Weinlese in Hohenlohe: Gute Qualität, aber weniger Ertrag

Hohenlohe  Genossen und Selbstvermarkter in Hohenlohe sind mitten in der Traubenlese und erwarten bei guter Qualität deutlich geringere Erträge als im Vorjahr. Große Sorgen bereitet den Wengertern das Volksbegehren "Rettet die Bienen".

Von Juergen Koch
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Für den Turbo im Weinberg sorgt ein Schnäpsle

Erstmals keltert Ferdinand Fröscher vom Forchtenberger Rebenhof am neuen Standort Alte Kelter. Am 27. November eröffnet er dort auch eine Weinstube.

Manchmal nützt auch der schönste Name nichts. Schönes Lese-Wetter ist bei den Schönecks in der letzten Woche kaum einmal ums Eck gebogen. Stattdessen ein trüber Mix aus Niesel, Regen und Wolken. Nur ganz selten hat die Sonne durch- geblinzelt. "Wir sind annaweech gut druff", bringt Lesehelferin Marianne Hamperl die Stimmung auf den Punkt.

Seit Mitte September läuft bei Genossen und Selbstvermarktern in Hohenlohe auf gut 800 Hektar Rebfläche die Weinlese, und auch die Tafeltraubenernte ist in vollem Gange. Die frühen Sorten sind weitgehend im Keller, während vor allem Trollinger, Riesling und Lemberger noch draußen hängen. Beenden wollen die meisten Wengerter die Lese bis Mitte Oktober.

Ein Drittel weniger Ertrag

Während man in Sachen Qualität nur Gutes hört, gehen viele Wengerter von bis zu einem Drittel weniger Ertrag als im Vorjahr aus. Weniger Probleme bereitet als erwartet hat die Kirschessigfliege, dafür haben vor allem beim Trollinger Trockenheit und Sonnenbrand zu deutlichen Einbußen geführt.

Morgens kurz vor zehn, bei 13 Grad lesen Genossenschaftler Heinz Schöneck und seine sieben Helfer im Schneckenhof oberhalb von Geddelsbach wahre Bilderbuch-Trauben von Chardonnay. In zwei Stunden wollen sie mit den 16 Ar durch sein. "Dann gibt"s Vesper", sagt Senior Schöneck. "Wenn mir brav sind, sogar Leberwurstbrezeln und für den Turbo ein Schnäpsle", witzelt Marianne Ham-perl, die den Schönecks "seit zwanzig Jahren" bei der Lese hilft. Nach dem Motto "bei schönem Wetter kann jeder" stecken die Helfer Niesel und Regen locker weg. Stress im Wengert? Fehlanzeige. Stattdessen: Schwätzle, Witzle, gute Laune.

"Sehr gute Qualität"

Drunten im Weingut Schneckenhof ist Chefin Alexandra Siller im Keller aktiv. Die zweite Vorsitzende des Vereins Die Weingüter Bretzfeld geht beim 2019er von einer "sehr guten Qualität" aus und nennt als Beispiel "90 Oechsle beim Rivaner, 100 beim Schwarzriesling". Dafür liege die Menge "unter 2018". Ähnlich taxiert Vereinskollege Michael Borth in Adolzfurt den Jahrgang: "Bisher alles im guten Spätlese- und Auslese-Bereich, dafür gut ein Drittel weniger als 2018."

"Aktuell haben wir rund 2,2 Millionen Kilo Trauben von erwarteten 5,5 Millionen drin", legt Vorstandschef Reinhold Fritz in der 535 Hektar großen Weinkellerei Hohenlohe eine Zwischenbilanz vor. Die erwartete Menge entspricht rund 4,5 Millionen Liter Wein, etwa eine Million weniger als im Vorjahr.

"Sonnenbrand war ein Riesenthema", sagt er und spricht vor allem beim Trollinger von "heftigen Schäden". Trotz dieses Wermutstropfens freut er sich, "dass wir mit hohen Oechslewerten qualitativ an den guten 2018er anschließen können". Den aktuellen Zustand der Trauben wertet er als "sehr gut", doch wenn der Regen anhalte, könne es in Sachen Fäulnis "schwierig werden".

