Hohenlohekreis schrammt nochmals knapp an der 200er-Inzidenz vorbei

Hohenlohe  Die hochansteckende Variante B 1.1.7 breitet sich rasant aus und ist nun bereits für 80 bis 90 Prozent aller Corona-Fälle im Kreis verantwortlich. Das Infektionsgeschehen präsentiert sich äußerst diffus. Unterdessen bewegt das Thema Osterurlaub die Gemüter.

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Die zunächst in Großbritannien entdeckte Corona-Variante B.1.1.7 breitet sich in Deutschland weiter aus. Foto: dpa

Mit vom Landesgesundheitsamt am Montagabend gemeldeten sechs Neuinfektionen, einem weiteren Todesfall und einer Sieben-Tage-Inzidenz von 194,4 bleibt der Hohenlohekreis nochmals hauchdünn unter der Schwelle zur 200er-Inzidenz. Doch es scheint aktuell nur eine Frage von Tagen zu sein, bis der Kreis die Latte reißt.

Was wäre dann die Konsequenz für die Menschen? Das Landratsamt werde sich in diesem Fall "nach den aktuellen Beschlüssen beziehungsweise Empfehlungen der Bund-Länder-Konferenz richten", teilt Sprecherin Mathea Weinstock auf HZ-Nachfrage mit. Damit könnten unter anderem womöglich Schulen und Kitas wieder geschlossen werden.

Infektionen dringen in jüngere Gruppen vor

Was ist der Grund für die nach oben schießenden Infektionszahlen? "Wir gehen davon aus, dass sich der Anstieg der Sieben-Tage-Inzidenz in den vergangenen Tagen zu einem erheblichen Teil auf die ansteckendere Variante B 1.1.7 zurückführen lässt", so die Sprecherin. Der Anteil der britischen Mutante allein an den aktiven Fällen liegt im Kreis gegenwärtig bei rund 50 Prozent. Es stehen auch noch einige der Sequenzierungen aus.

Was die extrem rasante Ausbreitung der hochinfektiösen Variante eindrücklich verdeutlicht: "Von allen vorliegenden Differenzierungen liegt der B 1.1.7-Anteil bei circa 80 bis 90 Prozent." Werden denn überhaupt alle Proben auf das genaue Virus-Genom untersucht? Dies werde jedenfalls "bei einem sehr großen Teil der Fälle" durchgeführt, heißt es dazu aus der Kreisverwaltung.

 

Was die Situation im Landkreis problematisch macht: Das Infektionsgeschehen ist mittlerweile äußerst diffus. Nach Weinstocks Angaben sind aktuell vier Firmen, fünf Schulen sowie zwei Kinderbetreuungseinrichtungen mit mehreren aktiven Fällen betroffen. Und auch "ansonsten sind die Fälle stark verteilt", so die Sprecherin.

Und: Das Virus breitet sich nun primär in den jüngeren Bevölkerungsschichten aus. Dies ist epidemiologisch problematisch, da ebendiese Gruppen statistisch betrachtet auch bei den jetzigen Restriktionen noch recht viele Kontakte haben: Besonders betroffen sind laut Weinstock im Kreis aktuell mit 22 Prozent die 30- bis 39-Jährigen, gefolgt von Kindern und Jugendlichen im Alter bis 19 Jahre mit 16,5 Prozent.

 

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Was Touristiker zur Lage sagen

Wie spiegelt sich die pandemische Lage in jenem Thema wider, das viele Menschen dieser Tage bewegt: dem Reisen? "Wir haben in den vergangenen Tagen einige Anfragen für die Ostertage und auch für Mallorca gehabt", berichtet Mitarbeiterin Katja Hermann vom Tui-Reisecenter in Öhringen. Aber: Die dadurch generierten Umsätze machen nach ihren Angaben weniger als zehn Prozent eines Vor-Pandemie-Jahres aus. Exakt zwei Buchungen mit Reiseziel Mallorca gab es in den vergangenen acht Tagen in ihrem Reisebüro. "Normalerweise wären das viel, viel mehr", so Hermann. "Wenn man auf die Balearen fliegen darf, sollte man auch an deutsche Ziele, wo der Inzidenzwert passt, reisen dürfen."

 

Reisen - das können aktuell nur die Dauercamper zu ihren Wohnwagen auf dem Campingplatz am Waldenburger Neumühlsee. Denn alle "normalen" Urlauber, die dort keinen fixen Stellplatz besitzen, müssen derzeit ganz draußen bleiben. "Auch die Dauercamper dürfen nicht übernachten", berichtet Geschäftsführer Frank Schünemann.

Er gehe nicht davon aus, dass sich dies über die Ostertage ändern könne, wenngleich er am Montagnachmittag die Beschlüsse des Bund-Länder-Gipfels ja noch nicht kenne. "Denn die Zahlen sind so hoch gegangen - das ist ja unvorstellbar." Der Campingplatz-Chef kann nur an die Vernunft appellieren: "So lange die Leute sich nicht an die Regeln halten, wird es überhaupt nicht mehr besser werden, wenn bisher nur so wenige Menschen überhaupt geimpft sind."

Im Hohenloher Krankenhaus wurden am gestrigen Montag 15 Corona-Patienten behandelt, davon drei auf der Intensivstation. Eine weitere Person lag mit dem Verdacht auf eine Infektion auf der Isolierstation des Klinikums.


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Christian Nick

Christian Nick

Autor

Christian Nick ist Redakteur bei der Heilbronner Stimme/Hohenloher Zeitung. Schwerpunktmäßig betreut er die Kommunen Kupferzell, Neuenstein und Waldenburg – schreibt aber auch über alles andere gerne.

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