpolitikern auf der Tagesordnung.

Wissenschaftler berichten

Die beginnt mit einem Bericht der beiden Vertreter des Robert-Koch-Instituts (RKI). So sei er es aus den täglichen Lagebesprechungen während der Coronakrise gewohnt, erklärt Landrat Matthias Neth. Professor Thomas Lampert erklärt, dass die Kupferzell-Studie, die bundesweit große Beachtung gefunden habe, bis Mitte Juli neue Erkenntnisse zur Verbreitung des Coronavirus und Aussagen über mögliche Dunkelziffern ermöglichen soll.

Dr. Claudia Santos-Hövener, die vom 20. Mai bis 9. Juni in Kupferzell und Eschental die über 2244 Untersuchungen begleitete und sich seither fast schon in Kupferzell heimisch fühlt, lobt die große Bereitschaft der Bürger, sich mit Blut und Rachenabstrich zu beteiligen. 3534 Einladungen seien anhand des Melderegisters verschickt worden. 2255 Termine seien vereinbart und 2244 Untersuchungen durchgeführt worden. "Das ist eine fantastische Rücklaufquote."

Bürgermeister brauchen Geld

Unterstützung erhofft sich Dörzbachs Bürgermeister Andy Kümmerle vom Land, wenn es darum geht, die durch Corona bedingten Ausfälle bei der Gewerbe- und Einkommenssteuer zu kompensieren. Künzelsaus Bürgermeister Stefan Neumann kritisiert die Geschwindigkeit, mit der Verordnungen umgesetzt werden mussten. Auch hätte er gerne Aussagen, ob Weihnachtsmärkte durchgeführt werden können. Ausdrücklich begrüße er aber, dass sich Lehrer nicht mehr selbst krankschreiben könnten.

Die Fragen der allgemeinen Lockerungen sollen künftig von den Landkreisen verantwortet werden, sagt Kretschmann. Auch hinsichtlich der Schul- und Kindergartensituationen hat er weniger Bedenken wegen möglicher Infektionen. Das Problem sei, ob man genug Betreuungskräfte habe, wenn 20 Prozent der Beschäftigen zur Risikogruppe gehören.

Schon jetzt mache das Land "dramatische Schulden", so Kretschmann. Deshalb könne das Land die Ausfälle der Kommunen nicht 1:1 ersetzen, es gebe aber weit über eine Milliarde Euro. Geld erhofft sich der Kreis zur Reaktivierung der Kochertalbahn. Das Fahrgastpotential sei da, erklärt Christoph Bobrich, der das Projekt für die Stadt Künzelsau vorstellt. OhneMachbarkeitsstudie sei nichts zu machen, sagt Kretschmann. Es gebe aktuell 43 Nebenbahnen, die um Förderung konkurrieren. Allein aus Umweltschutzgedanken sehe er das Projekt aber wohlwollend.

Auch für den Tourismus könnte die Bahn gut sein. Hier warnt Kretschmann vor Kleinteiligkeit. "Keiner geht in den Hohenlohekreis. Die Menschen kommen in das wunderschöne Hohenlohe", schwärmt Kretschmann von den Burgen, Klöstern und den schönen Ortschaften.

 

 

Yvonne Tscherwitschke

Yvonne Tscherwitschke

stv. Redaktionsleiterin Hohenloher Zeitung

Yvonne Tscherwitschke ist seit 1994 bei der Heilbronner Stimme. Als gebürtige Hohenloherin weiß sie, welche Geschichten die Hohenloher interessieren.

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