"Trollinger-Totalverlust durch Sonnebrand"

Teils von "Trollinger-Totalverlust durch Sonnenbrand" spricht Betriebsleiter Joachim Brand vom Öko-Weingut Fürst Hohenlohe Oehringen in Verrenberg. Insgesamt rechnet er mit "gut einem Drittel weniger als 2018." Sprich: 120.000 statt 180.000 Liter Wein. Den Jahrgang bewertet Brand als "gut" und erwartet vor allem "bei den Weißen bessere Aromawerte als im Vorjahr".

Drüben im Steinbacher Tal geht in Renzen auch Selbstvermarkter Karlheinz Ungerer "bei guter Qualität von einem Drittel weniger" aus. Zwei Drittel seiner Trauben hängen noch draußen.

Kein Grund zur Klage

Keinen Grund zum Klagen hat drunten im Kochertal Susanne Schmezer vom Weingut Gaufer in Ingelfingen, die bereits zwei Drittel ihrer Ernte im Keller hat. Trotz "kleiner Frostschäden" ist sie mit dem Jahrgang "sehr zufrieden", bewertet "Menge und Qualität als sehr gut". Trotz des Regens seien die roten Trauben noch "extrem stabil", während man den "Riesling extrem im Auge behalten" müsse.

Ein paar Kilometer weiter in Forchtenberg keltert Ferdinand Fröscher vom Rebenhof seinen ersten Jahrgang am neuen Standort Alte Kelter und freut sich über "kürzere Wege und einfacheres Schaffen". Bewährt habe sich die 2017 eingeleitete Umstellung auf Öko-Anbau. Damit spiele sein Rebenhof nun "eine Vorreiterrolle". Mit "bis jetzt 80 bis 100 Oechsle" sei die Qualität "vielversprechend", seine Menge liege "leicht unter 2018". 90 Prozent seiner Trauben hängen noch. "Mir pressiert"s net," sagt er und plant "beim Riesling eine Novemberlese".

Sorgen wegen Volksbegehren

Für den Turbo im Weinberg sorgt ein Schnäpsle

Seit 20 Jahren hilft Marianne Hamperl (80) den Schönecks bei der Weinlese im Geddelsbacher Schneckenhof. Immer gut gelaunt und einen flotten Spruch auf den Lippen.

Fotos: Juergen Koch

Was die Wengerter aktuell mindestens genauso umtreibt wie die Weinlese, ist das vor einer Woche in Baden-Württemberg angelaufene, vom Freien Institut für ökologische Bienenhaltung Pro Biene initiierte Artenschutz-Volksbegehren "Rettet die Bienen". Zentrale Forderungen des Gesetzentwurfs: 50 Prozent Ökolandbau bis zum Jahr 2035, Halbierung des mit Pestiziden belasteten Flächenanteils bis 2025, Verbot von Artenvielfalt gefährdenden Pestiziden in Naturschutzgebieten und Schutz der Streuobstbestände.

Dagegen wollen jetzt Hohenloher Wengerter mit einem Flyer und Anzeigen in Gemeindeblättern mobil machen, die von der Weinkellerei Hohenlohe und fast allen Hohenloher Privatweingütern getragen werden. "Wir Hohenloher Weinbauern sorgen uns ernsthaft um unsere Zukunft", heißt es dort. "Nach Inkrafttreten der angestrebten Gesetzesänderung des Volksbegehrens dürften wir auf der Hälfte der Weinberge im Hohenlohekreis die Reben nicht mehr vor Krankheiten schützen", so die Befürchtung. Da aber "im konventionellen wie auch im ökologischen Weinbau" ein "sachgemäßer Pflanzenschutz unumgänglich" sei, so die Hohenloher Wengerter, gäbe es ohne diesen "keinen Weinbau mehr".

 

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