Impf-Aktionswoche ohne Wirkung im Hohenlohekreis

Hohenlohe  Zuletzt ist die Impfquote nur minimal gestiegen. Seit 13. September ist das Kreisimpfzentrum Öhringen geschlossen, die Mobilen Impfteams werden erst aufgebaut. Bei den Hausärzten herrscht kein Andrang.

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Ist bereits geimpft, wer geimpft werden wollte?

Foto: Archiv/dpa

Die Impfquote im Hohenlohekreis stagniert nahezu. Seit dem 12. September ist sie nur um vier Prozentpunkte von 56,5 auf 56,9 Prozent gestiegen. In der letzten Woche vor der Schließung des Kreisimpfzentrums hatte es mehr Bewegung in den Zahlen gegeben: Zum 5. September lag die Impfquote noch bei 55,8 Prozent. Doch die Zeit der großen Anstiege ist vorbei, wie sie noch rückblickend im August erreicht wurden. Denn am 25. Juli waren nur 48,1 Prozent der Hohenloher geimpft.

Das wollte Jens Spahn

Mit einer Aktionswoche hatte Gesundheitsminister Jens Spahn auf die Notwendigkeit der Immunisierung aufmerksam machen wollen. Anfang der Woche hatte er sich in den Medien froh über die Resonanz auf seine Impf-Aktionswoche geäußert: "Wir haben in der Aktionswoche insgesamt rund 500 000 der wichtigen Erst-Impfungen geschafft, etwa die Hälfte dürfte auf Aktionen zurückgehen", wurde der CDU-Politiker zitiert. Vereine, Organisationen, Privat-Initiativen und weitere Freiwillige hätten rund 1500 Impfaktionen auf die Beine gestellt.

Das ist im Hohenlohekreis daraus geworden

Allerdings: Im Hohenlohekreis hat es keine einzige Aktion gegeben. Wenigstens sind dem Landratsamt Hohenlohekreis keine bekannt geworden. Was sagen die beim Land abrufbaren Impfdaten konkret? Stand 19. September waren von den 112 765 im Hohenlohekreis gemeldeten Menschen 67 492 erstmals geimpft, 64 179 Menschen haben mit der zweiten Impfung den vollständigen Impfschutz. Das entspricht 56,9 Prozent der Kreiseinwohner. Damit liegt der Hohenlohekreis deutlich unter dem für den sogenannten Herdenschutz notwendigen Wert von 80 und mehr Prozent. Mit dieser Zahl vollständig geimpfter Bürger rangiert der Hohenlohekreis auch unter dem Landesschnitt sowie hinter der Stadt Heilbronn (57,7) und dem Landkreis Heilbronn (58,4 Prozent).

Mobile Impfteams der SLK-Kliniken Heilbronn werden zusammengestellt

Nach der Schließung des Kreisimpfzentrums in Öhringen zum 13. September sind Mobile Impfteams für die Kreisbewohner zuständig. Zwei dieser Teams werden an den SLK-Kliniken in Heilbronn derzeit zusammengestellt, erklärt eine Kliniksprecherin. Aktuell laufen dafür die Planungen und die Organisation. Momentan sei angedacht, dass zum großen Teil Personal aus dem Kreisimpfzentrum zum Einsatz kommen soll. Pro Team werden vermutlich drei bis fünf Menschen gebraucht.

In Hausarztpraxen ist wenig los

Auch in den Hausarztpraxen ist trotz der Schließung des lokalen Kreisimpfzentrums der Andrang eher verhalten: "Wir hatten letzte Woche etwa 100 Impfungen", meldet Dr. Werner Lechner, Leiter des Medizinischen Versorgungszentrums Forchtenberg. Relativ viele Impflinge seien solche, die im Frühjahr eine Corona-Infektion hatten und nun für das Zertifikat eine Impfung brauchen. Steigend sei die Zahl der Zwölf- bis 16-Jährigen. Es seien auch bereits Drittimpfungen der über 80-Jährigen durchgeführt worden. Auch einzelne Mitarbeiter aus dem Gesundheitswesen hätten bereits eine Auffrischimpfung erhalten. "Wir fangen nun an, in den von uns betreuten Senioreneinrichtungen zu impfen", erklärt Lechner. In der Praxis werde aktuell an zwei Tagen, nämlich Dienstag und Donnerstag, geimpft. "Bei Bedarf können wir jederzeit wieder erhöhen."

So ist die Lage in Baden-Württemberg

Was wird vor allem verimpft? Stand 20. September waren es in Baden-Württemberg 7 172 083 Erstimpfungen, davon mit dem Impfstoff Biontech 5 048 297, Moderna 550 574 und Astrazeneca 1 174 324. Insgesamt wurden 13 716 966 Impfdosen verabreicht.

Weniger Corona-Patienten in Öhringer Klinik

Die Inzidenz im Hohenlohekreis ist im Wochenvergleich gesunken. Gestern wurden 18 Neuinfektionen gemeldet, der Wert liegt nun bei 81,6. Am 15. September waren es 91,3. Seitdem gab es keine neuen Ausbruchsherde. Der Anteil ungeimpfter oder unvollständig Geimpfter an den Neuinfizierten ist leicht auf 81 Prozent gestiegen, der Anteil vollständig Geimpfter geringfügig auf 19 Prozent zurückgegangen.

Die Zahl der Covid-19-Patienten, die im Hohenloher Krankenhaus Öhringen behandelt werden, ist binnen einer Woche von 14 auf 10 gesunken. Ein Patient liegt auf der Intensivstation, vergangenen Mittwoch waren es zwei. "Der leichte Rückgang ist erfreulich, aber die Zahlen schwanken immer wieder", sagt Pflegedirektor Stefan Bort. Man bleibe wachsam, "denn wir haben in den vergangenen Monaten schon mehrmals gesehen, dass die Zahl der Klinikpatienten rasch ansteigen kann".

Im Caritas-Krankenhaus Bad Mergentheim, das ebenfalls zur BBT-Gruppe gehört, sei die Zahl der Corona-Patienten gleich geblieben. Vier bis fünf würden dort behandelt, einer oder zwei davon auf der Intensivstation.


Yvonne Tscherwitschke

Yvonne Tscherwitschke

stv. Redaktionsleiterin Hohenloher Zeitung

Yvonne Tscherwitschke ist seit 1994 bei der Heilbronner Stimme. Als gebürtige Hohenloherin weiß sie, welche Geschichten die Hohenloher interessieren.

Ralf Reichert

Ralf Reichert

Redaktionsleiter Hohenloher Zeitung

Ralf Reichert ist seit Oktober 2006 Redaktionsleiter der Hohenloher Zeitung. Die Region Hohenlohe ist seit jeher seine journalistische Heimat. Er kam vom Haller Tagblatt und stammt aus dem Taubertal. Bei der HZ kümmert er sich vor allem um die Kreisthemen.

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