Kaninchen in der Kälte abgestellt

Neuenstein  Die Tierrechtsorganisation Peta hat den Tierschutz-Verstoß eines Neuensteiner Kaninchenzuchtbetriebs beim Veterinäramt angezeigt. Das Landratsamt bestätigt den Vorfall. Die Betreiber geloben Besserung: Es werde dafür gesorgt, dass Ähnliches nicht mehr vorkomme.

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Corpus Delicti: In diesen Körben wurden die Kaninchen abgestellt.

Foto: privat

Vor Angst und Stress gefiept hätten die Tiere eines örtlichen Kaninchenzuchtbetriebs, die bei kalten Dezembertemperaturen in ihren Transportboxen vor dem Weitertransport zum benachbarten Schlachthof auf der Straße abgestellt worden waren: So schilderte es ein anonymer Tipp-Geber der Tierrechtsorganisation Peta - und dokumentierte den Vorfall per Handy-Foto.

Veterinäramt schreitet ein

Das Urteil der Peta-Mitarbeiter: "Vor Ort wurden qualvolle Transportbedingungen dokumentiert: Die engen Transportboxen wurden auf dem Hof gestapelt, pro Box mehrere Kaninchen, sich selbst überlassen, der Kälte, Angst und Stress ausgeliefert."

Daraufhin machte die Organisation das Veterinäramt des Hohenlohekreises auf das Ereignis aufmerksam - und ebendieses schritt am 18. Dezember, nur wenige Tage nach Anfertigung des Bildmaterials, denn auch zur Tat: "Der Betrieb wurde überprüft und ihm wurden wegen eines tierschutzrechtlichen Verstoßes entsprechende Abhilfemaßnahmen auferlegt. Diese wurden auch bereits umgesetzt", berichtete Landkreis-Pressesprecher Sascha Sprenger auf Anfrage der Hohenloher Zeitung.

Keine Verzögerung beim Transport zulässig

Doch von welchem Verstoß ist hier überhaupt die Rede? Die Art der Verwahrung der Kaninchen mit jeweils mehreren Tieren in den engen Boxen ist offenkundig nicht das Problem und gesetzeskonform, sondern vielmehr ist die Tatsache, dass die Tiere vor dem Weitertransport im kalten Außenbereich abgestellt waren, zu beanstanden.

Wie lange die dort deponierten Tiere den Temperaturen - nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes lag die Temperatur an besagtem 14. Dezember im Bereich zwischen zwei und acht Grad Celsius - trotzen mussten: Darüber herrscht offiziell Unklarheit. Von den Gebrüdern Thomas und Michael Bauer, die Mastbetrieb und Schlachthof betreiben, heißt es auf Nachfrage unserer Zeitung, es habe sich lediglich um "vielleicht zehn Minuten" gehandelt.

Doch selbst wenn dies zutrifft - auch das ist ein Gesetzesbruch, wie Kreis-Sprecher Sprenger erklärt: "Nach den geltenden tierschutzrechtlichen Bestimmungen müssen Tiere unverzüglich und ohne gerechtfertigte Verzögerung zum Schlachtbetrieb gebracht werden. Da die Kaninchen für einige Zeit an der Straße abgestellt wurden, es aber keinen Grund für diese Verzögerung bei der Anlieferung gab, lag ein Gesetzesverstoß vor."

Betreiber verspricht sofortige Änderung

Im Rahmen der behördlichen Kontrolle sei der Betrieb auf den Missstand hingewiesen und verpflichtet worden, "eine schriftliche betriebsinterne Arbeitsanweisung vorzulegen", die gewährleiste, dass die Kaninchen künftig ohne zeitliche Verzögerung zum 300 Meter entfernten Schlachthof gebracht werden, wo wöchentlich 1000 Tiere geschlachtet werden. Dies werde künftig vom amtlichen Fleisch-Hygiene-Personal und zusätzlich durch unangekündigte Kontrollen des Veterinäramts überprüft.

Der Grund für das illegale Verweilen der Kaninchen in der Kälte seien "Abstimmungsprobleme" zwischen den Mitarbeitern von Mast- und Schlachtbetrieb gewesen, heißt es vonseiten der Neuensteiner Betreiber: "Wir bedauern sehr, dass das passiert ist. In Zukunft wird so etwas nicht mehr vorkommen", betonen Thomas und Michael Bauer.


Christian Nick

Christian Nick

Autor

Christian Nick ist Redakteur bei der Heilbronner Stimme/Hohenloher Zeitung. Schwerpunktmäßig betreut er die Kommunen Kupferzell, Neuenstein und Waldenburg – schreibt aber auch über alles andere gerne.

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