Bauernverband sieht Schweinehalter frontal angegriffen

Mit Kritik und Unverständnis reagiert die Spitze des Bauernverbandes in Hohenlohe auf den "Kastenstandbeschluss" des Bundesrates. Ihr Vorsitzender Jürgen Maurer spricht von "Strukturvernichtung".

Von unserer Redaktion
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Alle Sauenhalter müssen in Übergangszeiträumen von acht Jahren für den Deckbereich und 15 Jahren im Abferkelbereich größere Umbautmaßnahmen vornehmen.

Foto: Archiv/Sawatzki

 Vorsitzender Jürgen Maurer: "Wir haben es mit einem Frontalangriff auf die Schweinehalter, speziell auf die Familienbetriebe in Hohenlohe, zu tun. Es geht hier nicht mehr um Strukturwandel, sondern um Strukturvernichtung."

Der Bundesrat hatte am Freitag beschlossen, dass alle Sauenhalter in Übergangszeiträumen von acht Jahren für den Deckbereich und 15 Jahren im Abferkelbereich weitreichende Umbaumaßnahmen treffen müssen. Insbesondere das Platzangebot und die Vorschrift Sauen nur noch fünf Tage im Abferkelbereich und allein für den Deckvorgang fixieren zu dürfen, löst Kopfschütteln aus. Schwere Verletzungen der Sauen durch Rangkämpfe während der Rausche und totgelegene Ferkel nach dem Abferkeln seien für die Landwirte ein unkalkulierbares Betriebs- und für die Tiere ein Gesundheits- und Todesrisiko.

"Haltung zur Landwirtschaft ist unsäglich"

Hinzu komme, dass vorhandene Ställe komplett vergrößert werden müssten. Dafür fehle in den meisten Fällen der Platz, von den Kosten ganz zu schweigen. Der Gesetzgeber habe in den letzten Jahren dafür gesorgt, dass fast keine Baugenehmigungen erteilt werden könnten. Jetzt Neubauten zu fordern, sei nach Ansicht der Bauernvertreter "purer Hohn". Vergrößerungen zur Refinanzierung der immensen Kosten seien undenkbar.

Geschäftsführer Helmut Bleher: "Bereits heute kommen zwölf Milliionen Ferkel von Dänemark und Holland nach Deutschland, auch nach Hohenlohe. Dies wird sich steigern, solange bis auch der letzte Schweinemäster das Handtuch geworfen hat. Denn warum sollen in Deutschland Schweine gemästet werden, wenn es keine deutschen Ferkel mehr gibt ?" Bleher kritisiert Äußerungen von Grünen-Politikern, die "? die Wildschweinrotte als Vorbild für die bäuerliche Schweinehaltung" sehen wollen. "Wenn unter solchen irrationalen Traumvorstellungen Landwirtschaftspolitik gemacht wird, dann gute Nacht Bauerntum in Hohenlohe. Dieser Beschluss widerspricht sämtlichen politischen Beteuerungen zur regionalen Landwirtschaft" ergänzt der Vorsitzende Jürgen Maurer. "Die aktuelle politische Haltung aller Regierungsparteien zur Landwirtschaft ist unsäglich".

Auch Klaus Mugele aus Forchtenberg-Schwarzenweiler versteht die Entscheidung nicht. "Zahlreiche fachliche Argumente und Erfahrungen aus der Praxis zur Gruppenhaltung wurden weitgehend ignoriert, stattdessen extrem erhöhte Vorgaben zu Mindestflächen kompromisslos durchgesetzt. Das belastet erneut zusätzlich die Wettbewerbsfähigkeit im EU-Binnenmarkt", erklärt der Vizepräsident des Landesbauernverbands. Politische Entscheidungen dürften nicht dazu führen, dass die heimische Ferkelzucht mit steigenden Auflagen und höheren Produktionskosten in ausländische Betriebe mit deutlich geringeren Tierschutzstandards verlagert wird. 


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