Minister Lucha holt sich im ehemaligen Hotspot Infos zu Corona

Öhringen  Bei seiner Sommertour macht Sozialminister Manne Lucha Station in Künzelsau. Dort zeigen Verantwortliche auf, wie sie aktuell gegen eine weitere Ausbreitung des Coronavirus ankämpfen.

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So sieht eine Begrüßung zu Corona-Zeiten aus: Minister Manne Lucha (li.) informiert sich bei Landrat Matthias Neth über den Umgang mit dem Virus. Foto: Tscherwitschke

Kommen Minister aus Stuttgart, bringen sie oft einen Scheck mit. Im Fall von Manne Lucha (Grüne) aber ist es so, dass der Minister für Soziales und Integration etwas aus Hohenlohe mit nach Stuttgart nimmt: die hier gewonnen Erkenntnisse zum Umgang mit dem Virus.

Dass Hohenloher nicht nachtragend sind - und das im speziellen Fall auch für Ravensburger gilt - zeigte die Begrüßung am Stadthallen-Eingang durch Hausherr Bürgermeister Stefan Neumann. Der ist noch immer kein Befürworter der Schließung des Krankenhaus-Standortes Künzelsau. Doch der Umgangston ist ein freundlicher und seine Bitte eine höfliche: Lucha möge doch den Umbau des Künzelsauer Krankenhauses von stationären hin zu mobilen Angeboten großzügig unterstützen.

Erinnerung an vergangene Monate

Im Inneren der Stadthalle erwarteten Fraktionsvorsitzende, Verwaltungsmitarbeiter und vor allem Vertreter vom Gesundheitsamt den Minister. Landrat Matthias Neth erinnerte an die erste Sorglosigkeit, als er noch Nachrichten bekommen habe wie die, dass sich die Hohenloher beim Bau des neuen Krankenhauses doch ein Beispiel an der Geschwindigkeit der Chinesen nehmen sollten.

Dem folgten aber schnell dramatische Wochen im Frühjahr, die ihm gezeigt hätten, wie leistungsfähig ein kleines Krankenhaus sei, wenn man Aufgaben klar benenne. Jeden Abend habe er mit der Kaufmännischen Direktorin Melanie Junge telefoniert, die ihm zuversichtlich immer bestätigt habe: "Wir sind nicht Bergamo, wir kippen nicht."

Zehn bis 14 Tage, sagt Neth, sei der Hohenlohekreis dem Land immer voraus gewesen. Eindrücklich zeigte das Gesundheitsamtsleiterin Antje Haack-Erdmann in Grafiken auf. Durch schnelles Reagieren habe man stellenweise mit 250 Menschen Fälle bearbeitet und nachverfolgt. Aktuell bereiten ihr die Reise-Rückkehrer Sorgen. Vier Fälle mit 50 Kontaktpersonen beschäftigen sie aktuell.

Die Umsetzung der Teststrategie, der Umgang mit Risikogruppen in Einrichtungen und der Schulbeginn unter Regelbedingungen sind ihre Themen der nächsten Wochen. Ergänzt wurden ihre Ausführungen von Mike Weise, Dezernent für Umwelt und Ordnung.

Wissen darf nicht verloren gehen

Weise erklärt, wie man das Notfall-Team nun wieder in Stand-by versetzt habe, aufteilt in vier Gruppen. Jedes Team werde für je drei Monate aktiviert. Bei Bedarf können schnell weitere Teams dazugenommen werden. So will er sicherstellen, dass das in der akuten Krise gewonnene Wissen nicht verloren geht.

Ihm hat Corona gezeigt, dass Verwaltung schnell reagieren kann. Grundlegende Führungsprinzipien seien entscheidend. Lucha erklärte, neugierig auf die Erkenntnisse der RKI-Studie zu sein, die Mitte des Monats vorgestellt werden soll. "Wenn man hier an Würth vorbei fährt, dann wird klar, dass es einen zweiten Lockdown nicht geben kann."

Lucha sagte in Richtung der Anwesenden aus dem Kochertal: "Nicht-Bedarfsnotwendige Krankenhäuser werden nicht geschlossen, sie schließen sich von selbst, wenn die Patienten nicht mehr kommen." Dass kleine Einheiten leistungsfähig sein können, das habe Corona gezeigt. Funktioniert habe das deshalb, weil klar definiert sei, wer welchen Weg zu nehmen hat. So habe es keine Mehrfachuntersuchungen gegeben, die Ressourcen gebunden hätten.

Vorsichtsmaßnahmen wirken

Dass die empfohlenen Vorsichtsmaßnahmen wirken, das zeigt sich für ihn daran, dass es aktuell keine Infektionsgeschehen wie Noro-Virus oder ähnliches gebe. "Das ist das Positive daran", sagt der Minister und mahnt weiter zur Vorsicht: "So lange wir keinen Impfstoff haben, müssen wir sehr achtsam miteinander umgehen, um die neu gewonnenen Freiräume nicht wieder zu verlieren."


Yvonne Tscherwitschke

Yvonne Tscherwitschke

stv. Redaktionsleiterin Hohenloher Zeitung

Yvonne Tscherwitschke ist seit 1994 bei der Heilbronner Stimme. Als gebürtige Hohenloherin weiß sie, welche Geschichten die Hohenloher interessieren.

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