Künzelsau bekommt ein Hospiz

Hohenlohe  In den Räumen des Hohenloher Krankenhauses in Künzelsau wird es künftig ein Hospiz geben. Und auch das Medizinische Versorgungszentrum nimmt Profil an. Dafür fällt der 24-Stunden-Sitzdienst zum 1. Juli weg. Bürgermeister Stefan Neumann kritisiert die aktuelle Entwicklung.

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Sterbende Menschen wohnortnah begleiten, das wird möglich, wenn ein Hospiz im früheren Künzelsauer Krankenhauses den Betrieb aufnimmt.

Foto: Archiv/Reichert

Die Weichen für die künftige Nutzung des Künzelsauer Krankenhaus-Areals scheinen gestellt. Wie die Hohenloher Zeitung Freitagnachmittag exklusiv erfahren hat, sollen schon im Juli erste konkrete Schritte gemacht werden. Einer davon ist die Schließung des 24-Stunden-Sitzdienstes zum 1. Juli. Der wurde seit seiner Gründung kaum nachgefragt, hat die geforderte Evaluierung ergeben. Dafür wird es in den Räumen des Krankenhauses künftig ein Hospiz geben. Und auch das Medizinische Versorgungszentrum nimmt Profil an.

Schon Mitte Juli soll die Gesellschafterversammlung der BBT-Gruppe, die Träger der Hohenloher Krankenhaus gGmbH ist, über die Gründung einer gemeinnützigen GmbH beschließen, die dann wiederum Träger des Hospizes sein wird. In den vergangenen Monaten seien Gespräche geführt worden mit verschiedenen Partnern, die die Einrichtung dieses dann einmaligen Angebots im Kreis ermöglichen sollen.

Bisher gibt es keine wohnortnahe Versorgung von schwerstkranken und sterbenden Menschen im Hohenlohekreis. Eines der nächsten Hospize ist beispielsweise in Weinsberg. Mit der Gründung der Trägergesellschaft werden die organisatorischen und gesellschaftsrechtlichen Voraussetzungen für die weitere Umsetzung geschaffen, heißt es vom Landratsamt.

Gynäkologie soll Profil schärfen

Aber es sind auch schon weitere Schritte gemacht hin zur Umsetzung des Konzepts, das der Kreistag im Dezember 2018 für das ambulante Gesundheitszentrum gefordert und beschlossen hat. Denn auch die Planungen für das Medizinische Versorgungszentrum im Ärztehaus mediKÜN konkretisieren sich. Der Fokus soll dabei auf die Versorgung von Patientinnen mit gynäkologischen Erkrankungen sowie auf der geburtshilflichen Begleitung liegen. Die Geburtshilfe ist eine der Stärken des Hohenloher Krankenhauses am Standort in Öhringen. Hier soll eine enge Verzahnung stattfinden. Auch würden dann die Patientinnen im Öhringer Krankenhaus von dem Angebot der schnellen weiterführenden Behandlung profitieren. Landrat Matthias Neth soll zufrieden sein mit den sich abzeichnenden Lösungen. Er rechnet mit einer Umsetzung des Medizinischen Versorgungszentrums noch in diesem Jahr. Das Hospiz soll 2021 gegründet sein.

Landrat froh, Bürgermeister sauer

Während der Landrat die aktuelle Entwicklung begrüßt, stößt sie bei Künzelsaus Bürgermeister Stefan Neumann auf Kritik. Er hält die Schließung der Notfallpraxis für einen schweren Fehler und zeigt sich irritiert über das Verfahren. Die Schließung zum jetzigen Zeitpunkt habe für ihn einen faden Beigeschmack. Er kritisiert, dass Zusagen der Hohenloher Krankenhaus gGmbH nicht bindend seien und so schnell eingestellt werden. Das Ziel müsse eine "gescheite ambulante Notfallversorgung am Standort Künzelsau sein."


Yvonne Tscherwitschke

Yvonne Tscherwitschke

stv. Redaktionsleiterin Hohenloher Zeitung

Yvonne Tscherwitschke ist seit 1994 bei der Heilbronner Stimme. Als gebürtige Hohenloherin weiß sie, welche Geschichten die Hohenloher interessieren.

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