Jeder fünfte Lkw fährt zu dicht auf

Öhringen  Der Auto Club Europa hat den Sicherheitsabstand der Brummi-Fahrer auf der Autobahn 6 bei Öhringen kontrolliert. Fehlender Abstand ist eine der häufigsten Unfallursachen.

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Mario Schmidt (li.) und Wolfgang Halter überprüfen auf der A6-Brücke in Öhringen, ob die Lkw-Fahrer den Sicherheitsabstand einhalten.

Foto: Armin Rößler

Mario Schmidt nennt die bundesweiten Unfallzahlen im Straßenverkehr "erschreckend". Der Regionalbeauftragte des Auto Club Europa (ACE) steht mit seinem Kollegen Wolfgang Halter, dem ACE-Beauftragten für Heilbronn, am Mittwochmorgen auf der A 6-Brücke in der Öhringer Westallee. Die beiden beobachten den Schwerlastverkehr und prüfen akribisch, ob die Lkw-Fahrer den Sicherheitsabstand einhalten.

Oft keine 20 Meter

In eineinhalb Stunden werden exakt 1252 Lkw auf den Listen vermerkt. "23 Prozent haben den nötigen Sicherheitsabstand nicht eingehalten", berichtet Schmidt. Ab einer Geschwindigkeit von 50 km/h sind nach seinen Worten mindestens 50 Meter Abstand vorgeschrieben. "Man erlebt oft, dass es nicht mal 20 Meter sind", sagt Schmidt. "Wir wissen, dass Brummi-Fahrer wahnsinnig unter Druck stehen", nennt er einen Grund für das gefährliche Verhalten. Das Problem: "Es ist schwer, an diese Zielgruppe ranzukommen." Was auf der A 6 umso mehr gilt, ist hier doch der Transitverkehr aus den Ostblockstaaten unterwegs.

2019 hat es nach den ACE-Zahlen bundesweit auf den Autobahnen insgesamt 488 Unfälle am Stauende gegeben, bei denen Lkw auf andere Fahrzeuge aufgefahren sind. 410 waren reine Unfälle zwischen Lkw mit Leicht- und Schwerverletzten. 44 Unfälle zwischen Lkw forderten 45 Todesopfer. Und in 34 Fällen stand ein Pkw am Stauende - dabei kamen acht Insassen der Autos ums Leben. Allein in den ersten sechs Wochen 2020 sind laut ACE sechs Lkw-Fahrer bei Unfällen gestorben. "2018 hat es auf der A6 zwischen Sinsheim und Mannheim 281 Mal gekracht", das sei fast täglich ein Unfall gewesen, rechnet Schmidt vor.

Bremsassistent abgeschaltet

Der fehlende Abstand ist laut dem ACE in 27 Prozent der Unfälle der entscheidende Grund, auch Überholen (19 Prozent) und Ablenkung durch Telefonieren oder sonstige Tätigkeiten (34 Prozent) spielen eine große Rolle. Dabei ist seit 2015 vorgeschrieben, dass alle neuen Lkw mit Notbremsassistenten ausgerüstet sein müssen. "70 Prozent der Lkw besitzen diesen Assistenten", erklärt Schmidt. Allerdings würden ihn viele Fahrer abschalten, weil sie vermeiden wollten, dass ihr Laster abgebremst wird, "wenn jemand vor ihm einschert".

Bundesweite Analyse

Wie belastbar die in Öhringen gesammelten Daten sind, sollen weitere Zählungen zeigen, so heute auf der A 5 bei Karlsruhe, aber auch in anderen Bundesländern. "In Hessen war es ähnlich", berichtet Schmidt, dort hätten ebenfalls rund 20 Prozent den Sicherheitsabstand nicht eingehalten. Der ACE will die Zahlen analysieren und hofft, auch in engem Kontakt mit der Polizei, mehr Vernunft bei den Brummi-Fahrern bewirken zu können.


Armin Rössler

Armin Rößler

Armin Rößler, geboren in Heilbronn, aufgewachsen in Untereisesheim, schreibt nach über dreißig Jahren im badischen Exil seit 1. Juli 2020 für die Hohenloher Zeitung.

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