Zweiflingen und Mulfingen: Zwei sehr verschiedene Kommunen

Hohenlohe  Zweiflingen, die kleinste Gemeinde im Hohenlohekreis, bietet viel Wohnqualität, aber nur ganz wenige Arbeitsplätze. Im dreißig Minuten entfernten Mulfingen ist die Lage ein wenig anders.

Von Peter Hohl und Thomas Zimmermann

Zweiflingen: Zum Leben zurück aufs Land

In Zweiflingen wird viel angebaut, aber wenig produziert. Eine Fabrik sucht man in der kleinsten Gemeinde des Hohenlohekreises vergebens. Landwirtschaft, etwas Handwerk und einige Dienstleister bestimmen das Bild in den sieben Dörfern.

Ein sonniger Herbsttag in Zweiflingen. Foto: Nick

Die Folge: Viele Bürger müssen sich ins Auto setzen, wenn sie an ihren Arbeitsplatz beispielsweise in Öhringen kommen wollen. Die Zahl der Auspendler ist fast drei Mal so hoch wie die der Einpendler.

Das hat durchaus positive Seiten. "Für die Bevölkerung ist es sicher ein angenehmes Wohnen in Zweiflingen", sagt Klaus Gross. "Ruhig" sei es, ergänzt Margit Neubauer. Doch Kämmerin und Bürgermeister nennen auch das für die Gemeinde weniger Positive beim Namen: "das Finanzielle".

Baugrund ist in Zweiflingen günstiger

Grundstücke für Einfamilienhäuser in Zweiflingen und seinen Ortsteilen sind rund halb so teuer wie im benachbarten Öhringen, Geschosswohnungsbau findet hier praktisch nicht statt. Zweiflingen ist als Wohnort begehrt, obwohl es keinen Arzt gibt in der Gemeinde, keine Apotheke, keinen Supermarkt und keine Tankstelle.

Das Kinderhaus mit seinem Betreuungsangebot von 7 bis 17 Uhr ist auch für Familien aus Nachbarkommunen attraktiv, die Grundschule dank Montessori-Pädagogik ebenfalls.

Der Pendlerverkehr verteilt sich auf viele Straßen. Spürbare Belastungen gibt es allenfalls in Pfahlbach und Westernbach, wo die Ortsdurchfahrten einen Teil des Verkehrs zwischen dem Kochertal und der Autobahnanschlussstelle Öhringen verkraften müssen.

Viele Zweiflinger zieht es nach Öhringen

Auch die Zweiflinger zieht es nach Öhringen. Das fängt spätestens mit der weiterführenden Schule an, geht bei Ausbildung und Beruf weiter und ist erst recht im Alter so, ob zum Einkauf oder zum Arztbesuch. "Die Mobilität ist und bleibt das wichtigste Thema im ländlichen Raum", weiß Bürgermeister Klaus Gross. Vor allem, weil längst nicht jeder - noch oder schon - mit eigenem Auto selbständig ist. Da sind kreative Ideen gefragt, wenn mal gerade kein Bus unterwegs ist.

"Die Mitfahrbänke gefallen mir gut", sagt Klaus Gross. In Mulfingen, Niedernhall und Waldenburg gibt es sie bereits. In Zweiflingen werde dieses Modell aber kaum funktionieren, befürchtet der Bürgermeister: Vor dem Rathaus könne man lange auf einer Bank sitzen, bevor man mitgenommen werde.

Elektroauto für die gemeinschaftliche Nutzung

Klaus Gross setzt auf das vor einem Jahr gestartete eCar-Sharing der Stromer aus Orendelsall, auch wenn die Startphase holprig ist. Viele finden das Modell gut, doch nur wenige machen mit, berichtet der Bürgermeister. Er will für die Idee "kämpfen" und setzt darauf, dass nach Orendelsall mit Zweiflingen möglichst bald ein zweiter Ortsteil ein Elektroauto für die gemeinschaftliche Nutzung erhält. Das eCar-Sharing ist eine Privatinitiative, die Stromer sind ein Verein. Die Gemeinde unterstützt das Projekt, indem sie das Auto nutzt.

Im Übrigen ist Sparsamkeit angesagt. Wichtigste Einnahmequelle ist - wie bei einer Wohngemeinde zu erwarten - die Einkommensteuer mit inzwischen mehr als einer Million Euro im Jahr. Dagegen bewegt sich das Gewerbesteueraufkommen zwischen 250.000 und 300.000 Euro.

