Weinführer vergeben Sterne und Trauben nach Hohenlohe

Hohenlohe  Die hohenlohischen Weingüter blicken auf ihre Einstufung in den verschiedenen Weinführern. Freud und Leid liegen da manchmal eng beieinander.

Von Juergen Koch

Weinführer vergeben Sterne und Trauben: Frust und Freude bei Hohenloher Weingütern

Seine bisher beste Kollektion bescheinigt Weinkritiker Gerhard Eichelmann dem Adolzfurter Wengerter Boris Birkert und spendiert ihm eine halbes Sternchen mehr. Foto: Juergen Koch

 

Im Vorjahr katapultierte ihn der Gault Millau um gleich zwei Bewertungsstufen hoch in die Zwei-Trauben-Liga ("gut"). Jetzt gönnt ihm auch Gerhard Eichelmann ein halbes Sternchen mehr und sieht ihn mit zweieinhalb Sternen zwischen "gut und sehr gut". Boris Birkert scheint einen Lauf zu haben.

Allein der Vinum Weinguide schenkt dem Adolzfurter einen Wermutstropfen ein und belässt ihn erneut als "weitere Empfehlung" in der Einstiegsklasse.

Frust und Freude eng beisammen

Eng beisammen liegen Frust und Freude auch für Karlheinz Ungerer: von anderthalb auf zwei Sterne rauf für seine "starke Kollektion" im Eichelmann, von einer Traube runter auf nur noch ein Rebenblatt ("empfehlenswert") im Gault Millau. Auch Ralf Keil muss eine Kröte schlucken: Gerhard Eichelmann stutzt ihn von anderthalb auf einen Stern ("zuverlässig") zurück.

Keine Veränderung bei der Gesamtleistung gibt es dagegen bei den Weingütern Fürst Hohenlohe-Oehringen, Dieroff und Gaufer, die ihr Vorjahres-Niveau bestätigen. Ausgestiegen ist das Weingut Borth in Adolzfurt. Aus Frust über die Bewertung seiner Weine hat Michael Borth Gerhard Eichelmann keine Weine mehr geschickt.

Fürstliches Öko-Weingut behauptet Spitzenplatz

Im Gesamtranking für die Hohenloher Weine (siehe Grafik) behauptet das fürstliche Öko-Weingut erneut seinen Spitzenplatz und stellt gleich drei von vier der mit 90 Punkten am höchsten bewerteten Rot- und Weißweine in Hohenlohe. Einen weiteren 90-Punkte-Wein - seinen ersten - stellt Boris Birkert.

Dem attestiert Gerhard Eichelmann "seine bisher stärkste Kollektion", sieht die "Spitzen wie gewohnt im roten Segment", zeigt sich aber auch "auf breiter Front von den Weißweinen überzeugt". Dass es "a bissle nach oben geht", hat Birkert erwartet, weil seine Weine "in den letzten Jahren konstant gut"" gewesen seien. Das belegt auch die Durchschnittsbewertung aller seiner Weine im Eichelmann, die von 82,9 Punkten im Vorjahr auf 86,3 Punkte im neuen Führer steil nach oben geht.

Boris Birkerts Ziel

Was die Bewertung der Birkert"schen Weine betrifft, liegen in diesem Jahr alle drei Guides maximal ein bis zwei Punkte auseinander. Außer bei Birkerts rotem Flaggschiff. Während Gault-MIllau-Testerin Natalie Lumpp die 2015er Barrique-Cuvée CM mit 85 Punkten abspeist, macht Vinum-Tester Frank Kämmer 87 und Gerhard Eichelmann 90 Punkte locker. Birkert sieht ihn "bei 92, auf jeden Fall aber bei 90 Punkten". Sein Ziel formuliert er so: "Drei Sterne im Eichelmann und drei Trauben im Gault Millau."

Weniger gefreut hat er sich über Vinum, wo sein Weingut als "weitere Empfehlung" auf der Stelle tritt. Obwohl die Durchschnittswertung mit 85,3 Punkten im Vergleich zum Vorjahr (83,1) deutlich zugelegt hat. "Das ist natürlich arg wenig und im Vergleich zu den anderen beiden Guides unterbewertet", sagt Boris Birkert, der sich im Vinum bei zwei Sternen sieht.

Vorwurf an Frank Kämmer

Vinum-Verkoster Frank Kämmer wirft er vor, "Württemberg zu kritisch" zu sehen. Das macht Birkert unter anderem an Kämmers Einführung ins Württemberg-Kapitel fest, wo Kämmer in Bezug auf (auch von Birkert angebaute) "Global Players wie Syrah oder Merlot" schreibt: "Mancherorts erreichen sie ein beachtliches Niveau. Erzeugnisse aus der zweiten, dritten Reihe werfen allerdings auch mal die Frage auf, ob man nicht für weniger Geld einen deutlich besseren Bordeaux kaufen sollte."