Kein Wunder also, dass der Bürgermeister bisweilen "neidisch" auf andere Kommunen blickt, die über eigene Gewerbegebiete und zahlungskräftige Steuerzahler verfügen. Klaus Gross weiß aber auch, dass die Einnahmen aus der Gewerbesteuer großen Schwankungen unterliegen können. Und er weiß, dass in einer landwirtschaftlich geprägten Gemeinde abseits der großen Verkehrsachsen eine Gewerbeansiedlung alles andere als einfach ist.

Zweiflingen wolle gerne beim interkommunalen Gewerbegebiet mitmachen, dass die Große Kreisstadt Öhringen gemeinsam mit den Nachbarkommunen anstrebt. Zweiflingen könne sich an der Finanzierung beteiligen oder Ausgleichsflächen einbringen, sagt Gross. Dass dies - auch mit Blick auf den anstehenden A 6-Ausbau und den damit verbundenenen Verlust landwirtschaftlicher Flächen - keine leichte Aufgabe ist, weiß Gross auch.


Mulfingen: Ein Mekka für Arbeitssuchende

Ländlich geprägt und wirtschaftsstark, so lässt sich die Gemeinde Mulfingen charakterisieren. Die Jagsttalgemeinde beherbergt unter anderem den zweitgrößten industriellen Arbeitgeber in der Region Heilbronn-Franken. 

Seit der Gründung setzt das Technologieunternehmen EBM-Papst kontinuierlich weltweite Marktstandards. Foto: privat

Der Ventilatorenhersteller EBM-Papst sorgt mit seinen 2800 Mitarbeitern nicht nur dafür, dass die Räder rollen, sondern trägt maßgeblich zum hohen Gewerbesteueraufkommen der Gemeinde bei, das im Schnitt jährlich bei stolzen zehn Millionen Euro liegt. 

Auch die Sportartikelfirma Jako, kann sich mit rund 220 Beschäftigten zu den großen Arbeitgebern in Hohenlohe rechnen.

Ungewöhnlich hohe Zahl an Einpendlern

"Natürlich haben wir eine große Wirtschaftskraft", freut sich Bürgermeister Robert Böhnel über sprudelnden Gewerbesteuereinnahmen. Die Erträge aus dem Einkommensteueranteil liegen dagegen nur bei rund 300.000 Euro pro Jahr.

Die hohe Wirtschaftkraft bedeutet aber auch, dass die Zahl der Einpendler im knapp 3700 Einwohner zählenden Ort ungewöhnlich hoch ist. 2892 Menschen pendeln täglich in die idyllisch gelegene Jagsttalgemeinde, 1189 Mulfinger fahren aus Mulfingen heraus und arbeiten in der Nachbarschaft.

Anbindung über Hollenbacher Steige

Diese großen Verkehrsströme sind für Mulfingen dennoch kein Problem. "Bei uns klagt niemand über den Pendelverkehr. Das liegt daran, dass die Zubringerstraßen nicht durch die Wohngebiete führen, das ist ein großer Vorteil", sagt Robert Böhnel. Jako hat seinen Hauptsitz im Mulfinger Teilort Hollenbach, EBM-Papst hat dort ein großes Produktionswerk und das Versandzentrum. In Hollenbach gibt es auch noch rund drei Hektar weitere Gewerbeflächen.

"Über die Hollenbacher Steige haben wird diese Firmen gut angebunden", so der Bürgermeister. Das hat sich die Gemeinde einiges kosten lassen. Denn als der Ausbau der Kreisstraße zwischen dem Hauptort Mulfingen und Hollenbach anstand, schoss die Gemeinde 300.000 Euro zum 3,5-Millionen-Euro-Projekt zu. "So konnten wir sicherstellen, dass die Straße auf einer Breite von 6,50 Meter gebaut wurde", erläutert Böhnel.

Busse für Mitarbeiter

Hinzu kommt, dass EBM-Papst und der Hohenloher Nahverkehr schon seit vielen Jahren einen Busverkehr für die Mitarbeiter eingerichtet haben. Aus allen Himmelsrichtungen werden die Bediensteten mit dem ÖPNV in die Werke des Ventilatorenherstellers und wieder nach Hause gefahren. Das entlastet den Verkehr im Jagsttal.

 


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